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GM warnt Trump – verpackt Kritik aber in Watte

Harley-Davidson hat den Furor des Präsidenten zu spüren bekommen. Auch GM ist mit Trump unzufrieden, hütet sich aber Klartext zu sprechen.

Selbst die Importzölle der Administration Trump gefährden angesichts internationaler Wertschöpfungsketten Jobs in den USA: Händler von Chevrolet-Fahrzeugen – einer General-Motors-Marke.
Selbst die Importzölle der Administration Trump gefährden angesichts internationaler Wertschöpfungsketten Jobs in den USA: Händler von Chevrolet-Fahrzeugen – einer General-Motors-Marke.
Keystone

Arbeitsplätze sollen in den USA und nicht im Ausland geschaffen werden: Das ist der erklärte Hauptzweck der beschlossenen und angedrohten Zollmassnahmen durch die Administration von Donald Trump. Der nun immer wahrscheinlicher werdende Handelskrieg mit China, aber auch mit Europa droht nun zum Gegenteil zu führen: Zu einem Jobabbau in den USA gerade in jenen Bereichen, die dem US-Präsidenten besonders am Herzen liegen.

Das macht eine Eingabe des grössten US-Autoherstellers General Motors (GM) an das US-Handelsministerium erneut deutlich: Das Unternehmen, das lange als Ikone der amerikanischen Wirtschaft galt und unter anderem Marken wie Chevrolet, Buick, GMC, Cadillac und Pontiac herstellt, fühlt sich durch die Pläne der US-Regierung, auch Autoimporte hoch zu besteuern, ernsthaft bedroht. Die geplanten Importzölle könnten gemäss GM-Eingabe «zu einer verkleinerten GM und einer reduzierten Präsenz dieser bedeutenden amerikanischen Firma sowohl in den USA wie ausserhalb führen und mehr Jobs – und nicht weniger – gefährden».

Dieses Vorpreschen auf dem Feld der Politik ist selbst für einen weltweiten Grosskonzern wie GM nicht ohne Reputationsrisko, wie sich letzte Woche am Beispiel von Harley-Davidson gezeigt hat. Die Motorradfirma aus den USA gilt ebenfalls als Ikone unter den US-Produkten. Das Unternehmen hat in einer Eingabe an die US-Börsenaufsicht SEC vermeldet, dass sie einen Teil ihrer Motorradproduktion aus den USA auslagern muss. Grund dafür sind die Gegenmassnahmen der Europäer auf die von Trump verhängten Zölle auf Aluminium und Stahl.

Harley-Davidson zeigt, was folgen kann

Die Gegenmassnahmen haben zur Folge, dass Harley-Motorräder in Europa – dem zweitwichtigsten Markt des Unternehmens – im Durchschnitt 2200 Dollar mehr kosten, wenn sie aus den USA stammen. Weil dem Unternehmen aber so die Kunden davonlaufen würden, will es die Preise dennoch belassen und die Kosten selber tragen, was aufs Jahr hochgerechnet die Rechnung von Harley-Davidson um 90 bis 100 Millionen Dollar belasten wird. Um diese Belastung zu reduzieren, plant deshalb das Unternehmen eine Produktionsverlagerung ins Ausland.

Video: Harley bekam den Furor des Präsidenten zu spüren

Trump kritisierte den Töff-Hersteller scharf, nachdem dieser die teilweise Verlagerung der Produktion angekündigt hatte.

Nicht zum ersten Mal reagierte darauf der US-Präsident mit öffentlichen und schweren Drohungen: In einem Tweet schrieb er wörtlich: «Eine Harley-Davidson sollte nie in einem anderen Land hergestellt werden. Die Kunden und Mitarbeiter des Unternehmens sind bereits sehr wütend. Wenn die Firma ins Ausland geht – aufgepasst – dann wird es der Anfang vom Ende sein, dann gibt sie auf, ist es aus mit ihr. Ihre Aura wird verschwinden, und sie wird besteuert wie nie zuvor!»

Im Unterschied zum Beispiel von Harley betont der Autobauer GM, dass die Gefahren für das Unternehmen nicht allein dadurch entstehen, dass das Ausland als Vergeltung auf US-Zölle ebenfalls solche einführt. Schon allein die teureren Importe für die Herstellung in den USA durch die Massnahmen der eigenen Regierung sind ein grosses Problem. In der Eingabe des Konzerns wird deutlich, dass weltumspannende Autohersteller auf eine internationale Wertschöpfungskette angewiesen sind, in der einzelne Teile aus verschiedenen Ländern stammen, die für deren Herstellung besonders geeignet sind oder deren Produktionskosten – auch dank tieferer Löhne – geringer ausfallen.

Von der Website verschwunden

Sollten nun dank neuen Beschränkungen dieser Wertschöpfungsketten die Kosten steigen, würde sich das entweder in höheren Autopreisen – und einem entsprechend kleineren Absatz – niederschlagen oder, wenn das Unternehmen die Preise belässt, in geringeren Margen, weshalb dann weniger in die Zukunft investiert werden kann. In beiden Fällen sind letztlich Jobs in den USA gefährdet, wie das Unternehmen schreibt.

General Motors hat sich in der Eingabe alle Mühe gegeben, die Kritik an den Zöllen in so viel Watte wie möglich zu packen. Gleich mehrfach ist in der Eingabe die Rede davon, wie sehr man sich der Wirtschaft der USA verpflichtet fühle und Verständnis habe, dass die Regierung die Interessen dieser Wirtschaft weltweit besser durchsetzen wolle. Aber die geplanten Massnahmen würden eben genau diesen Zweck verfehlen.

Anders als im Fall von Harley-Davidson hat Präsident Trump bisher nicht mit einem Tweet auf die Eingabe des grössten US-Autobauers reagiert. Das mag auch daran liegen, dass dieses noch keine konkreten Massnahmen bekannt gegeben hat. Allerdings ist das Dokument zumindest am heutigen Montagmorgen auf der Seite der Regierung nicht mehr zugänglich.

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