Erdölgiganten schliessen Deal
Opec- und Nicht-Opec-Länder raufen sich zusammen: Russland, Saudiarabien, Venezuela und Katar frieren ihre Produktion ein. Der Ölpreis reagiert prompt.

Die zwei grossen Erdölproduzenten Saudiarabien und Russland haben beschlossen, den Ausstoss auf dem Niveau vom Januar zu stabilisieren. Auch Venezuela und Katar schliessen sich dem Deal an.
In Erwartung einer Einigung wurde Öl heute Morgen rund 5 Prozent höher gehandelt. Nach Bekanntwerden erodierten die Gewinne. Um 11.30 Uhr blieben bei den beiden Hauptsorten Brent und WTI noch Preissteigerungen von 1,8 Prozent (WTI) und 2,25 Prozent (Brent) übrig.

Märkte enttäuscht
Viele Marktteilnehmer hätten eine Produktionskürzung erwartet, sagt Javier Blas, der bei der Nachrichtenagentur Bloomberg auf Energiefragen spezialisiert ist. Nun wurde lediglich beschlossen, das Produktionsniveau einzufrieren.
Für Blas könnte das aber ein erster Schritt hin zu Produktionskürzungen sein. Immerhin sei es eine Richtungsänderung gegenüber den Verlautbarungen der letzten eineinhalb Jahre. Weder Saudiarabien noch Russland wollten bisher etwas von Produktionskürzungen wissen. Die heute getroffene Übereinkunft sieht Blas als Zeichen, dass die beiden Ölgiganten angesichts des Preiszerfalls nervös sind und etwas dagegen tun wollen.
Krisensitzung der Erdölproduzenten
Die Einigung wurde am Rande eines Treffens von Ölministern aus mehreren Förderländern in der katarischen Hauptstadt Doha erzielt. Thema des Treffens ist der niedrige Preis des Rohstoffs, der den Förderländern zunehmend Schwierigkeiten bereitet.
Ein Vertreter der Regierung in Katar sagte der Nachrichtenagentur AFP, der russische und der saudische Minister sowie ihre Kollegen aus Katar und Venezuela seien in einem Hotel in Doha zusammengekommen.
Saudiarabien ist das mit Abstand produktionsstärkste Land des Ölkartells Opec, Russland ist ebenfalls einer der grössten Ölförderer der Welt. Saudiarabien, Katar und Venezuela gehören zur Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec), Russland nicht.
Erstmals auch Russland dabei
«Es sieht so aus, als ob Russland in den inneren Zirkel der Opec eingeladen worden ist», sagte Analyst Daniel Ang von Phillip Futures in Singapur. «Das ist der grosse Unterschied zu vergangenem Jahr.» Noch im Dezember hatten sich die Opec-Staaten nicht auf eine Drosselung des Angebots einigen können.
Im Vorfeld des Treffens war bekannt geworden, dass Venezuela mit einigen Opec-Mitgliedsländern sowie mit Russland über eine Kooperation zur Stützung der Preise gesprochen hatte. Venezuelas und Russlands Volkswirtschaften stecken tief in der Krise, die Staatseinnahmen sind wegen des Ölpreisverfalls dramatisch zurückgegangen.
Der Ölpreis fällt bereits seit Mitte 2014 – von damals rund 100 Dollar pro Barrel (159 Liter) rutschte er um fast 70 Prozent auf rund 30 Dollar. Hintergrund ist ein Überangebot am Markt, gepaart mit einer verhaltenen Nachfrage. Hinzu kommen Sorgen um die Konjunktur in China, dem grössten Ölverbraucher der Welt. Ausserdem wird erwartet, dass der Iran wieder mehr Öl exportieren wird, nachdem die Sanktionen des Westens kürzlich aufgehoben worden sind.
Marktanteil wichtiger als Preis
Saudiarabien hat sich bisher gegen Förderkürzungen ausgesprochen, weil es seine Marktanteile mit einem Preiskampf gegen aufstrebende Ölproduzenten verteidigen will. Das Land zeigt sich aber gesprächsbereit, wenn es um gemeinsame Kürzungen mit Ländern ausserhalb der Opec wie Russland geht.
An den Ölmärkten waren zuletzt wiederholt Spekulationen zu Förderkürzungen aufgeflammt. Doch ein abgestimmtes Vorgehen der Produzenten ist bislang nicht erkennbar. Im Kampf um Marktanteile haben die grössten Ölstaaten bisher bewusst auf Produktionskürzungen verzichtet und stattdessen den Markt geflutet. Damit wollen sie die USA aus dem Markt drängen, wo dank der umstrittenen Fracking-Technik die Förderung boomt. Die Preise sanken auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt.
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