Ist die Banane vom Aussterben bedroht?

Eine Pilzerkrankung bedroht Bananenplantagen weltweit. Dem milliardenschweren Geschäft mit der Tropenfrucht droht grosser Schaden. Nun muss eine neue Bananensorte her.

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Den beliebten Bananen geht es an den Kragen: Die sogenannte Panamakrankheit, ausgelöst vom Pilz Tropical Race 4 (TR4), wütet auf diversen Bananenplantagen dieser Welt. Der Pilz verstopft die Leitbahnen der Pflanzen, weshalb sie weder Wasser noch Nährstoffe aufnehmen können und folglich austrocknen. Weil 95 Prozent der weltweiten Bananenexporte von der Sorte Cavendish sind – die Früchte sind genetisch praktisch alle identisch –, befürchten Experten, dass TR4 bis zu 85 Prozent der weltweiten Bananenpflanzen zerstören könnte. Die Produktion in Monokulturen lässt grüssen.

Die Krankheit brach Ende der 1990er-Jahre in Taiwan aus und verbreitete sich nach Malaysia und Indonesien. Agrarexperten warnen zwar seit Jahren vor der Ausbreitung des Pilzes – in den letzten Monaten aber immer dringlicher, nachdem er auch in Nordaustralien und Afrika um sich gegriffen hat. Etliche Plantagen fielen der Krankheit bereits zum Opfer. Immerhin ist Lateinamerika, das Hauptanbaugebiet der Exportbananen, bisher verschont geblieben.

Doch eine Übertragung der Pilzerkrankung passiert leicht. So kann eine Frachtkiste mit infiziertem Erd- und Pflanzenmaterial den TR4 in die Welt hinaustragen; einige Pilzsporen an den Schuhen eines Pflanzers genügen. Dies ist umso problematischer, weil die grossen Konzerne oft die gleichen Arbeiter in verschiedenen Ländern einsetzen. Ist der Pilz einmal in der Erde, überleben seine Sporen dort jahrzehntelang. Ein wirksames Mittel dagegen gibt es nach heutigem Stand nicht.

Milliardenschäden befürchtet

Sollte sich die Panamakrankheit weiter ausbreiten, wären die wirtschaftlichen Schäden enorm. Bereits heute vernichtet sie die Lebensgrundlage vieler Kleinbauern und ihrer Familien, aber auch die Nahrungsgrundlage vieler Menschen in den Anbaugebieten. Die Firma Matanuska etwa, die in Moçambique Plantagen bewirtschaftet, verliert momentan 15’000 Bananenstauden pro Woche, was einem Verlust von 236’000 Dollar gleichkommt. Inzwischen verlor allein Matanuska um die 7,5 Millionen Dollar.

Gross ist das Risiko, dass die Bananenkrankheit weitere Plantagen in Ost- und Zentralafrika zunichtemacht. Der wirtschaftliche Schaden wäre immens, kommt doch rund die Hälfte der afrikanischen Bananenproduktion von jährlich 20,9 Millionen Tonnen (Wert: 4,3 Milliarden Dollar) aus dieser Region. Der weltweite Bananenhandel setzt gar jährlich 36 Milliarden Dollar um, wie Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der UNO zeigen. Eine grosse Bedrohung neben der Krankheit selbst ist auch die negative Wahrnehmung, die der Rest der Welt von den afrikanischen Bananen haben könnte, sagt ein Pflanzenpathologe des Internationalen Instituts für tropische Agrikultur (IITA) dem US-Fernsehsender CNN. Dies könnte Konsumenten davon abhalten, Bananen aus Afrika zu kaufen.

Bananen sind auch für die Schweiz eine gefragte Ware: Insgesamt werden hier pro Jahr rund 74'000 Tonnen importiert. Demnach verzehrt jeder Schweizer jährlich rund zehn Kilo des Tropengewächses. Dieses ist nach dem Apfel die am zweitmeisten gegessene Frucht im Land. Doch vorerst dürfte die Bananenkrankheit kaum Einfluss auf die Schweizer Konsumenten haben. Die Migros, die einen Grossteil der in die Schweiz importierten Bananen verkauft, bezieht keine aus Afrika, wie Sprecherin Christine Gaillet auf Anfrage sagt. Insofern spüre man keine Auswirkungen auf die Beschaffungspreise. Auch Coop ist nicht betroffen von Bananenausfällen, denn laut Sprecher Urs Meier bezieht der Detailhändler diese Früchte aus Mittel- und Südamerika.

Klumpenrisiko Monokultur

Mit dem Ausbruch der Panamakrankheit erlebt die Bananenindustrie ein Déjà-vu. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rottete der Pilz, damals mit dem Erreger TR1, die damals dominante Sorte Gros Michel aus. Also setzte man ab 1965 auf die aus Vietnam stammende Sorte Cavendish, die heute auf der ganzen Welt verspeist wird. Branche und Konsumenten sprechen von einem Rückschritt, denn Gros Michel war schmackhafter. Zudem konnte man sie dank der dickeren Schale einfacher ernten, transportieren und lagern.

Schon damals zeigte sich, dass Monokulturen gefährlich sind, weil sie viel anfälliger für Krankheiten sind. Und wenn welche auftreten, werden wegen des Klumpenrisikos gleich ganze Plantagen weggerafft. Heute kommt hinzu, dass im Gegensatz zu 1965 nicht einfach eine pilzresistente neue Sorte bereit steht, die wie die Cavendish genug stabil und haltbar für den Transport ist und zudem den Konsumenten schmeckt – obwohl es Hunderte Bananensorten gibt.

Die Suche nach der perfekten Banane

Inzwischen hat die FAO einen Massnahmenkatalog erarbeitet, um den Bananenanbau weniger krankheitsanfällig zu machen. Unter anderem müssen Bauern weniger auf Monokulturen statt vielmehr auf Artenvielfalt und genetische Durchmischung achten. Diverse Kleinbauern in Bananenanbaugebieten nehmen sich dies zu Herzen. «Sie pflanzen verschiedene Bananensorten und Getreide an und sind nicht so stark von TR4 betroffen», wird Fazil Dusunceli, Pflanzenschutzexperte der FAO in Rom, in einer Mitteilung seiner Organisation zitiert.

Ausserdem ist die Industrie daran, eine massentaugliche neue Bananensorte zu finden. Dies gestaltet sich schwierig: Heutige Zuchtbananen pflanzen sich – anders als wilde Bananen – nicht mehr über Samen fort, sondern fast nur noch durch Sprösslinge der Mutterpflanzen. So ist der «Nachwuchs» genetisch identisch mit der Mutterpflanze. Weil der Genpool nicht durchmischt wird, sind die Gewächse anfälliger für kollektive Krankheiten. Schafft man es dennoch, eine krankheitsresistente Bananenpflanze herzustellen, trägt sie oft weniger Früchte – und das ist zu wenig rentabel. Es dürfte also noch einige Zeit dauern, bis die «perfekte» Banane auf den Markt kommt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.07.2015, 21:31 Uhr

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