«Nullinflation» zum Jahresende

Der stark gestiegene Ölpreis zeigt Wirkung: In der Schweiz dürften deutlich negative Teuerungsraten passé sein.

Der starke Franken bereitet der Wirtschaft viele Probleme, doch nun treten auch seine Vorzüge hervor. Foto: Keystone

Der starke Franken bereitet der Wirtschaft viele Probleme, doch nun treten auch seine Vorzüge hervor. Foto: Keystone

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Erstmals seit 27 Monaten weist die Jahresteuerungsrate in der Schweiz kein negatives Vorzeichen aus. Für den Dezember 2016 hat das Bundesamt für Statistik (BFS) eine «Nullinflation» beim Landesindex der Konsumentenpreise ermittelt, so wie zuletzt im Oktober 2014. Für den Anstieg der Teuerungsrate – im November lag sie noch bei –0,3 Prozent – sind primär Erdölprodukte verantwortlich; sie haben sich laut BFS-Daten innert Jahresfrist um 6,8 Prozent verteuert, wobei allein der Heizölpreis um fast 20 Prozent zulegte. Die Kerninflation (ohne Energie und Frischprodukte) betrug im Dezember –0,3 Prozent.

Hat die Schweiz damit die über zweijährige Periode negativer Inflationsraten überwunden? Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz der UBS, bejaht die Frage: «Dies könnte durchaus der Beginn eines Ausstiegs aus der Negativinflation sein.» Die starke Verteuerung des Öls – der Preis je Fass hat sich innert Jahresfrist auf gut 56 Dollar verdoppelt – werde sich nach und nach in den Konsumentenpreisen niederschlagen. Für das laufende Jahr rechnet Kalt mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 0,4 Prozent. Er liegt damit über der Prognose der Schweizerischen Nationalbank, die von 0,1 Prozent ausgeht. 2016 betrug die mittlere Jahresteuerung –0,4 Prozent.

Nach Einschätzung von Claude Maurer, Ökonom bei der Credit Suisse, werden die Teuerungsraten hierzulande auf mittlere Sicht um den Nullpunkt schwanken. «Mit der Trendwende auf dem Rohölmarkt fehlt nun ein wichtiger Treiber für negative Inflationsraten», sagte Maurer. Darüber hinaus dürfte sich der Franken gegenüber Euro und Dollar «einigermassen stabil verhalten» – auch dies ein entscheidender Faktor, der aus Sicht des CS-Ökonomen dafür sorgen dürfte, dass deutlich negative Teuerungsraten in der Schweiz «weniger wahrscheinlich» sein werden. Im letzten Jahr sind die Preise für importierte Güter wegen der Frankenstärke um durchschnittlich 1,4 Prozent gesunken; die Inlandsgüter verbilligten sich um 0,1 Prozent.

Inflationsgefälle zum Euroraum

Augenfällig ist, wie die erheblich gestiegenen Energiepreise viel kräftiger als hierzulande auf die Teuerungsraten in unseren Nachbarländern durchschlagen. Gemäss einer ersten Schätzung legten die Konsumentenpreise in der Eurozone im Dezember um 1,1 Prozent zu, nach 0,6 Prozent im Monat zuvor. In Deutschland beschleunigte sich die Inflationsrate sogar von 0,8 auf 1,7 Prozent.

Für Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, ist der markante Inflationssprung in unserem nördlichen Nachbarland «Ausdruck für die dort auf Hochtouren laufende Wirtschaft, die da­bei von einer künstlich geschwächten Währung profitiert». Acket spielt damit auf die anhaltend umfangreichen Geldspritzen der Europäischen Zentralbank an, die zur Schwächung des Euro beitragen. Demgegenüber, so der Chefökonom von Julius Bär, wirke der starke Franken in der Schweiz «wie ein Filter, der so gut wie keinen Inflationsdruck zulässt».

Die heimische Wirtschaft vermag auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit in preisbereinigter Betrachtung gegenüber einem ihrer wichtigsten Konkurrenten zu verbessern. Hat die starke Frankenaufwertung seit 2015 schmerzliche Anpassungen erfordert – und weitere sind wohl nötig –, treten jetzt vermehrt die Vorzüge einer harten Währung zutage.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.01.2017, 20:03 Uhr

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