Jetzt bitte mal Klartext reden!

Gerade von einem staatsnahen Betrieb wie der Swisscom darf man erwarten, dass er über Sparübungen und Entlassungen klar und präzis informiert.

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687 Stellen hat die Swisscom letztes Jahr gestrichen – das sind fast exakt so viele, wie sie letztes Jahr im Rahmen eines Kostensparpakets angekündigt hat: 700. Diese Begebenheit zeigt zwei Dinge deutlich: zum einen, was die Swisscom-Chefs sehr gut können – nämlich rechnen. Wenn es um Zahlen und Geschäftsprognosen in ihrem Kerngeschäft geht, lagen sie in den letzten Jahren fast immer richtig. Und es zeigt zum anderen, was sie nicht so gut können – nämlich Klartext reden. Dass ihr Kostensparpaket nämlich nicht nur 2016, sondern über die gesamte Laufzeit ­hinweg bis 2020 Stellen kosten wird, haben sie letztes Jahr diskret verschwiegen.

Wie viele Jobs es dieses Jahr sein werden, gibt der Konzern schon gar nicht mehr genau bekannt. Er beschränkt sich auf die Aussage, dass die Zahl der Angestellten in der Schweiz bis Dezember um 500 sinken werde. Weil Übernahmen und Neuanstellungen in Wachstumsbereichen hier mit den Abbauplänen verrechnet werden, ist die Aussagekraft beschränkt.

Fit für den Wettbewerb

Das zeigt der Blick auf die langjährige Personalentwicklung in der Schweiz. Mit Ausnahme des letzten Jahres ist der Personalbestand seit 2010 jedes Jahr gestiegen. Trotzdem hat die Swisscom im Geschäft mit Telefonen, Handys und Internet Jahr für Jahr Stellen gestrichen; sie tut es seit ihrer Gründung Ende der Neunzigerjahre. Das war einer der Gründe, wieso das Unternehmen teilprivatisiert und an die Börse gebracht wurde: damit es fit wird für den Wettbewerb.

Dass auch ein staatsnahes Unternehmen wie die Swisscom versucht, in einem schrumpfenden Markt seine Margen zu retten, indem es Kosten spart und Leute entlässt, mag unpopulär sein, ist aber ­sinnvoll. Sonst hätte man es gar nie an die Börse ­bringen ­müssen. Man darf von der Ex-Monopolistin ­jedoch ­erwarten, dass sie darüber so klar und präzis wie möglich informiert. Zumal die ausgewiesenen ­Rechenfähigkeiten der Swisscom-Manager nahelegen, dass die Chefs in ihren Geschäftsplänen den anvisierten Stellenabbau – ohne Stellen, die andernorts wieder aufgebaut werden – bereits beziffert haben. ­Alles ­andere wäre ein Skandal.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2017, 00:15 Uhr

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