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Es geht aufwärts

Die neuen Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz stimmen optimistisch. Der Aufschwung ist breit abgestützt. Wenig zu erwarten ist aber bei der Lohnentwicklung.

Die Industrie legt besonders kräftig zu, der Frankenschock scheint hier überwunden zu sein: Fabrikationshalle des Werkzeugmaschinenherstellers Tornos in Moutier.
Die Industrie legt besonders kräftig zu, der Frankenschock scheint hier überwunden zu sein: Fabrikationshalle des Werkzeugmaschinenherstellers Tornos in Moutier.
Keystone

Die Lücke schliesst sich. Der seltsame Unterschied zwischen den überaus positiven Stimmungsindikatoren zur Schweizer Wirtschaft und der im Gegensatz dazu eher schwachen tatsächlich gemessenen Wirtschaftsentwicklung scheint zu verschwinden. Das zeigt zumindest das heute vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) publizierte Wachstum des Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal des laufenden Jahres an. Mit einer Zunahme um 0,6 Prozent hat es deutlich stärker zugenommen als in den Vorquartalen.

Seit dem letzten Quartal 2016 (als es noch um 0,1 Prozent geschrumpft ist) ist das Wachstum in jedem Quartal etwas grösser ausgefallen. Angesichts der schwachen Entwicklung im ersten Halbjahr wird sich das Jahreswachstum der Schweizer Wirtschaft gemäss Schätzung des Seco dennoch nur auf geringe 0,9 Prozent belaufen. Immerhin soll der Aufschwung gemäss dieser Prognose im nächsten Jahr deutlich an weiterem Schub gewinnen, sodass im nächsten Jahr mit einem BIP-Wachstum von 2 Prozent zu rechnen ist.

Für einen anhaltenden Optimismus sprechen weiterhin die Stimmungsindikatoren. So hat auch das ebenfalls heute publizierte von der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) ermittelte Konjunkturbarometer seinen seit drei Monaten anhaltenden Aufwärtstrend fortgesetzt. Das Barometer, das auf Daten zu über 400 Indikatoren basiert, zeigt die Richtung der Wirtschaftsentwicklung für die nächste Zukunft an. Ebenfalls einen steilen Anstieg und einen hohen Wert zeigt der von der Credit Suisse und dem Einkäuferverband Procure ermittelte Einkaufsmanagerindex (PMI) für die verarbeitende Industrie. Der Index basiert auf Befragungen von Einkaufsmanagern. Aktuell liegt er bei 62 Punkten. Indexpunkte über 50 zeigen eine Expansion an.

Der Franken ist kaum mehr überbewertet

Von der Industrie kamen bereits für das BIP-Wachstum im dritten Quartal die stärksten Impulse. Der Bereich hat um 2,2 Prozent zugelegt. Die Entwicklung verweist darauf, dass der Schock des zu teuren Frankens insgesamt weitgehend überwunden ist, da die Industrie darunter besonders stark gelitten hat. Dass der Schweizer Franken sich seit dem Sommer aussergewöhnlich stark abgeschwächt hat, gibt dieser Branche und der Konjunkturentwicklung der Schweiz weiter Schub. Noch im Sommer kostete 1 Euro an den Interbankenmärkten weniger als 1,09 Franken, aktuell sind es beinahe 1,17 Franken.

Gemäss einer Umfrage der Credit Suisse und des Analystenverbands CFA unter Finanzanalysten gehen Letztere mehrheitlich davon aus, dass der kaufkraftbereinigt richtige Aussenwert des Frankens bei einem Europreis zwischen 1,10 und 1,20 Franken liegt. Das würde bedeuten, dass die Schweizer Währung nicht mehr überbewertet ist. Bei der Schweizerischen Nationalbank will man allerdings dennoch keine Entwarnung geben: «Wir können nicht davon ausgehen, dass das ein Niveau ist, das unantastbar ist», sagte gemäss einem Agenturbericht SNB-Vize Fritz Zurbrügg am Dienstag am Rande einer Veranstaltung zum aktuellen Aussenwert des Frankens. Ausserdem sagte er, der Franken habe seine Funktion als sicherer Hafen beibehalten und sei weiterhin hoch bewertet.

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Für die aktuelle und prognostizierte Schweizer Wirtschaftsentwicklung hat aber nicht nur der abgeschwächte Franken einen positiven Einfluss, sondern auch die gute Konjunkturentwicklung in den wichtigsten Absatzländern der Schweiz, das gilt ganz besonders für die Eurozone. So haben die Exporte im dritten Quartal um 2,1 Prozent zugelegt, die Importe sind dagegen um 1,6 Prozent zurückgegangen. Beide Effekte erhöhen das Wachstum der Nettoexporte und damit des BIP.

Gestützt wird der Aufschwung in der Schweiz aber auch durch die Binnenwirtschaft. Bei den Ausrüstungsinvestitionen setzte sich laut Seco das bereits im Vorquartal überdurchschnittliche Wachstum mit 0,9 Prozent fort. Um 0,1 Prozent zurückgegangen sind allerdings die Bauinvestitionen. Nach einer langen Boomphase zeigt sich dort schon seit einigen Quartalen eine Konsolidierung auf hohem Niveau.

Geringe Reallohnzunahme zu erwarten

Auch der private Konsum, der noch zu Jahresbeginn Sorgen bereitet hat, ist mit 0,4 Prozent stärker als in jedem anderen Quartal des laufenden Jahres gewachsen. Druck auf den Konsum ausüben dürfte allerdings die Lohnentwicklung. Gemäss der jüngsten Lohnumfrage der UBS steigen die Nominallöhne im nächsten Jahr nur gerade um 0,7 Prozent an. Real – also kaufkraftbereinigt – ist sogar nur ein Wachstum von 0,1 Prozent zu erwarten, was tiefer ist als in allen Jahren seit der Finanzkrise.

Immerhin soll sich die Lage am Arbeitsmarkt verbessern. Insbesondere soll das Beschäftigungswachstum in der Schweiz wieder stärker zulegen, das sich in jüngster Zeit aussergewöhnlich schwach entwickelt hat. Während es sich im laufenden Jahr noch auf tiefe 0,3 Prozent belaufen soll, rechnet das Seco für 2018 mit einem Wachstum von 0,8 Prozent, was im historischen Vergleich allerdings noch immer wenig ist. Die Arbeitslosenquote soll sich gemäss dieser Prognose auf 3 Prozent reduzieren. Saisonbereinigt lag sie gemäss der jüngsten Messung im Oktober bei 3,1 Prozent.

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