Negativzinsen, zu teurer Franken – es droht noch Schlimmeres

Was die angekündeten Massnahmen der Europäischen Zentralbank für die Schweiz bedeuten. Und wo die grossen Gefahren lauern.

Klare Botschaft: EZB-Chef Mario Draghi will die Zinsen im September senken.

Klare Botschaft: EZB-Chef Mario Draghi will die Zinsen im September senken. Bild: Keystone

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Noch im letzten Jahr sah es so aus, als ob ein Ende von Negativzinsen und all der weiteren Extremmassnahmen von Notenbanken absehbar ist. Das Thema eines zu teuren Frankens schien ebenfalls der Vergangenheit anzugehören.

Das hat sich als Wunschdenken herausgestellt. Nicht nur bleiben uns die ungeliebten Massnahmen noch lange erhalten. Es droht sogar noch Schlimmeres. Heute hat die Europäische Zentralbank ihre Zinsen zwar noch nicht weiter in den negativen Bereich gesenkt. Doch die Botschaft war klar. Im September soll das kommen. Dazu sind wieder Ankäufe von Anleihen geplant. Dabei ist das letzte Programm erst im Dezember ausgelaufen.

Die Massnahmen der EZB waren bisher immer Richtschnur für das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank. Den rekordtiefen Leitzins von Minus 0,75 Prozent erklären Präsident Thomas Jordan und seine Kollegen damit, dass die Schweizer Zinsen tiefer als jene im Euroland sein müssen, damit der Franken nicht zu attraktiv wird. Hält die SNB an dieser Einschätzung fest, sind auch in der Schweiz Zinsen noch tiefer im negativen Bereich zu erwarten.

Die Erwartung weiterer Geldschübe in der Eurozone und in den USA – wo nächste Woche eine Zinssenkung so gut wie sicher ist – haben den Preis des Euro diese Woche wieder unter 1.10 Franken gedrückt. Während die erneute Aufwertung des Frankens für alle eine tolle Entwicklung ist, die im Ausland Ferien machen oder einkaufen, bedrohen weitere starke Aufwertungsschübe Arbeitsplätze in der Schweiz. Dass der Franken sich nach der Entscheidung der EZB wieder leicht erholt hat und die Aktienkurse nach unten drehten, liegt nur daran, dass man an den Märkten noch mehr Schub von der EZB erwartet hat. Das zeugt davon, wie stark man auf diesen Märkten bereits auf die Geldspritzen der Notenbanken setzt.

Weniger Wirkung auf die Realwirtschaft

Ihre grösste Wirkung hatten die Notenbanker bisher auf alle Arten von Anlagen: Immobilienpreise, Aktienkurse und Anleihen haben sie massiv befeuert – und zu einer massiven Zunahme der Verschuldung geführt. Selbst Länder und Unternehmen mit einer schlechten Bonität erhalten heute Geld zu Tiefst- bis Negativzinsen.

Immer weniger Wirkung hat die extreme Geldpolitik dagegen auf die Realwirtschaft. Obwohl sie alles getan hat, was einst für unmöglich gehalten wurde, verdüstern sich die Aussichten für die Weltwirtschaft nach einem Strohfeuer in den letzten Jahren bereits wieder.

Vieles was Notenbanken tun, lässt sich im einzelnen gut begründen. Oft versuchen sie Fehlentwicklung zu korrigieren, die nicht sie verursacht haben. Betrachtet man aber die Entwicklung seit der Finanzkrise, kann man sich dem Eindruck nicht entziehen, dass das gesamte internationale Geld- und Kapitalgefüge gefährlich aus den Fugen geraten ist – mit noch unbekannten Folgen für die Zukunft.

Erstellt: 25.07.2019, 17:50 Uhr

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