Moody’s warnt vor «schwierigen Zeiten» für Schweizer Banken

Zwei geplante Gesetzesänderungen könnten nach Ansicht der Ratingagentur den Schweizer Immobilienmarkt umkrempeln.

Der Immo-Markt könnte den hiesigen Banken noch Sorgen machen: Neubausiedlung im Schweizer Mittelland.

Der Immo-Markt könnte den hiesigen Banken noch Sorgen machen: Neubausiedlung im Schweizer Mittelland. Bild: Adrian Moser

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Die renommierte Ratingagentur Moody’s hebt den Warnfinger: Den Schweizer Inlandbanken stünden «harte Zeiten» bevor, sollten angedachte Gesetzesänderungen wie geplant umgesetzt werden.

Der drohende «fundamentale Wandel» würde die Institute ausserdem zu einem kritischen Zeitpunkt im Konjunkturzyklus treffen, schrieb Moody’s-Experte Mathias Külpmann in einem am Montag veröffentlichten Bericht.

Weniger tangiert seien die Grossbanken UBS und Credit Suisse, weil diese diversifizierter seien und ihre Marktanteile am Hypothekenmarkt in den letzten Jahren zurückgefahren hätten.

Eigenmietwert und Postfinance

Hintergrund der Warnung sind zwei aktuelle politische Entwicklungen: die angedachte kombinierte Abschaffung von Eigenmietwert und Hypothekarzins-Steuerabzug sowie der mögliche Eintritt von Postfinance in den Hypothekarmarkt.

Die Abschaffung des Steuerabzugs für Hypothekenzinsen würde laut der Ratingagentur zu schnelleren Amortisationen führen. Die Hausbesitzer würden ihre Schulden also rascher zurückzahlen. Und dies hätte gemäss der Studie «erhebliche Auswirkungen» auf das Geschäftsmodell der inlandorientierten Banken.

Die «Haupteinnahmequelle» dieser Institute geriete demnach unter Druck. Die Ratingagentur erinnert daran, dass Hypotheken bei diesen Geldhäusern über 90 Prozent der gesamten Kredite ausmachen – was schöne Zinsen abwerfe und Erträge aus Gebühren ermögliche.

Die Erteilung einer Vollbanklizenz an Postfinance würde darüber hinaus den Wettbewerbsdruck auf die Banken erhöhen, meint Moody’s. Postfinance verfüge heute über 9 Prozent aller inländischen Einlagen. Es sei zu erwarten, dass die Bank im Lauf der Zeit auf einen ähnlichen Marktanteil wie auf dem Hypothekenmarkt kommen werde. Postfinance-Chef Hansruedi Köng hatte in einem Zeitungsinterview erklärt, er strebe einen prozentual tiefen, einstelligen Marktanteil an.

Der Bundesrat hatte Anfang September vorgeschlagen, der Postfinance eine Vollbankenlizenz zu erteilen – und ihr damit die Vergabe von Hypotheken zu erlauben. Der Anlass dafür war die Ertragsschwäche des Instituts infolge der Negativzinsen. Die Eckwerte für ein neues System der Wohneigentumsbesteuerung stammen aus der Küche der ständerätlichen Wirtschaftskommission; diese hatte Ende August die Verwaltung beauftragt, eine entsprechende Vorlage auszuarbeiten.

Keine Änderungen über Nacht

Verschiedene Experten hatten bei beiden Vorlagen darauf hingewiesen, dass diese nicht unmittelbar wirken würden. So sind die Postfinance-Pläne des Bundesrats heftig umstritten, was im Parlament zu Änderungen führen könnte. Und selbst wenn die Vorhaben umgesetzt werden sollten, ändere sich über Nacht nicht viel, meinen Beobachter. So seien etwa viele Hausbesitzer wegen der Laufzeiten ihrer Hypotheken noch über Jahre gebunden.

Ähnlich ist die Situation bei der Immobilienfinanzierung. So rechnen die UBS-Analysten mit einer Umsetzung frühestens im Jahr 2022. Sollte das Referendum ergriffen werden, komme es zu einer zusätzlichen Verzögerung.

Wirklich Rückzahlungen?

Die UBS-Experten sind sich darüber hinaus im Gegensatz zu Moody’s auch nicht sicher, ob es zu Rückzahlungen von Hypotheken im grossen Stil kommen wird. Denn der Anreiz, die Schulden stehen zu lassen und mit den verfügbaren Mitteln in Anlagen mit steuerfreien Kapitalgewinnen und Dividenden zu investieren, ginge nicht grundsätzlich verloren.

Laut den UBS-Ökonomen ist die aktuell hohe Hypothekarverschuldung hierzulande auch nicht nur eine Folge steuerlicher Begünstigungen. Vielmehr sei sie auch eine Konsequenz der hohen Land- und Immobilienvermögenswerte in Relation zur Wirtschaftsleistung und der relativ tiefen und stabilen Inflation, welche die Vergabe von Hypotheken ohne vollständige Amortisationspflicht erst ermöglicht habe.

Offensichtlich ist der Schweizer Immobilienmarkt trotz der politischen Vorschläge für manche Finanzinstitute denn auch nach wie vor ein attraktives Umfeld. So wurde am Wochenende bekannt, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs einen Eintritt in den Schweizer Hypothekenmarkt prüft. (sda)

Erstellt: 15.10.2018, 10:30 Uhr

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