Einkaufstourismus: Sag mir, wo die Schweizer sind

Ist der schwächelnde Franken schuld? Geschäfte in Süddeutschland klagen über sinkende Umsätze. Schuld sind offenbar: ausbleibende Eidgenossen.

Lohnt sich das Schlange stehen noch? Einkaufstouristen lassen am Grenzposten in Konstanz ihre Ausfuhrscheine abstemplen. (Archivbild)

Lohnt sich das Schlange stehen noch? Einkaufstouristen lassen am Grenzposten in Konstanz ihre Ausfuhrscheine abstemplen. (Archivbild) Bild: Martin Ruetschi/Keystone

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Wie bitte? Deutsche Händler jammern über fehlende Einkaufstouristen? Und das, nachdem seit dem Wegfall der Euro-Untergrenze Artikel über Schweizer, die die deutschen Grenzstädte stürmen, die Schlagzeilen dominierten. Doch nach Rekordumsätzen mit Schweizer Kunden in den letzten zwei Jahren klagen deutsche Ladenbesitzer nun plötzlich über sinkende Umsätze im Einkaufstourismus.

«Die Zeiten der Umsatzzuwächse mit der Schweiz scheinen vorbei zu sein», sagt Olaf Kather, Geschäftsführer des Handelsverbands Südbaden, der «Badischen Zeitung». Mit den Einkaufstouristen mache man zwar nach wie vor gute Geschäfte. Seit die Schweizer Händler allerdings ihre Preise gesenkt hätten, sei Deutschland weniger attraktiv, glaubt Kather.

42 Prozent der Händler in Südbaden beklagen laut dem Verband rückläufige Umsätze mit Schweizern. Der Trend sei bereits im Frühling zu spüren gewesen.

Bremst der schwächelnde Franken?

«Gerade in diesem Sommer hat es eine spürbare Reduzierung der Umsätze mit Schweizern gegeben», sagt auch Bernd Dallmann, Geschäftsführer der freiburgischen Wirtschaft und Tourismusförderung, zu «Radio SRF». Noch keinen Umsatzeinbruch spüre man in Weil am Rhein, direkt an der Grenze. Allerdings stagniere der Schweizer Umsatz, der Höhepunkt sei erreicht, gar überschritten.

Ein Grund dafür könnte der schwächelnde Franken sein. Seit Mitte Juni hat sich der Franken gegenüber dem Euro abgeschwächt. Notierte der Euro-Franken-Kurs damals bei knapp 1.09, steht er aktuell bei knapp 1.15.

Dass nur eine deutliche Abwertung des Frankens gegenüber dem Euro den Einkaufstourismus bremsen dürfte, hatten bereits Ökonomen der Credit Suisse im Januar in einer Studie prognostiziert. Sie gingen allerdings davon aus, dass der Anteil der Auslandeinkäufe auch 2017 gleich stark bleiben dürfte wie im Vorjahr. Schweizerinnen und Schweizer kauften 2016 für rund zehn Milliarden Franken im Ausland ein, die deutschen Zollämter von Lörrach und Singen meldeten Rekordzahlen bei den abgestempelten Ausfuhrscheinen.

Schweizer Händler spüren noch nichts

Diese Einschätzung stützt auch eine Umfrage unter Einkaufstouristen. Demnach sind die Frankenstärke und die Preisunterschiede zum Ausland die grössten Anreize, wie Forscher der Universität St. Gallen herausgefunden haben. Dies würde sich erst bei einem Euro-Franken-Wechselkurs von 1.40 massgeblich ändern. 64 Prozent der Befragten würden unter diesen Umständen nicht mehr ins grenznahe Ausland zum Einkaufen fahren. Bei einem Wechselkurs von 1.30 Franken für 1 Euro hingegen wäre es nur etwa ein Viertel.

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Schweizer Händler reagieren noch verhalten auf die Nachricht. In Basel sei noch nichts zu spüren, heisst es beim Gewerbeverband auf Anfrage von Radio SRF. Auch in St. Gallen verzeichne man keine höheren Umsätze. Allerdings sagt Ralph Bleuer, Präsident Pro City St. Gallen, er habe «in letzter Zeit von verschiedenen Seiten gehört, dass die Schweizer scheinbar nicht mehr in der gleichen Anzahl über die Grenze einkaufen gehen.» Er ist davon überzeugt, dass der Einkaufstourismus erst deutlich zurückginge, wenn der Wechselkurs zum Euro wieder über 1.20 Franken stiege.

Video: Wenn Schweizer ihre Ware zwischenlagern

In Deutschland bestellt und in Konstanz abgeholt (Archiv). Video: Jan Derrer (ij)

Erstellt: 15.09.2017, 10:15 Uhr

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