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«Mit jedem zusätzlichen Tag steigt die Gefahr»

Ein kurzer Shutdown kann der US-Wirtschaft laut einer Schweizer Studie nichts anhaben. Entwickelt er sich jedoch zu einem grösseren Vertrauensschock, könnte sich der Budgetstreit noch lange auswirken.

Der Haushaltsstopp in den USA hat zum ersten Mal seit 18 Jahren weite Bereiche der öffentlichen Verwaltung stillgelegt. Weil sich der heillos zerstrittene Kongress im Seilziehen um das Budget nicht einigen konnte, wurden 800'000 Staatsangestellte in die Zwangsferien geschickt. Experten weisen immer wieder auf die hohen Kosten einer Blockade hin: Ein drei- bis vierwöchiger Shutdown würde demnach rund 55 Milliarden Dollar kosten – allein im Grossraum Washington betragen die Ausfälle 200 Millionen Dollar pro Tag.

Doch Felix Brill, Chefökonom bei Wellershoff und Partners, relativiert: «Die kurzfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen dürften vernachlässigbar sein.» Er hat analysiert, wie sich frühere Shutdowns auf die Konjunktur und die Finanzmärkte ausgewirkt haben. Dazu hat er unter anderem die Stimmung von Konsumenten und Unternehmen in den letzten 17 Shutdowns vergleichend untersucht. Brill sagt jedoch auch: «Mit jedem zusätzlichen Tag, den der Streit andauert, steigt die Gefahr, dass die Verunsicherung zunimmt und sich negativ auf das Konsum- und Investitionsverhalten auswirkt.»

Die nächste kritische Phase rückt näher

Konkret zeigt die Analyse, dass sich die negative Wirkung über mehrere Quartale nach dem Vertrauensschock entfalten kann und in der Spitze etwa 1,5 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung ausmachen könnte. Falls sich die Stimmungswerte nach einem allfälligen Schock schnell nach oben korrigieren würden, könnten auch die negativen Effekte zum Teil kompensiert werden, so Brill.

Aber selbst wenn es im Budgetstreit zu einer raschen Einigung kommen sollte: Die nächste kritische Phase rückt bereits näher. Bis zum 17. Oktober muss die US-Schuldenobergrenze erhöht werden – ein weiterer politischer Konflikt ist absehbar. Dennoch haben die Finanzmärkte bislang nur verhalten reagiert. Brill hat untersucht, ob das auch bei früheren Verwaltungsstillständen der Fall war. Dazu hat er die Entwicklung des S & P 500, des Goldpreises und des handelsgewichteten Dollarindexes vor, während und nach den jeweiligen Episoden verglichen. Das Resultat: In diesen Phasen lässt sich kein einheitliches Muster finden. Im Durchschnitt der 17 Fälle fielen die Aktienkurse und der Dollar zwar leicht, und der Goldpreis legte etwas zu. Doch die Unterschiede sind zu gross, als dass ein statistisch signifikantes Ergebnis abgeleitet werden könnte.

Staatsangestellte werden trotzdem konsumieren

Dass die direkten Konjunktureffekte bescheiden bleiben dürften und die Finanzmärkte bisher nur verhalten reagiert haben, führt Brill auf die vergleichsweise geringen finanziellen Folgen des Shutdown zurück: Würde dieser eine Woche anhalten, dann würden sich die unmittelbaren negativen Effekte auf 1,5 Milliarden Dollar belaufen. Die gesamte Wirtschaftsleistung der USA beträgt pro Jahr jedoch 16'660 Milliarden Dollar – wöchentlich 320 Milliarden Dollar. Dafür benötigt die Schweiz ein halbes Jahr. 1,5 Milliarden entspricht also nur 0,5 Prozent der wöchentlichen Wirtschaftsleistung.

Die detaillierte Analyse der Konsumverhaltens der 800'000 zwangsbeurlaubten Staatsangestellten gibt gemäss Brill ebenfalls keinen Anlass zur Sorge: Zunächst ist ihre Zahl bezogen auf die Gesamtwirtschaft gering: Sie machen nur 0,7 Prozent der Angestellten im zweiten und dritten Sektor aus. Würden die betroffenen Familien eine Woche gar kein Geld ausgeben, entspräche dies 1 Milliarde Dollar an nicht getätigten Konsumausgaben. Da aber dennoch Mieten bezahlt, Autos gefahren und Lebensmittel gekauft werden, «wird wohl das Leben in alltäglichen Bahnen weiterverlaufen», so Brill – selbst im schlimmsten Fall dürfte nur ein Bruchteil dieser Milliarde nicht ausgegeben werden.

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