Konjunktur: Schweizer Finanzchefs sind besorgt

Internationale Spannungen bremsen das Wachstum. Auch die EU-Kommission schraubt ihre Prognosen erneut zurück.

Das Wachstum im Euroraum wird sich fortsetzen, aber weniger stark als angenommen. (Archivbild) Bild: Armando Babani/EPA/Keystone

Das Wachstum im Euroraum wird sich fortsetzen, aber weniger stark als angenommen. (Archivbild) Bild: Armando Babani/EPA/Keystone

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Angesichts internationaler Spannungen und Unsicherheiten geht die EU-Kommission im laufenden Jahr von einem schwächeren Wirtschaftswachstum in der Eurozone aus.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in den 19 Staaten der Währungsunion in diesem Jahr nur noch um 1,2 Prozent zulegen, teilte die Brüsseler Behörde am Dienstag mit. Im Februar hatte sie ihre Erwartungen bereits von 1,9 auf 1,3 Prozent heruntergeschraubt. Gründe sind vor allem die Abkühlung der Weltwirtschaft und zunehmende internationale Handelskonflikte, vor allem zwischen den USA und China.

«Die europäische Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig angesichts eines ungünstigeren äusseren Umfelds», sagte der zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis. Das Wachstum werde sich in sämtlichen Staaten fortsetzen, vor allem wegen starker Binnennachfrage und steigender Beschäftigung. Aus Sicht der EU-Kommission steigen die Risiken jedoch. Dazu zählen nach wie vor die Gefahr eines chaotischen Brexits sowie eine schwächelnde Wirtschaft in wichtigen Wachstumsmärkten, vor allem in China.

Schweizer Finanzchefs besorgt

Die Stimmung der Schweizer Finanzchefs hat sich mit Blick auf die Konjunkturentwicklung weiter eingetrübt. Insbesondere geopolitische Risiken und die Sorge vor einer sich abschwächenden Nachfrage im Inland belasten die Gemüter, wie die halbjährlich durchgeführte CFO-Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt.

Zwar blicke mit 53 Prozent eine Mehrheit der befragten Finanzchefs betreffend Binnenkonjunktur optimistisch in die Zukunft. Allerdings hätten die CFOs ihre Erwartungen nun bereits zum zweiten Mal in Folge zurückgeschraubt, heisst es in einer Mitteilung zur Umfrage vom Dienstag.

Auch bezüglich Geschäftsaussichten liegt der Höhepunkt in der Vergangenheit. Nur noch eine kleine Mehrheit (3%) der Befragten rechnet im Vergleich zur Herbstumfrage mit einer Verbesserung.

Weitere Investitionen

Trotz offenbar dunklerer Wolken am Konjunkturhimmel wollen die Schweizer Finanzchefs aber weiter investieren und Personal einstellen. 83 Prozent der Befragten sehen organisches Wachstum für die nächsten zwölf Monaten als strategische Priorität. Von grosser Wichtigkeit sind auch die digitale Transformation (79%), Einsparungen (76%) oder neue Produkte (75%).

Auf dem Sorgenbarometer der Finanzchefs sind derweil der Fachkräftemangel und der Wechselkurs aus den Top-5 herausgefallen. Neu auf dem Spitzenplatz liegen die geopolitischen Risiken, wobei vor allem die unklare Situation rund um den Brexit oft als Gefahr genannt wird.

Digitalisierung auch als Chance

Die Sorge vor einer Nachfrageschwäche im Inland und dem technologischen Wandel folgen im Sorgenbarometer auf den weiteren Plätzen. Die Digitalisierung wird aber auch als Chance gesehen. «Schweizer Finanzchefs setzen mehr noch als ihre europäischen Kollegen auf Digitalisierung, um ihr Unternehmen widerstandsfähiger zu machen», so Alessandro Miolo, der bei Deloitte für die Umfrage in der Schweiz verantwortlich ist.

Während in der Schweiz in Bezug auf die Digiatlisierung meist die Steigerung der Effizienz im Vordergrund sei, setzten die Europäer stärker auf kundenorientierte Programme, um das Unternehmen robuster zu machen. Die breitere Anwendung der Digitalisierung biete aber sowohl in der Schweiz als auch in Europa Potenzial, glaubt Miolo.

Erstmals wurden die Finanzchefs auch zu ihren Zinserwartungen befragt. Demnach rechnen hierzulande 41 Prozent der Befragten auch noch in zwei Jahren mit Negativzinsen, während 28 Prozent von Nullzinsen ausgehen.

(oli/sda)

Erstellt: 07.05.2019, 15:27 Uhr

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