Nach Steuervorlage: Wer gewinnt, wer verliert

Ökonomen der UBS haben errechnet, wie die gestrige Abstimmung die Wettbewerbsfähigkeit der Kantone verändert.

Grösster Gewinner der Abstimmung ist der Kanton Glarus: Abfüllung von Vivi Kola in Elm. Foto: Keystone / Christian Beutler

Grösster Gewinner der Abstimmung ist der Kanton Glarus: Abfüllung von Vivi Kola in Elm. Foto: Keystone / Christian Beutler

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Das Ergebnis der Abstimmung verändert die Attraktivität der Kantone für ausländische Unternehmen und hat Auswirkungen auf ihre Finanzen. Aber wie sehen diese Folgen im Detail aus? Ökonomen der Grossbank UBS haben das für die nächste Zukunft errechnet. Die langfristigen Folgen hängen von vielen aktuell noch unwägbaren Entwicklungen ab: Vor allem vom Verhalten der Unternehmen – ob sie vermehrt zuwandern oder abwandern – und in diesem Zusammenhang auch von möglichen Veränderungen der Rahmenbedingungen in anderen Ländern.

Konkret haben die UBS-Experten untersucht, wie sich das Abstimmungsergebnis auf den sogenannten kantonalen Wettbewerbsindikator auswirkt. Dabei handelt es sich um eine Art Index, den die Ökonomen bereits seit Jahren errechnen. Die steuerliche Attraktivität beeinflusst diesen über das Kostenumfeld für die Unternehmen. Und dieses verändert sich nun einerseits angesichts der Abschaffung von Steuerprivilegien für ausgewählte Unternehmen als Folge der Abstimmung, aber auch, weil eine Reihe von Kantonen ihre Unternehmenssteuern nun deutlich senken wollen – unter anderem, um den möglichen Verlust an Attraktivität durch die Abschaffung der Privilegien wettzumachen.

Bern als Schlusslicht

Grösster Gewinner der Abstimmung und des veränderten Kostenumfelds ist der Kanton Glarus, der im Vergleich zum Vorjahr vier Ränge besser dasteht – sich aber im Vergleich zu den wettbewerbsfähigsten Kantonen auch damit noch deutlich im Hintertreffen befindet. Grösster Verlierer ist der Kanton Bern, der gleich sechs Ränge verloren hat und vor Appenzell Innerrhoden, Uri, Graubünden, dem Wallis und dem Jura zu den am wenigsten wettbewerbsfähigen Kantonen der Schweiz zählt. Der wichtigste Grund dafür ist, dass der Kanton Bern schweizweit gemäss der Studie die höchsten Kosten für die Unternehmen ausweist.

Obwohl die Abstimmung an dessen relativer Position nichts geändert hat, bleibt weiterhin der Kanton Zug gemäss UBS-Berechnung mit Abstand der wettbewerbsfähigste Kanton der Schweiz, gefolgt von Basel-Stadt – die Stadt hat einen Rang gutgemacht und Zürich vom zweiten Platz verdrängt, das jetzt an dritter Stelle folgt. Die folgende Grafik zeigt die relative Wettbewerbsfähigkeit aller Kantone mit ihren Indexwerten:

Wie die UBS-Studie zeigt, ist aber in den meisten Kantonen mit Einnahmeausfällen zu rechnen – am deutlichsten in den Kantonen Waadt, Basel-Stadt und Genf. Die Kantone setzen darauf, dass ihre Anpassungen zu einem stärkeren Zustrom von Unternehmen führt, was wieder zu höheren Einnahmen führen sollte.

Kosten sind nicht alles

Die Wettbewerbsfähigkeit der Kantone wird allerdings bei weitem nicht nur von den Steuern beeinflusst. Diese beeinflussen vor allem – unter anderem neben den Löhnen und den Mietpreisen – die gesamten Kosten für die Unternehmen. Alleine daran gemessen müssten die relativ wenig wettbewerbsfähigen Kantone Appenzell Innerrhoden und Glarus an der Spitze stehen – kein Kanton ist kostengünstiger als sie.

Die Kosten sind nur eine von acht sogenannten Säulen, mit denen die UBS die Wettbewerbsfähigkeit der Kantone festlegt. Dazu kommt die Wirtschaftsstruktur, das Innovationsniveau, das Humankapital (das Bildungs- und Fähigkeitsniveau), der Arbeitsmarkt, die Erreichbarkeit, das Einzugsgebiet und die Staatsfinanzen.

Ohne gut ausgebildete Fachkräfte zum Beispiel, dem Anschluss an die Zentren und die Weltmärkte oder ohne gut ausgebaute Infrastruktur sowie stabile Finanzen nützen allein tiefe Steuern den Unternehmen wenig.

Erstellt: 20.05.2019, 18:00 Uhr

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