In diesen Schweizer Ferienorten sind die Mieten am höchsten

Für Einheimische ist es teils unmöglich, in Jetset-Destinationen zahlbaren Wohnraum zu finden. Die Ferienregionen im Vergleich.

In St. Moritz kostet eine Familienwohnung im Schnitt 3590 Franken pro Monat – mehr als in Zürich. (Archiv)

In St. Moritz kostet eine Familienwohnung im Schnitt 3590 Franken pro Monat – mehr als in Zürich. (Archiv) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Wer in bestimmten Schweizer Ferienregionen eine Wohnung mieten will, muss tief in die Tasche greifen. In St. Moritz etwa zahlen Mieter für eine Familienwohnung mehr als in Zürich, wo die Mieten generell als sehr hoch gelten. Das zeigt eine Studie des Internetvergleichsdiensts Comparis.

Demnach müssen in St. Moritz für eine Familienwohnung (ab 4,5 Zimmer) 3590 Franken pro Monat hingeblättert werden. Zum Vergleich: In Zürich kostet eine vergleichbare Wohnung laut der Studie 3320 Franken. Der Preis in St. Moritz liegt damit mehr als 75 Prozent über dem Kantonsmedian.

Auch Paar- und Singlewohnungen teurer

Auch bei Paarwohnungen, also mit drei bis vier Zimmern, liegt der Preis in St. Moritz bei 2400 Franken und damit an der Spitze der von Comparis untersuchten Feriendestinationen. Hier liegt der Median demnach bei 45 Prozent über dem Zentralwert des Kantons. Dasselbe gelte für Singlewohnungen mit 1 bis 2,5 Zimmern. Hier lägen die Preise bei 1494 Franken pro Monat und damit 37 Prozent über dem Kantonsmedian.

Im Vergleich: In Zürich kostet eine Paarwohnung Comparis zufolge 2450 Franken, eine Singlewohnung 1727 Franken. In Genf, wo die Mieten ebenfalls schweizweit zu den höchsten gehören, sind es im Vergleich 3810 Franken für eine Familienwohnung, 2330 für eine Paarwohnung und 1460 für eine Singlewohnung.

Der Vergleichsdienst hat für die Analyse die Preise in 14 Schweizer Feriendestinationen untersucht. Datenbasis dafür bildeten die auf Comparis.ch publizierten Wohnungsinserate. Einbezogen wurden Inserate im Zeitraum von 2017 und 2018, allerdings nur für Wohnungen, Häuser und Mehrfamilienhäuser, nicht für Ferienwohnungen.

Lieber leer als tiefere Mieten

Für Einheimische und Arbeitnehmer sei es in St. Moritz teils unmöglich, zahlbaren Wohnraum zu finden, bemängelt Comparis-Finanzexperte Frédéric Papp. Dabei seien in der Jetset-Feriendestination rund 200 Wohnungen unbewohnt und der Anteil leer stehender Wohnungen mache rund 4 Prozent aus.

Die Preise seien deshalb stabil, weil Immobilienbesitzer wenig Druck verspürten, die Mieten nach unten anzupassen, so Papp. «Sie lassen die Wohnung lieber ungenutzt und warten zu, bis jemand gewillt ist, den verlangten Mietpreis zu bezahlen.»

Bevölkerungszahl gesunken

Ein weiterer Grund für die hohen Preise sei, dass St. Moritz als Marke ein zahlungskräftiges Publikum anziehe. «Leidtragende dieser Entwicklung sind Ortsansässige, die kein Wohneigentum besitzen, und Personen, die sich der Arbeit wegen dauerhaft in St. Moritz niederlassen wollen», so Papp.

Dies habe sogar zur Folge gehabt, dass die Bevölkerungszahl in St. Moritz in 40 Jahren um rund 1000 Personen auf rund 5000 gesunken sei. Diese Anwohner hätten sich günstigere Wohnungen in angrenzenden Gemeinden gesucht.

Ausweichen in Nachbarsgemeinden

Ein weiterer Mietpreis-Hotspot neben St. Moritz ist Zermatt. Hier kostet eine Familienwohnung monatlich 2800 Franken, was 49 Prozent über dem Kantonsmedian liegt. Paarwohnungen liegen bei rund 2200 Franken, Singlewohnungen bei 1022 Franken.

Anders als in St. Moritz ist in Zermatt der Wohnraum knapp – vor allem in der Wintersaison. «Für Arbeitende und Ansässige ohne Wohneigentum findet sich kaum eine bezahlbare Bleibe», so Papp von Comparis. «Die hohen Preise treiben deshalb Haushalte der unteren und mittleren Einkommensklasse verstärkt in die günstigeren Nachbarsgemeinden Täsch und Randa.»

Zermatt will günstigen Wohnraum schaffen

Das Problem hat auch die Gemeinde erkannt, sie hat das Projekt «Bezahlbarer Wohnraum im inneren Mattertal» ins Leben gerufen. Zermatt und die Nachbarsgemeinde Täsch setzen auf eine Genossenschaft, die im Auftrag von Immobilienbesitzern Wohnungen zur Verwaltung übernehmen und so bezahlbaren Wohnraum schaffen soll. Diese soll bis im Sommer gegründet werden.

«Die Wohnungsbesitzer würden so zwar Geld verlieren, müssten ihre Liegenschaft aber nicht mehr verwalten, und sie bekämen sie nach einer Frist von gut 15 bis 20 Jahren renoviert wieder zurück», erklärte Gemeindepräsidentin von Zermatt, Romy Biner-Hauser, gegenüber SRF News. Comparis-Experte Papp gibt sich skeptisch: «Es dürfte schwierig werden, genügend Wohnungsbesitzer zu finden, die bereit sind, zugunsten des Gemeinwohls auf höhere Mieteinnahmen zu verzichten», sagt er.

Günstige Flumserberge

Neben St. Moritz und Zermatt sind auch Crans-Montana (2500 Franken für eine Familienwohnung) und Davos (2400 Franken für eine Familienwohnung) relativ teuer. Markant günstiger sind laut Studie etwa Meiringen im Berner Oberland oder die Flumserberge. In Flumserberg gibt es über alle drei Wohnungstypen hinweg günstige Angebote. Eine Singlewohnung kostet rund 900 Franken und ist damit 21 Prozent günstiger als der kantonale Medianwert. Eine Familienwohnung gibt es für 1670 Franken.

Die tieferen Mieten in den Flumserbergen erklären sich die Comparis-Experten auch damit, dass die Region pendeltechnisch viel besser erschlossen sei.

Auch in Klosters liegen die Wohnungsmieten unter dem kantonalen Zentralwert. Singlewohnungen gibt es für 860 Franken, was 21 Prozent unter dem kantonalen Medianwert liegt. Die Preisdifferenz sei auf ein Überangebot zurückzuführen, entstanden durch Neubauten in den vergangenen Jahren. Hinzu kämen Wohnungen aus den 1970er- und 1980er-Jahren, die dem heutigen Ausbaustandard nicht entsprächen, so Papp von Comparis. Solche Wohnungen stünden oft leer oder gingen zu einem reduzierten Mietpreis an Saisonniers.

Erstellt: 26.02.2019, 11:46 Uhr

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