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Mit Mao gegen Genmais

In China wächst der Widerstand gegen genmanipulierte Pflanzen. Militärs und Maoisten sehen darin eine militärische Bedrohung und amerikanischen Imperialismus.

Selbstversorgung als Ziel: Verkauf von Maiskolben auf einem Markt in Peking.
Selbstversorgung als Ziel: Verkauf von Maiskolben auf einem Markt in Peking.
Kim Kyung-Hoon, Reuters
Die heimische Produktion deckt den Bedarf nicht mehr: Trocknung von frisch geernteten Maiskolben in einem Dorf in China.
Die heimische Produktion deckt den Bedarf nicht mehr: Trocknung von frisch geernteten Maiskolben in einem Dorf in China.
Reuters
Äusserlich nicht von natürlichem Mais zu unterscheiden: Ein reifer Kolben des genmanipulierten Maises MON 810 des US-Konzerns Monsanto.
Äusserlich nicht von natürlichem Mais zu unterscheiden: Ein reifer Kolben des genmanipulierten Maises MON 810 des US-Konzerns Monsanto.
Sven Kaestner, Keystone
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Genmanipulierte Pflanzen werden von den chinesischen Generälen neuerdings als eine militärische Bedrohung angesehen. Der «Economist» zitiert Ausschnitte aus einem Armeevideo: «Amerika mobilisiert seine strategischen Ressourcen, um genmanipulierten Mais zu verbreiten», heisst es darin. «Auf diese Weise soll via Kontrolle über die Nahrungsmittel die Kontrolle über die Welt gesichert werden.» Genmais wird in dieser Lesart eine Falle, in welche die Chinesen gelockt werden sollen. «Das könnte weit schlimmer sein als der Opiumkrieg», heisst es im Video weiter. Im Opiumkrieg haben die Briten 1840 China gezwungen, den Markt für die Droge zu öffnen.

Um seine rund 1,3 Milliarden Menschen zu ernähren, setzt China heute massiv auf Gentech. Mehr als 70 Prozent der Baumwolle ist genetisch angepasst worden. Die Mehrheit der Sojabohnen, die importiert werden, stammt aus den USA und ist gentechnisch manipuliert. Die Regierung fördert zudem die Forschung auf diesem Gebiet massiv und will damit die Erträge von Papayas, aber auch von Reis und Mais erhöhen. Bisher konnten Umweltaktivisten und NGOs wie Greenpeace dagegen nichts unternehmen.

Umweltschutz wird immer wichtiger

Nun erhalten sie Unterstützung von unerwarteter Seite, von den Maoisten. Wie die Militärs sehen diese im Genmais eine Waffe des amerikanischen Imperialismus. Der grosse Vorsitzende hatte zu seiner Lebzeit stets von Selbstversorgung gepredigt und von Abhängigkeit vom Ausland gewarnt. Regelmässig demonstrieren die Maoisten heute daher vor dem Landwirtschaftsministerium in Peking gegen den Genmais. Von der Polizei werden sie dabei mit Samthandschuhen angefasst: erstens, weil sie linientreue Kommunisten sind, und zweitens, weil auch in der chinesischen Bevölkerung der Unmut gegen genmanipulierte Nahrung wächst. In der jüngsten Vergangenheit haben mehrere Lebensmittelskandale die Menschen verunsichert. In einer Onlineumfrage haben sich 80 Prozent der 100'000 Teilnehmer gegen Genmais ausgesprochen.

Umweltschutz ist in China zu einem politisch brisanten Thema geworden. Das zeigt auch die jüngste Aktion von Jack Ma. Er ist das chinesische Gegenstück zu Amazon-Gründer Jeff Bezos. Mit Alibaba betreibt er ein Online-Detaillistengeschäft. Er ist mehrfacher Milliardär und gefeierter Volksheld. Die «Financial Times» hat ihn soeben zu ihrem Mann des Jahres gekürt. Doch auch Jack Ma sieht seine Zukunft nicht mehr im Scheffeln von noch mehr Milliarden im Internet. Der 48-Jährige engagiert sich neuerdings im Umweltschutz. Seine Begründung lautet wie folgt: «Unser Wasser ist nicht mehr trinkbar, unsere Nahrung nicht mehr essbar, unsere Milch vergiftet, und die Luft in unseren Städten ist so stark verschmutzt, dass die Menschen oft die Sonne nicht mehr sehen können. Vor 20 Jahren hat China ums wirtschaftliche Überleben gekämpft. Jetzt haben die Menschen bessere Lebensbedingungen und grosse Zukunftsträume. Aber diese Träume werden zerplatzen, wenn wir nicht einmal mehr die Sonne sehen können.»

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