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Fall Behring sorgt für Rekordschaden

Nie zuvor waren die Summen grösser: Der Schaden durch die Wirtschaftskriminalität war 2016 in der Schweiz insgesamt fünfmal höher als 2015.

Noch ein Akt im langjährigen Prozess: Dieter Behring (r.) betritt das Gericht in Bellinzona.  (30. März 2017)
Noch ein Akt im langjährigen Prozess: Dieter Behring (r.) betritt das Gericht in Bellinzona. (30. März 2017)
Gabriele Putzu, Keystone
Schuldig: Das Bundesstrafgericht hat den Financier Dieter Behring am 30. September 2016 wegen Betrugs zu einer Haftstrafe verurteilt. (Juni 2016)
Schuldig: Das Bundesstrafgericht hat den Financier Dieter Behring am 30. September 2016 wegen Betrugs zu einer Haftstrafe verurteilt. (Juni 2016)
Pablo Gianinazzi, Keystone
Er soll die Strafanzeige gegen Michael Lauber prüfen: Thomas Hansjakob, der Erste Staatsanwalt des Kantons St. Gallen. (Archivbild)
Er soll die Strafanzeige gegen Michael Lauber prüfen: Thomas Hansjakob, der Erste Staatsanwalt des Kantons St. Gallen. (Archivbild)
Ennio Leanza, Keystone
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Noch nie sind an Schweizer Gerichten Fälle von Wirtschaftskriminalität mit so hohen Schäden behandelt worden wie im vergangenen Jahr. Die Zahl der Fälle ist mit 57 zwar geringer als 2015. Der Gesamtschaden in Höhe von 1,4 Milliarden Franken hat aber eine Rekordhöhe erreicht.

Im Vorjahr hatte die Schadensumme noch bei 280 Millionen Franken gelegen, wie das Beratungsunternehmen KPMG heute mitteilte. Grund für das Allzeithoch ist vor allem der Fall Behring, der grösste Betrugsfall in der jüngeren Schweizer Geschichte mit einem Schaden von 800 Millionen Franken.

Mehrere Tausend Personen wegen Schneeballsystems betrogen

2000 Personen wurden dabei durch gewerbsmässigen Anlagebetrug, ein sogenanntes Schneeballsystem, geschädigt. Das Bundesstrafgericht in Bellinzona verurteilte den Angeklagten Dieter Behring im September 2016 nach rund 12 Jahren Prozessvorbereitung zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren.

Ausser dem Behring-Prozess gab es drei Fälle mit Schäden von jeweils über 125 Millionen Franken. Die Untersuchung von KPMG beruht auf Wirtschaftskriminalitätsfällen mit einem Schadensbetrag von mindestens 50'000 Franken, die im Berichtsjahr von einem Schweizer Strafgericht verhandelt wurden und über die in den wichtigsten Schweizer Tages- und Wochenzeitungen berichtet wurde. Den Bericht gibt es seit 2009.

Gefahr droht durch Chefs

Führungskräfte stellten aufgrund ihrer internen Stellung und ihres Handlungsspielraums in den Unternehmen bei der Wirtschaftskriminalität die grösste Gefahr dar, schreibt KPMG. So sei das Management in 58 Prozent aller Fälle alleine für die Taten verantwortlich und in weiteren 21 Prozent der Fällen zusammen mit Angestellten involviert gewesen.

Die häufigsten Delikte bei den Wirtschaftsverbrechen waren im vergangenen Jahr gewerbsmässiger oder einfacher Betrug. Die Motivation für die Täter lag oft in der Finanzierung eines aufwendigen Lebensstils (13 Fälle) oder im Abwenden des Konkurses der eigenen Firma (7 Fälle).

Investoren grösste Opfergruppe

Private und institutionelle Anleger waren gemäss dem Bericht die am stärksten betroffene Gruppe von Geschädigten. Der Gesamtschaden belief sich hier auf rund 1,16 Milliarden Franken und wies mit 165 Millionen Franken zudem den höchsten Durchschnittswert bei der Schadenssumme auf. Oft traten in diesen Fällen unabhängige Vermögensberater und Devisenhändler als Delinquenten auf.

Am zweithöchsten fällt der Gesamtschaden mit rund 159 Millionen Franken bei der öffentlichen Hand aus. Jedoch liegt hier die durchschnittliche Schadenssumme mit 13 Millionen Franken vergleichsweise tief. Im Vorjahr hatten noch Privatpersonen sowie nichtkommerzielle Organisationen am stärksten unter der Wirtschaftskriminalität gelitten.

SDA/fal

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