EZB-Chef kündigt neuen Schub für Wirtschaft an

Mario Draghi bereitet zum Ende seiner Amtszeit noch einmal eine Lockerung der Geldpolitik vor.

Ein letztes Mal über die europäische Geldpolitik bestimmen: Der abtretende EZB-Chef Mario Draghi. Foto: Michael Probst/Keystone

Ein letztes Mal über die europäische Geldpolitik bestimmen: Der abtretende EZB-Chef Mario Draghi. Foto: Michael Probst/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat neue Massnahmen zur Stützung der Konjunktur in Aussicht gestellt. Wie EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag nach der Sitzung der Notenbankchefs in Frankfurt am Main sagte, leidet die Wirtschaft unter den andauernden Handelskonflikten und auch die Inflationserwartung ging zurück. Deshalb will die EZB eine Anpassung der Leitzinsen sowie weitere Massnahmen wie ein Anleihenkaufprogramm prüfen.

Vor allem in Industrieländern werde die Situation «schlimmer und schlimmer», sagte Draghi. Neben dem schon mehr als ein Jahr andauernden Handelskonflikt zwischen den USA und China, zunehmenden geopolitischen Spannungen und der Möglichkeit eines harten Brexit litten die exportgetriebenen Wirtschaftszweige auch unter der schwachen Entwicklung auf dem chinesischen Markt.

Die Teuerung der Konsumentenpreise in der Eurozone lag im Juni bei 1,3 Prozent und damit weit entfernt vom EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent. Deshalb seien weitere geldpolitische Anreize nötig, um das Wirtschaftswachstum in der Eurozone anzukurbeln, sagte Draghi.

Leitsätze bleiben stabil

Den Leitzins beliess die EZB bei 0,0 Prozent. Lagern Banken ihr Geld kurzfristig bei der EZB ein, statt es an Unternehmen zu verleihen, zahlen sie weiterhin einen Strafzins von 0,4 Prozent. Hier könnte es künftig aber ein abgestuftes System geben, in dem die Banken umso mehr zahlen müssen, je mehr Geld sie horten. Bei kurzfristigen Kapitalspritzen und sogenannten Übernachtkrediten werden wie bisher 0,25 Prozent Zinsen fällig.

Auf diesem Niveau - «oder niedriger» - sollen die Leitzinsen mindestens bis zur ersten Jahreshälfte 2020 bleiben. Mit diesem Zusatz gab Draghi den Finanzmärkten einen Hinweis auf mögliche Zinssenkungen bei der nächsten Ratssitzung im September.

Während eine Leitzinssenkung die Banken kurzfristig dazu zwingen soll, mehr Geld in Form von Krediten in die Wirtschaft zu pumpen, könnte ein neues Anleihenkaufprogramm laut Draghi die Inflationsrate langfristiger stützen. Das letzte Kaufprogramm war Ende vergangenen Jahres ausgelaufen. Binnen vier Jahren hatte die EZB die Märkte für Anleihen von Staaten und Unternehmen mit rund 2,6 Billionen Euro geflutet. Die Rückflüsse aus diesem Programm will die Zentralbank auf unabsehbare Zeit reinvestieren. (afp)

Erstellt: 25.07.2019, 13:08 Uhr

Draghi will nicht IWF-Chef werden

Der scheidende EZB-Präsident Mario Draghi will nicht Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden. «Ich stehe nicht zur Verfügung», sagte der Italiener am Donnerstag in Frankfurt.

Damit wird er in Washington nicht Nachfolger seiner eigenen Nachfolgerin bei der EZB - der IWF-Chefin Christine Lagarde. Diese hält Draghi für eine hervorragende Wahl: «Sie wird eine ausgezeichnete EZB-Präsidentin sein.» Er kenne sie schon sehr lange - «vielleicht länger als sie und ich uns eingestehen wollen». Lagarde habe einen kollegialen Stil, nutze auch Eingaben ihres Stabes und diskutiere mit dem IWF-Personal.

EZB hat keine Einwände gegen Lagarde

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor offiziell erklärt, dass sie keine Einwände gegen die Ernennung der IWF-Chefin zur Draghis Nachfolgerin hat. Lagarde sei anerkannt mit professioneller Erfahrung in den Themen Geldpolitik oder Banken. Die IWF-Chefin und ehemalige französische Finanzministerin wurde Anfang Juli von den EU-Staats- und Regierungschefs als Draghis Nachfolgerin nominiert. Sie soll ihr Amt im November antreten. Die achtjährige Amtszeit von Draghi endet im Oktober. Experten erwarten, dass sie die lockere Geldpolitik zunächst fortsetzen wird. Als IWF-Chefin hatte sie unlängst hervorgehoben, dass die Wirtschaft weltweit eine schwierige Phase durchlaufe. Grösstes Risiko seien die Handelskonflikte. (sda)

Artikel zum Thema

Zombie-Konzerne und Junk-Bonds

UBS-Chef Ermotti warnt vor einer gefährlichen Situation an den Kapitalmärkten. Wir erklären, was er damit meint. Mehr...

Wo negative Hypo-Zinsen bereits Realität sind

Minus 0,3 Prozent fürs Ausleihen von Eigenheim-Geld: In Dänemark steht die Zins-Welt Kopf. Und das Land hat eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit der Schweiz. Mehr...

Sinkende Zinsen – weil die Gesellschaft überaltert

Ökonomen machen zwei Effekte dafür verantwortlich, dass Geldanlegen nichts mehr abwirft. Im Zentrum: Die Generation, die am meisten vom Aufschwung profitierte. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...