Zum Hauptinhalt springen

«Europa ist reich genug, um den Euro zu retten»

Raghuram Rajan, berühmter ehemaliger IWF-Chefökonom, hält den geplanten Rettungsschirm für ausreichend. Über die beiden Schweizer Grossbanken sagt er: «Da hat die Schweiz ein echtes Problem.»

Stefan Schnyder
Die Eurokrise dauert schon mehr als zwei Jahre. Der Reihe nach: Die griechische Regierung unter Giorgos Papandreou revidiert die Schätzung des Staatsdefizits für 2009 nach oben – von 6 Prozent auf mehr als 12 Prozent des BIP. Ende 2010 werden die Schulden mehr als 140 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Im Dezember stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab, die anderen Ratingagenturen folgen.
Die Eurokrise dauert schon mehr als zwei Jahre. Der Reihe nach: Die griechische Regierung unter Giorgos Papandreou revidiert die Schätzung des Staatsdefizits für 2009 nach oben – von 6 Prozent auf mehr als 12 Prozent des BIP. Ende 2010 werden die Schulden mehr als 140 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Im Dezember stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab, die anderen Ratingagenturen folgen.
Francois Lenoir, Reuters
Am EU-Gipfel wird der Rettungsschirm EFSF gegründet. Er umfasst 750 Milliarden Euro. Die Kreditvergabekapazität liegt tiefer, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien nötig sind. Der EFSF soll im Notfall an Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten zu stützen. Im Bild: Giorgos Papandreou an einem Pressetermin.
Am EU-Gipfel wird der Rettungsschirm EFSF gegründet. Er umfasst 750 Milliarden Euro. Die Kreditvergabekapazität liegt tiefer, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien nötig sind. Der EFSF soll im Notfall an Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten zu stützen. Im Bild: Giorgos Papandreou an einem Pressetermin.
John Thys, AFP
Irland muss vom Eurorettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken gerettet und ist in Schieflage geraten. Als Weg aus der Krise schlägt Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker im Dezember schliesslich Eurobonds vor – Staatsanleihen, die EU-Mitgliedsstaaten gemeinsam herausgeben.
Irland muss vom Eurorettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken gerettet und ist in Schieflage geraten. Als Weg aus der Krise schlägt Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker im Dezember schliesslich Eurobonds vor – Staatsanleihen, die EU-Mitgliedsstaaten gemeinsam herausgeben.
Cathal McNaughton, Reuters
Auf Druck der anderen Euroländer begibt sich Portugal unter den Rettungsschirm EFSF. Das Land erhält 78 Milliarden Euro. Im Bild: Der portugiesische Finanzminister Fernando Teixeira.
Auf Druck der anderen Euroländer begibt sich Portugal unter den Rettungsschirm EFSF. Das Land erhält 78 Milliarden Euro. Im Bild: Der portugiesische Finanzminister Fernando Teixeira.
Bernadett Szabo, Reuters
Die Sorge um Italien lässt den Euro abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrössten Volkswirtschaft Europas liegt bei über 120 Prozent des BIP. Zudem schnürt die EU am 11. Juli das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro. Erstmals verzichten die Banken auf einen Teil ihrer Forderungen. Im Bild: Der italienische Premierminister Silvio Berlusconi.
Die Sorge um Italien lässt den Euro abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrössten Volkswirtschaft Europas liegt bei über 120 Prozent des BIP. Zudem schnürt die EU am 11. Juli das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro. Erstmals verzichten die Banken auf einen Teil ihrer Forderungen. Im Bild: Der italienische Premierminister Silvio Berlusconi.
Francois Lenoir, Reuters
Die Ratingagenturen entziehen Frankreich das AAA-Rating. Die Debatte über die gemeinsamen Anleihen, die Eurobonds, entflammt neu. Merkel und Sarkozy schlagen am Krisengipfel am 16. August eine EU-Wirtschaftsregierung vor, die sich aus dem Rat der Staats- und Regierungschefs der Euroländer zusammensetzen soll. Im Bild: Der Arc de Triomphe in Paris.
Die Ratingagenturen entziehen Frankreich das AAA-Rating. Die Debatte über die gemeinsamen Anleihen, die Eurobonds, entflammt neu. Merkel und Sarkozy schlagen am Krisengipfel am 16. August eine EU-Wirtschaftsregierung vor, die sich aus dem Rat der Staats- und Regierungschefs der Euroländer zusammensetzen soll. Im Bild: Der Arc de Triomphe in Paris.
Benoit Tessier, Reuters
In Paris kündigen Merkel und Sarkozy (im Bild) an, die Europäischen Verträge ändern zu wollen. Alle 17 Euroländer sollen eine Schuldenbremse einführen, der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) wird auf Ende 2012 vorgezogen. Ihre Vorschläge wollen sie am EU-Gipfel in Brüssel einbringen.
In Paris kündigen Merkel und Sarkozy (im Bild) an, die Europäischen Verträge ändern zu wollen. Alle 17 Euroländer sollen eine Schuldenbremse einführen, der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) wird auf Ende 2012 vorgezogen. Ihre Vorschläge wollen sie am EU-Gipfel in Brüssel einbringen.
Eric Feferberg, AFP
Der britische Premier David Cameron (im Bild) ist jedoch beim neuen Pakt nicht mit dabei – er scheitert mit seinem Anspruch, Sonderregelungen für den Finanzplatz London auszuhandeln. Die 17 Staaten der Eurozone sowie sechs Staaten der EU kommen aber zu einer Einigung: Im März soll ein Vertrag unterzeichnet werden, der automatische Sanktionen bei Budgetüberschreitungen vorsieht. Ausserdem sollen der Rettungsfonds EFSF und der Währungsfonds IWF gemeinsam Nothilfe leisten. Der Plan ist ein Sieg für Merkel und Sarkozy.
Der britische Premier David Cameron (im Bild) ist jedoch beim neuen Pakt nicht mit dabei – er scheitert mit seinem Anspruch, Sonderregelungen für den Finanzplatz London auszuhandeln. Die 17 Staaten der Eurozone sowie sechs Staaten der EU kommen aber zu einer Einigung: Im März soll ein Vertrag unterzeichnet werden, der automatische Sanktionen bei Budgetüberschreitungen vorsieht. Ausserdem sollen der Rettungsfonds EFSF und der Währungsfonds IWF gemeinsam Nothilfe leisten. Der Plan ist ein Sieg für Merkel und Sarkozy.
AFP
Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stuft die Bonität der AAA-Staaten Frankreich und Österreich auf AA+ ab. Drei Tage danach nimmt die Agentur auch dem Euro-Rettungsschirm EFSF seine Spitzenbonität und stuft den Fonds auf AA+ herab.
Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stuft die Bonität der AAA-Staaten Frankreich und Österreich auf AA+ ab. Drei Tage danach nimmt die Agentur auch dem Euro-Rettungsschirm EFSF seine Spitzenbonität und stuft den Fonds auf AA+ herab.
Mal Langsdon, Reuters
Athen kann wieder auf die Auferstehung hoffen: Die Eurogruppe hat nach heftigem Ringen grünes Licht für ein zweites Rettungspaket von 130 Milliarden Euro gegeben. Zudem wollen die privaten Gläubiger Hellas 53,5 Prozent der Schulden erlassen, also gut 107 Milliarden Euro. Das sind sieben Milliarden Euro mehr als zunächst vorgesehen. Im Bild: IWF-Chefin Christine Lagarde, Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker und EU-Währungskommissar Olli Rehn präsentieren den Medien nach einer harten Verhandlungsnacht den Rettungsplan für Griechenland.
Athen kann wieder auf die Auferstehung hoffen: Die Eurogruppe hat nach heftigem Ringen grünes Licht für ein zweites Rettungspaket von 130 Milliarden Euro gegeben. Zudem wollen die privaten Gläubiger Hellas 53,5 Prozent der Schulden erlassen, also gut 107 Milliarden Euro. Das sind sieben Milliarden Euro mehr als zunächst vorgesehen. Im Bild: IWF-Chefin Christine Lagarde, Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker und EU-Währungskommissar Olli Rehn präsentieren den Medien nach einer harten Verhandlungsnacht den Rettungsplan für Griechenland.
Keystone
Griechenland gelingt die grösste Staatsumschuldung der Geschichte. Nach monatelangen Verhandlungen beteiligen sich genügend private Gläubiger an der Massnahme. Der Staatshaushalt wird mit über 100 Milliarden Euro entlastet. Der Weg für die Auszahlung des zweiten Hilfspakets über 130 Milliarden Euro ist damit frei. Im Bild: Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos.
Griechenland gelingt die grösste Staatsumschuldung der Geschichte. Nach monatelangen Verhandlungen beteiligen sich genügend private Gläubiger an der Massnahme. Der Staatshaushalt wird mit über 100 Milliarden Euro entlastet. Der Weg für die Auszahlung des zweiten Hilfspakets über 130 Milliarden Euro ist damit frei. Im Bild: Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos.
Keystone
Zum akutesten Sorgenkind wird Spanien: Ministerpräsident Rajoy (Bild) hat in den Monaten seit seinem Amtsantritt einschneidende Sparpakete verabschiedet. Die Bevölkerung protestiert regelmässig unter Führung der Gewerkschaften. Lesen Sie auch den Blog-Eintrag: «Die wahre Bombe liegt in Spanien».
Zum akutesten Sorgenkind wird Spanien: Ministerpräsident Rajoy (Bild) hat in den Monaten seit seinem Amtsantritt einschneidende Sparpakete verabschiedet. Die Bevölkerung protestiert regelmässig unter Führung der Gewerkschaften. Lesen Sie auch den Blog-Eintrag: «Die wahre Bombe liegt in Spanien».
Reuters
Die Schuldenkrise in Spanien spitzt sich zu: Die viertgrösste Bank des Landes, Bankia, bittet die Regierung um 19 Milliarden Euro für ihre Rekapitalisierung. Auch Katalonien, die reichste autonome Region, will rasche finanzielle Hilfe von der Zentralregierung in Madrid. Katalonien, wo ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandproduktes erwirtschaftet wird, muss in diesem Jahr mehr als 13 Milliarden Euro umschulden.Die Märkte reagieren in der Folge verunsichert. Die Zinsen auf zehnjährige spanische Staatsanleihen steigen am 30. Mai bis auf 6,71 Prozent.
Die Schuldenkrise in Spanien spitzt sich zu: Die viertgrösste Bank des Landes, Bankia, bittet die Regierung um 19 Milliarden Euro für ihre Rekapitalisierung. Auch Katalonien, die reichste autonome Region, will rasche finanzielle Hilfe von der Zentralregierung in Madrid. Katalonien, wo ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandproduktes erwirtschaftet wird, muss in diesem Jahr mehr als 13 Milliarden Euro umschulden.Die Märkte reagieren in der Folge verunsichert. Die Zinsen auf zehnjährige spanische Staatsanleihen steigen am 30. Mai bis auf 6,71 Prozent.
Reuters
Beobachter vermuten, die Spanier seien lange zu stolz gewesen, um Hilfe zu beantragen. Schliesslich bittet die Regierung doch um finanzielle Unterstützung für die angeschlagenen Banken. Die Euroländer sagen umgehend bis zu 100 Milliarden Euro zu. Im Bild: Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos verkündet die Hilfsanfrage in Madrid.
Beobachter vermuten, die Spanier seien lange zu stolz gewesen, um Hilfe zu beantragen. Schliesslich bittet die Regierung doch um finanzielle Unterstützung für die angeschlagenen Banken. Die Euroländer sagen umgehend bis zu 100 Milliarden Euro zu. Im Bild: Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos verkündet die Hilfsanfrage in Madrid.
Reuters
In Griechenland kommt es zu wegweisenden Wahlen. Die Partei des konservativen Antonis Samaras erhält vom Volk am meisten Stimmen. Tags darauf gelingt die Regierungsbildung. Antonis Samaras wird zum neuen Ministerpräsidenten von Griechenland ernannt.
In Griechenland kommt es zu wegweisenden Wahlen. Die Partei des konservativen Antonis Samaras erhält vom Volk am meisten Stimmen. Tags darauf gelingt die Regierungsbildung. Antonis Samaras wird zum neuen Ministerpräsidenten von Griechenland ernannt.
Keystone
Nach Spanien flüchtet auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar. Beim Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs am 28. und 29. Juni 2012 in Brüssel wurde unter anderem die Rettung der spanischen Banken beschlossen. Im Bild: Eine Zypern-Flagge weht neben einer EU-Flagge.
Nach Spanien flüchtet auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar. Beim Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs am 28. und 29. Juni 2012 in Brüssel wurde unter anderem die Rettung der spanischen Banken beschlossen. Im Bild: Eine Zypern-Flagge weht neben einer EU-Flagge.
AFP
Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert, dass die Euroländer auf ihre Schulden für Griechenland verzichten sollen. Er droht mit dem Ausstieg aus der Rettung, falls die Staaten nicht einlenken werden. Die EU-Kommission reagiert verärgert auf die Forderungen. Im Bild: Der IWF-Hauptsitz in Washington.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert, dass die Euroländer auf ihre Schulden für Griechenland verzichten sollen. Er droht mit dem Ausstieg aus der Rettung, falls die Staaten nicht einlenken werden. Die EU-Kommission reagiert verärgert auf die Forderungen. Im Bild: Der IWF-Hauptsitz in Washington.
Keystone
In der Eurozone ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli zum ersten Mal auf mehr als 18 Millionen gestiegen. 18'002'000 Menschen waren ohne Arbeit und somit 88'000 Menschen mehr als im Vormonat. Das entspricht einer Rekordarbeitslosenquote von 11,3 Prozent. Im Bild: Menschen stehen in Porto, Portugal, vor dem Arbeitsamt an.
In der Eurozone ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli zum ersten Mal auf mehr als 18 Millionen gestiegen. 18'002'000 Menschen waren ohne Arbeit und somit 88'000 Menschen mehr als im Vormonat. Das entspricht einer Rekordarbeitslosenquote von 11,3 Prozent. Im Bild: Menschen stehen in Porto, Portugal, vor dem Arbeitsamt an.
Keystone
1 / 20

Die Euroländer setzen alles daran, ihre Währung zu retten. Werden sie Erfolg haben?

Grundsätzlich ist Europa reich. Die Gesamtschuld entspricht etwa der Wirtschaftsleistung eines Jahres. Europa hat also eine ganz andere Ausgangslage als beispielsweise hoch verschuldete Entwicklungsländer. Europa kann den Euro retten. Aber es gibt keine Gewissheit, dass dies den Ländern gelingen wird.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.

Abo abschliessen