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Irland erlebt den Double Dip

Nach einer kurzen Erholung fällt das Land wieder in die Rezession. Ökonomen sind enttäuscht.

Sparmassnahmen sollen nicht zulasten der einfachen Bürger geschehen: Demonstranten am 7. Dezember in Dublin.
Sparmassnahmen sollen nicht zulasten der einfachen Bürger geschehen: Demonstranten am 7. Dezember in Dublin.
Keystone
Einen Schritt weiter: Irlands Premierminister Brian Cowen muss den irischen Haushalt sanieren.
Einen Schritt weiter: Irlands Premierminister Brian Cowen muss den irischen Haushalt sanieren.
Keystone
Auf Staatsgelder angewiesen: Bank of Ireland.
Auf Staatsgelder angewiesen: Bank of Ireland.
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Irland ist im Frühjahrsquartal unerwartet in die Rezession zurückgefallen. Die Wirtschaftsleistung sank im Vergleich zum ersten Quartal um 1,2 Prozent, wie das irische Statistikamt am Donnerstag mitteilte.

Ökonomen hatten mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet. Sie bezeichneten die Daten als enttäuschend. «Das macht die Dinge schwieriger, und ich denke, die Regierung wird über mehr Einsparungen nachdenken, als ursprünglich geplant waren», sagte Stephen Taylor von Dolmen Stockbrokers.

Mitten in der Eurokrise

Die irische Wirtschaft war im ersten Quartal erstmals wieder gewachsen, nachdem das Bruttoinlandprodukt seitdem Schlussquartal 2007 kontinuierlich geschrumpft war. Die Wirtschaftsleistung legte aber mit 2,2 Prozent nicht so stark zu wie ursprünglich erwartet.

Irland war zuletzt wieder in den Mittelpunkt der Euro-Schuldenkrise geraten. Unklare Kosten der Bankenrettung und die schwächelnde Wirtschaft hatten die Zinsen für den Inselstaat im Nordwesten Europas in die Höhe getrieben.

Erfolgreich Geld geleiht

Vor zwei Tagen sorgte Irland für positivere Schlagzeilen: «Die erste Nagelprobe für das von der Wirtschaftskrise stark gebeutelte Irland ist geglückt», wurde vermeldet. Die Regierung in Dublin lieh sich am Dienstag 1,5 Milliarden Euro frisches Geld am Markt. Die Nachfrage war fünfmal so hoch wie das Angebot. Analysten bezeichneten die Emission zweier Staatsanleihen zwar als Erfolg. Irland habe aber deutlich höhere Zinsen zahlen müssen als in der Vergangenheit. Die Angst der Investoren vor einer Zahlungsunfähigkeit Irlands auf lange Sicht sei wohl nicht ausgeräumt, hiess es.

Das Papier mit achtjähriger Laufzeit wurde mit einer Rendite von 6,02 Prozent zugeteilt, wie die irische Schuldenagentur NTMA am Dienstag mitteilte. Bei einer vergleichbaren Emission vor drei Monaten lag diese Zahl noch bei 5,09 Prozent. Bei der Anleihe mit vier Jahren Laufzeit fielen 4,77 Prozent an. Bei der letzten Auktion im vergangenen Monat wurde das vierjährige Papier mit einer Rendite von 3,6 Prozent zugeteilt.

Greift der IWF ein?

Dennoch hat sich die Emission am Dienstag beruhigend auf die Märkte ausgewirkt, nachdem die Renditen für zehnjährige Anleihen am Vortag auf ein Rekordhoch von 6,56 Prozent gestiegen waren. Damit erhöhte sich der Abstand zu Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit auf 400 Basispunkte. Nach Angaben von Marktbeobachtern flüchteten Investoren aus irischen Staatsanleihen, weil sie finanzielle und politische Instabilität fürchteten. Ende vergangener Woche gab es Gerüchte, der Internationale Währungsfonds (IWF) werde eingreifen. Diese Darstellung wurde aber vom Währungsfonds ebenso wie von der Regierung zurückgewiesen.

Die irischen Papiere rentierten am Dienstag wieder unter 6,3 Prozent. Der Abstand zu Bundesanleihen verringerte sich auf 370 Basispunkte. Die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen seien lächerlich, sagte Chefvolkswirt Willem Buiter von der Citigroup. Irland habe starke Bargeldrücklagen und die Haushaltsausgaben drastisch gekürzt.

Das Sorgenkind

Grösstes Sorgenkind in Irland bleibt die verstaatlichte Anglo Irish Bank. Die Kosten für faule Immobilienkredite sind weiterhin nicht zu abzusehen. Die Regierung hat schon 23 Milliarden Euro in das insolvente Kreditinstitut gepumpt. Doch Experten schätzen, dass sich die Gesamtkosten auf 35 Milliarden Euro belaufen dürften.

SDA/oku

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