Zum Hauptinhalt springen

Griechenland fällt unter das Niveau von Entwicklungsländern

Griechenlands Wirtschaftsleistung ist im freien Fall. Noch dieses Jahr wird das hochverschuldete Land beim Bruttoinlandsprodukt von Entwicklungsländern überholt.

«Ich habe Hunger»: Ein Obdachloser in den Strassen von Athen.
«Ich habe Hunger»: Ein Obdachloser in den Strassen von Athen.
Keystone

Griechenland mag sich in der letzten Woche mit dem Schuldenschnitt Luft verschafft haben. Doch der Rezession ist damit kein Ende gesetzt. Seit 2009 schrumpft die griechische Wirtschaftsleistung, im letzten Jahr war es ein Minus von 6,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit verharrt auf hohen 20 Prozent.

Es kommt noch schlimmer. Im Auftrag der «Financial Times Deutschland» hat das Ifo-Institut berechnet, dass Griechenlands Bruttoinlandprodukt (BIP) zum ersten Mal unter das Niveau einiger Schwellen- und Entwicklungsländer fallen wird. Die aufstrebenden Wirtschaftsnationen Peru und Vietnam werden die Hellenen voraussichtlich in diesem Jahr überholen.

Steffen Elstner vom Ifo-Institut befürchtet gar, dass bei einer dramatischen griechischen Rezession in diesem Jahr Länder wie Bangladesh oder Chile vorbeiziehen könnten. Dies wäre bei einem Minus von 8 Prozent der Fall. Die EU-Kommission rechnet im laufenden Jahr mit einem Minus von 4,5 Prozent für die griechische Wirtschaft. Dabei sah es für Griechenland noch vor ein paar Jahren rosig aus. Vor Beginn der Schuldenkrise lag das Land an 35. Stelle der BIP-Weltrangliste. 2011 fiel Griechenland auf den 40. Platz zurück.

Immer tiefer im Sumpf

Eine Erholung ist vorläufig nicht in Sicht. Griechenland hat sich ein rigoroses Sparprogramm auferlegt. Das Vertrauen der Wirtschaft ist auf einem Nullpunkt. Seit Beginn der Finanzkrise in Griechenland 2009 ist die Summe der Bankguthaben im Land um 70 Milliarden Euro gesunken. 16 Milliarden Euro davon seien ins Ausland überwiesen worden, der Grossteil nach Grossbritannien, wie Finanzminister Evangelos Venizelos in einem Interview mit dem Fernsehsender Antenna erklärte.

Den Rest hätten Privatleute und Unternehmen ausgegeben oder - in Vorbereitung auf einen möglichen Staatsbankrott oder einen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone - gehortet. Dieses Geld fehle nun für Kredite sowie wichtige Massnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft und zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, sagte Venizelos weiter. Entscheidend sei nun, das Vertrauen der Griechen in die Wirtschaft wiederherzustellen.

Warten auf Brüssel

Athens einzig positive Nachricht der letzten Tage bleibt der Schuldenschnitt. Dadurch hat sich der Schuldenberg des Landes innert einer Woche fast halbiert. Noch in dieser Woche wollen die Euroländer gemäss dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble die restlichen Gelder des zweiten Hilfspakets für Griechenland freigeben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch