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Norwegen leidet mit Russland

Nicht nur der Rubel stürzt, auch die norwegische Krone sinkt. Der tiefe Ölpreis belastet die Wirtschaft Norwegens schwer. Das schmerzt auch den Durchschnittsbürger.

Verliert stark an Wert: Eine norwegische 500-Kronen-Note.
Verliert stark an Wert: Eine norwegische 500-Kronen-Note.
AFP

Es ist gewiss ein Leiden auf hohem Niveau, aber manchem Norweger dürfte es ob der Schlagzeilen der letzten Tage trotzdem etwas mulmig geworden sein. Denn mit dem Ölpreis fällt auch der Wert der norwegischen Krone. Gestern vollzog nicht nur der russische Rubel einen Kurssturz, sondern in weniger ausgeprägtem Mass auch die Krone. So war sie erstmals seit 2000 wieder gleich viel wert wie die schwedische Krone. Sie fiel zwischenzeitlich noch etwas mehr – auf ein Niveau, wie es seit 1992 nicht mehr gesehen wurde.

Die Währung des grössten europäischen Öl- und Gasproduzenten schwächte sich in diesem Jahr aber auch gegenüber dem US-Dollar (–19,2 Prozent), dem Euro (–12 Prozent) und dem britischen Pfund (–15,3 Prozent) ab.

Der Dollar steigt rund 20 Prozent gegenüber der Krone: US-Dollar in norwegischen Kronen. (Screenshot: Bloomberg)

Der rund 50-prozentige Fall des Ölpreises seit Mitte Jahr setzt die Währung unter Druck und verdüstert die wirtschaftlichen Aussichten des Landes. Der Öl- und Gassektor trägt etwa 25 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei. Die grösste norwegische Bank, DNB ASA, rechnet für die nächsten drei Jahre mit sinkenden Investitionen im Energiebereich. Im nächsten Jahr sollen sie gar um 15 Prozent einbrechen, wie «Bloomberg» schreibt.

Halbiertes Wachstum – steigende Preise

Notenbankgouverneur Oeystein Olsen glaubt, die Wirtschaft werde unter Druck bleiben, bis der Preis der Nordsee-Ölsorte Brent wieder über die Marke von 70 US-Dollar pro Fass (159 Liter) klettert. Zurzeit setzt der Ölpreis seinen Sinkflug jedoch fast täglich fort. Heute markierte er mit rund 59.40 Dollar ein neues Fünfjahrestief. Die Notenbank hatte letzte Woche überraschend eine Leitzinssenkung von 1,5 auf 1,25 Prozent angekündigt. Das solle das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Die Ökonomen der norwegischen Bank DNB sagen dem Land im kommenden Jahr mit 1,2 Prozent dennoch nur noch ein halb so starkes Wachstum wie 2014 voraus.

Verglichen mit der für Russland erwarteten Rezession, ist das noch ein komfortabler Wert. Der Durchschnittsnorweger dürfte die Verschiebungen im Weltwirtschaftsgefüge aber trotzdem am eigenen Portemonnaie spüren. So warnen die norwegischen Medien vor steigenden Preisen für Lebensmittel, Geräte und Reisen (zum Beispiel hier oder hier). Umgekehrt könnte der norwegische Detailhandel entlang der Grenze zu Schweden profitieren, bemerkt «Bloomberg». Der Einkaufstourismus zwischen den Ländern hat demnach ein Volumen von 13 Milliarden Kronen erreicht (1,7 Milliarden Franken). Viele Norweger fahren ins Nachbarland, um sich dort mit billigeren Waren einzudecken. Mit sinkendem Wert der Krone lohnen sich die Fahrten nicht mehr so stark.

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