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Eurozone steht am G-20-Gipfel am Pranger

Kurz vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank sorgt die Schuldenkrise für Zündstoff. Staats- und Regierungschefs äusserten in einem offenen Brief ihren Unmut über Versuche der Politik zur Eindämmung der Krise.

Beobachtet die Probleme im Euroraum mit Argusaugen: Zhou Xiaochuan, Chef der chinesischen Zentralbank.
Beobachtet die Probleme im Euroraum mit Argusaugen: Zhou Xiaochuan, Chef der chinesischen Zentralbank.
Reuters

Inmitten anhaltender Sorgen über ein Absinken der Weltwirtschaft in eine neue Rezession haben die 20 grössten Wirtschaftsnationen der Welt ein gemeinsames Vorgehen gegen die europäische Schuldenkrise und das stockende Wirtschaftswachstum versprochen und damit eine leichte Entspannung an dem Märkten bewirkt. «Wir verpflichten uns, alle zum Erhalt der Stabilität des Bankensystems und der Finanzmärkte notwendigen Massnahmen zu treffen», hiess es in einer gemeinsamen Erklärung der G-20-Staaten zu Beginn der Herbsttagung von IWF und Weltbank.

Turbulenzen an den Märkten

Die vorab nicht geplante Erklärung wurde angesichts neuer Turbulenzen an den Finanzmärkten am Donnerstagabend veröffentlicht. Am Freitag wurden die herben Verluste der vergangenen Tage an den europäischen Börsen vorerst abgebremst. Der DAX, der französische CAC-40 und der britische FTSE-Index verloren am Vormittag unter einem Prozent. An der New Yorker Wallstreet wurde sogar ein leichter Zugewinn erwartet.

Die Märkte hofften aber weiterhin auf ein deutliches Vorgehen in der Schuldenkrise und vor allem auf Taten, die der Erklärung der G-20 folgen. Einen Fingerzeig in diese Richtung machte Donnerstagnacht der französische Finanzminister François Baroin. Die G-20-Gruppe glaube, dass es einen Ausweg aus der Krise gebe, sagte er und deutete an, dass der Rettungsschirm der Eurozone, EFSF, möglicherweise Anleihen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) aufnehmen könnte, um ihm mehr finanzielle Kapazität zu verleihen.

«Eine gefährliche Phase»

Baroin sprach am Donnerstag in Washington zwar nicht dezidiert dieses Projekt an, erklärte aber, die Eurozone wolle die Möglichkeiten des EFSF maximieren und ihn als Hebel einsetzen. Er bezog sich damit offenbar auf einen entsprechenden Vorschlag von US-Finanzminister Timothy Geithner, den er bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus den Euroländern in Polen vergangene Woche vorgebracht hatte.

Die neue IWF-Direktorin Christine Lagarde hatte bei dem Treffen in Washington zuvor eine stärkere Zusammenarbeit der Staaten in der gegenwärtigen Krise gefordert. «Die derzeitige wirtschaftliche Situation tritt in eine gefährliche Phase ein», sagte sie. Auch Weltbankpräsident Robert Zoellick zeigte sich am Abend besorgt über die globale Wirtschaft. «Ich glaube immer noch, dass eine Double-Dip-Rezession für die grössten Wirtschaftsnationen unwahrscheinlich ist, aber mein Vertrauen darin wird täglich angeknabbert», erklärte Zoellick am Donnerstag.

dapd/pbe

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