Zum Hauptinhalt springen

Gebremste US-Banken und ihr Schatten auf die Branche

Goldman Sachs, Citigroup und J. P. Morgan vermelden deutliche Einbrüche im Investmentbanking. Hier ist eigentlich auch die Credit Suisse stark, die nächste Woche ihre Zahlen präsentiert.

Vor allem die Credit Suisse dürfte im dritten Quartal von der Schwäche des Anleihengeschäfts betroffen sein: Blick auf den Paradeplatz mit den beiden Schweizer Grossbanken.
Vor allem die Credit Suisse dürfte im dritten Quartal von der Schwäche des Anleihengeschäfts betroffen sein: Blick auf den Paradeplatz mit den beiden Schweizer Grossbanken.
Alessandro Della Bella, Keystone
Die US-Grossbank Goldman Sachs musste für das dritte Quartal einen Einbruch von 44 Prozent vermelden. Dank hohen Einsparungen bei den Kompensationen konnte sie ihren Gewinn aber praktisch auf Vorjahresniveau halten: Handelsraum von Goldman an der New Yorker Börse.
Die US-Grossbank Goldman Sachs musste für das dritte Quartal einen Einbruch von 44 Prozent vermelden. Dank hohen Einsparungen bei den Kompensationen konnte sie ihren Gewinn aber praktisch auf Vorjahresniveau halten: Handelsraum von Goldman an der New Yorker Börse.
Richard Drew, Keystone
J.-P.-Morgan-Chef James Dimon muss mit den Quartalsergebnissen zum ersten Mal einen Verlust seiner Bank präsentieren. Auch bei seiner Bank liegen die Erträge im Investmentbanking tiefer. Wichtiger aber sind Kosten für Rechtsfälle.
J.-P.-Morgan-Chef James Dimon muss mit den Quartalsergebnissen zum ersten Mal einen Verlust seiner Bank präsentieren. Auch bei seiner Bank liegen die Erträge im Investmentbanking tiefer. Wichtiger aber sind Kosten für Rechtsfälle.
Scott Applewhite, Keystone
1 / 3

Die Zahlen für das dritte Quartal, die die US-Grossbanken in den letzten Tagen veröffentlicht haben, waren enttäuschend. Das wirft die Frage auf, was das für die Schweizer Grossbanken bedeutet. Nächsten Donnerstag präsentiert die Credit Suisse ihre Quartalszahlen und am 29. Oktober die UBS.

An den Aktienmärkten scheint man zumindest nicht besonders besorgt zu sein. Der Titel der Credit Suisse ist allein seit dem 9. Oktober trotz aller Unruhen um die US-Staatsfinanzen um 6 Prozent angestiegen, derjenige der UBS um 5,3 Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt der Zuwachs bei beiden Grossbanken sogar rund 32 Prozent.

Fixed-Income-Bereich belastet

Es waren vor allem zwei Gründe, die den amerikanischen Banken zugesetzt haben: ein schlecht laufendes Geschäft bei den Hypothekarvergaben und das sogenannte Fixed-Income-Geschäft, ein wichtiger Pfeiler des Investmentbanking. Im engeren Sinn umfasst dieses den ganzen Anleihenbereich, im weiteren Sinn zählt unter anderem auch das Währungsgeschäft dazu. In letzterem Geschäftsbereich sind auch die Schweizer Grossbanken tätig.

Am Donnerstag vermeldete Goldman Sachs mit 44 Prozent den grössten Einbruch in diesem Bereich im Vergleich zum gleichen Vorjahresquartal. Bei der Citigroup gingen die Einnahmen hier um 26 Prozent zurück und bei J. P. Morgan um 8 Prozent.

Analysten gehen davon aus, dass auch bei den Schweizer Grossbanken das Fixed-Income-Geschäft schwächer ausfallen wird. Das betrifft aber die Credit Suisse weit stärker als die UBS, da der Anteil der CS an diesem Geschäft deutlich grösser ist.

Bedingte Vergleichbarkeit mit den Amerikanern

Andreas Venditti, Bankenanalyst der Zürcher Kantonalbank, weist darauf hin, dass sich das Geschäft der Schweizer Banken nur bedingt mit demjenigen der amerikanischen Institute vergleichen lässt: «Für die Schweizer Grossbanken ist das Geschäft in Europa und Asien wichtiger als für die US-Banken, die die Mehrheit des Geschäfts in den USA selbst generieren. Dies hat auch den Vorteil einer geografischen Diversifizierung.» In früheren Jahren hätte vor allem das Europageschäft stärker gelitten als das amerikanische, ergänzt Venditti. Dieses Mal scheint es umgekehrt zu sein.

Von Interesse dürfte der Vergleich mit dem Ergebnis von Goldman Sachs für die Credit Suisse auch bezüglich der Kosten sein: Der US-Grossbank ist es gelungen, trotz des erwähnten Einbruchs im Fixed-Income-Geschäft und reduzierter Gesamterträge von rund 20 Prozent einen beinahe unveränderten Gewinn von rund 1,4 Milliarden für das Quartal im Vergleich zum Vorjahr zu präsentieren. Erreicht hat das Goldman Sachs über deutliche Einschnitte bei den Kompensationen an die Banker, die im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent gesunken sind. Analysten sind nun besonders gespannt, ob und in welchem Umfang auch die Credit Suisse weiter Kosten reduziert.

Anders als das Investmentbanking dürfte das Vermögensverwaltungsgeschäft der Grossbanken – wie immer – weniger Schwankungen ausweisen. Für die Credit Suisse rechnet ZKB-Analyst Andreas Venditti mit einer nur leicht geringeren Bruttomarge (1,08 Prozent gegenüber 1,1 Prozent im Vorjahr), was durch höhere verwaltete Nettovermögen kompensiert werde – netto und aufs Jahr hochgerechnet sollen sie um 2,8 Prozent steigen.

Bereinigte 18 Prozent weniger im Investmentbanking

Ohne Berücksichtigung von Sondereffekten rechnet Andreas Venditti von der ZKB für die Credit Suisse im Investmentbanking mit einem um 18 Prozent geringeren Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorquartal. Unter Einrechnung der Sondereffekte soll der Gewinn gemäss der gleichen Schätzung 3 Prozent höher ausfallen. Entsprechende Schätzungen zur UBS, die erst in der übernächsten Woche ihre Zahlen publiziert, liegen noch nicht vor.

Der Reingewinn der Credit Suisse insgesamt soll sich laut ZKB-Schätzung auf 764 Millionen belaufen. Die Analysten der US-Grossbank Morgan Stanley rechnen sogar mit 883 Millionen. Damit liegt er zwar deutlich höher als im gleichen Vorjahresquartal mit 254 Millionen. Doch dieser Vergleich sagt wenig aus. Denn für das Ergebnis im Vorjahr sind vor allem Sondereffekte verantwortlich: vor allem ein Bewertungsverlust durch eine höhere Bonität der eigenen Schulden im Umfang von rund einer Milliarde Franken. Eine Verbesserung der Bonität führt deshalb zu einem Verlust, weil damit der zu verbuchende Wert der eigenen Schulden ansteigt. Für das vergangene Quartal soll sich diese das Ergebnis stark verzerrende Zahl laut ZKB-Schätzung noch auf 180 Millionen Franken belaufen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch