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Nicht Chinas Wachstum ist entscheidend

Die Daten der Regierung sind wenig glaubwürdig. Viel wichtiger ist die Frage, was die Zahlen treibt.

Die chinesischen Exporte sind wegen des Handelskriegs massiv zurückgegangen. Zwei Arbeiter an einem chinesischen Hafen. Foto: Keystone
Die chinesischen Exporte sind wegen des Handelskriegs massiv zurückgegangen. Zwei Arbeiter an einem chinesischen Hafen. Foto: Keystone

Mit 6,2 Prozent ist das Wachstum in China seit 30 Jahren nicht mehr so tief gewesen wie im zweiten Quartal des laufenden Jahres. Die Meldung des staatlichen Statistik­amtes klingt wie eine Schreckens­meldung – auch für die Schweiz. Immerhin ist die Volksrepublik unser drittgrösster Handelspartner. Und angesichts der Bedeutung von China für den gesamten Weltmarkt ist das Land noch viel wichtiger für uns, als es die direkten Handelsbeziehungen zeigen.

Doch der Fokus auf die Wachstumszahlen führt in die Irre. Sie sind ohnehin nicht glaubwürdig und manipulierbar. «Die chinesische Wirtschaft kann jedes beliebige Wachstum haben», sagt deshalb Michael Pettis, ein in Peking lehrender US-Ökonom.

Damit meint er, dass die Regierung die chinesische Wirtschaft noch immer mit billigem Geld an Zombie-Firmen aufpumpt und mit unnützen Investitionen. Die Folgen sind gigantische Schulden.

Auch Nationalismus ist eine grosse Gefahr

Ein Wachstum auf dieser Grundlage ist nicht nachhaltig und endet irgendwann in der Katastrophe. Das kann nicht im Sinn der Handelspartner von China sein – und damit auch nicht in jenem der Schweiz.

Ein tieferes Wachstum kann deshalb eine gute Sache sein. Vor allem dann, wenn es der Regierung gelingt, den Umbau weg von unnützen Investi­tionen zu schaffen und hin zu einer Wirtschaftsstruktur, die der Bevölkerung über den Konsum zugutekommt. Dieses Ziel hat sich die Kommunistische Partei auch gesetzt. Das Ergebnis wäre ein geringeres Wachstum. Doch die Welt kann nur hoffen, dass ihr dies künftig besser gelingt.

Schrumpft das Wachstum Chinas aber wegen des Handelskriegs mit den USA, droht die schlechteste aller Welten. Die extrem hohen Zölle sind für das Land schon jetzt ein Schock. Ein drastischer Einbruch der Exporte und die Abwanderung von produktiven Unternehmen können den Umbau der chinesischen Wirtschaft weiter verunmöglichen. Die Abhängigkeit der Regierung von Schulden und Fehlinvestitionen droht dann zu bleiben oder noch zuzunehmen. Eine scharfe nationalistische Wende in China wäre eine weitere grosse Gefahr, nicht nur für den Welthandel. Leider deuten die jüngsten Daten genau auf eine solche Entwicklung hin.

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