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Gut getarnte Werbung

Wie bringt man ein Produkt unter die Leute? Fünf gesponserte Gratis-Vorschläge.

Werber: Haben Sie schon eine Idee, in welche Richtung Sie Ihr Produkt bewerben wollen?Lea: Naja, ich dachte, wir produzieren einen Film, in dem wir einen jungen Mann sehen, der total im Stress ist, weil sein Date gleich zum Essen kommt und er nichts vorbereitet hat. Dann schiebt er schnell ein paar Esswaren in sein neues KochFix®-Gerät, fertig ist das Festessen, und sie ist hin und weg.Werber: Mm... Weiss nicht.Lea: Wir könnten den jungen Mann mit einem berühmten Schauspieler besetzen?Werber: Die Schweiz hat keine berühmten Schauspieler, und ausserdem wollen Sie ein zeitgenössisches Kochgerät verkaufen, also brauchen Sie zeitgenössische Internet-Werbung. Früher hat die Werbung alles gemacht, um aufzufallen: Banner, Berühmte, Nackte und Neon-Farben. Aber die Konsumenten-Hirne sind inzwischen so konditioniert, dass sie herkömmliche Werbe-Zeichen ausschalten. Deshalb heisst es heute camouflieren statt bombardieren. Nur der Konsument, der nicht merkt, dass er sich für ein Produkt interessiert, interessiert sich wirklich für das Produkt.Lea: Wie?Werber: Vorschlag eins. Wir gehen für Sie auf die herkömmlichen Koch- oder Ratgeber-Seiten und setzen eine fiktive Frage rein: Hilfe! Ich hab morgen einen total süssen Typen zum Essen eingeladen, habe aber kaum Zeit und kann nicht kochen, was soll ich tun??? Dann antworten wir: Hey Lea, ich hab mir dieses neue Gerät von KochFix® gekauft, das ist der absolute Hammer. Zutaten waschen, reinlegen und das Gerät gart, mixt und würzt von selbst. Das Ding ist teuer, aber lohnt sich! Viel Glück mit dem Date... Deine Kochfee.Lea: Aha...Werber: Vorschlag zwei. Warum die Arbeit selber machen, wenn es auch andere für Sie erledigen? Sie schreiben den wichtigsten Koch- und Tagebuchbloggern eine nette Mail, in der sie ihnen ein gratis KochFix®-Gerät versprechen, wenn Sie es zehn Mal unauffällig in ihren Blog benennen inklusive ein Handy-Shot von der mit KochFix® vorbereiteten Mahlzeit.Lea: Aha...Werber: Vorschlag drei. Wir produzieren ein Handy-Filmchen, das so aussieht, als wäre es zufällig aufgenommen worden. Sie machen ihre Wohnung etwas unordentlich und lassen ihre Babytochter auf das KochFix® zukrabbeln, die dann aus Versehen auf einen der Knöpfe drückt. Das Gerät fängt an zu laufen, das Baby schaut mit grossen Augen, der Deckel schnellt hoch, fertig ist der Kartoffelbrei! Dieses Video stellen wir agressiv in alle Social-Netzwerke mit der Aufschrift: It’s amazing, I couldnt believe my eyes, first baby on earth cooking!Lea: Ah...Werber: Sollte es mit dem Baby nicht klappen, versuchen wir es mit einer Katze.Lea: Okay...Werber: Für diesen Film brauchen wir keine Models, keine Produktionskosten, und auch die Verbreitung des Videos übernimmt der Konsument.Lea: Verstehe.Werber: Vorschlag vier. Car-Sharing, House-Sharing, Ad-Sharing heisst es heute. Noch ökologischer und ökonomischer ist, wenn wir die Werbung nicht produzieren, sondern im Internet suchen, ob nicht schon jemand anderes ein Foto, Filmchen, Kommentar zum KochFix® ins Netz gestellt hat. Alle Posts auf der eigenen Website sammeln und titulieren: Die Welt kocht KochFix®!Lea: Aha...Werber: Vorschlag fünf ist das herkömmlichste dieser so genannten Native Ads. Wir sponsern ein Listical auf einem Blog, zum Beispiel: «10 Beispiele, wo der Mensch von der Maschine überholt wurde.» Oder «Fünf Gründe, warum gute Köche schlecht im Bett sind.» Und jetzt das Beste: Alle fünf Vorschläge gebe ich Ihnen als Paket zum halben Preis eines herkömmlichen Werbe-Hochglanzfilms!Lea: Bin dabei.

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