Optimistische Aussichten für Schweizer Wirtschaft

Die Konjunkturforschungsstelle KOF erwartet für die kommenden beiden Jahren hohe Wachstumsraten und sinkende Arbeitslosenzahlen.

Ein Klient am Empfang des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV in Sargans SG. (Archiv)

Ein Klient am Empfang des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV in Sargans SG. (Archiv) Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich zeigt sich sehr optimistisch für die Schweizer Wirtschaft. Vor allem für dieses Jahr erwartet sie ein starkes Wachstum, aber auch in den beiden kommenden Jahren dürfte die hiesige Wirtschaft deutlich zulegen. Entsprechend sollte auch die Arbeitslosigkeit weiter sinken bzw. noch länger tief bleiben. Risiken für die Prognose kommen vor allem aus dem Ausland.

Für das laufende Jahr 2018 hat die KOF ihre Prognose für das Wachstum des realen Bruttoinlandproduktes (BIP) auf «beachtliche» 2,9 Prozent von zuvor 2,3 Prozent erhöht. «Die Schweizer Wirtschaft befindet sich in einer Hochkonjunktur», sagte denn auch KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm am Mittwoch vor den Medien in Zürich.

Sowohl die gute Verfassung der Weltwirtschaft wie auch die Binnenwirtschaft liefern positive Impulse für die Schweizer Konjunktur. So sei die Kapazitätsauslastung in der Industrie inzwischen so hoch wie zuletzt im Jahr 2011. Die starke Wirtschaftsleistung sei zudem breit abgestützt: sowohl die Industrie als auch die Dienstleistungsbranchen hätten die Produktion ausweiten können.

Leichte Abflachung 2019

Die Expansion der Weltwirtschaft werde sich in der zweiten Jahreshälfte 2018 noch leicht beschleunigen, so die KOF weiter. Danach dürfte sich die konjunkturelle Entwicklung aber etwas verlangsamen. «Der Wendepunkt dürfte schon vorbei sein. Aber wir erwarten eher eine Abflachung und keinen Einbruch», so Sturm. Konkret erwartet er für 2019 ein BIP-Wachstum hierzulande von noch 1,7 Prozent (alte Prognose: 1,9%), 2020 sollten es dann 2,1 Prozent sein.

Der tiefere Wert für 2019 sei aber nicht auf die Konjunkturentwicklung, sondern auf geringere Lizenzeinnahmen der in der Schweiz ansässigen internationalen Sportverbände zurückzuführen, betonte die KOF. Im ersten Halbjahr 2018 hatten sowohl olympische Spiele wie auch Fussballweltmeisterschaften stattgefunden, was sich nächstes Jahr nicht wiederholen wird.

Positive Entwicklung auch am Arbeitsmarkt

Der seit einiger Zeit anhaltende Konjunkturaufschwung wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt positiv aus: Die Beschäftigung steigt markant und die Zahl der Arbeitslosen geht zurück. Für 2018 schätzt die KOF eine Quote der bei den Arbeitsämtern registrierten Arbeitslosen von 2,7 Prozent, danach sollten die Werte stabil bei 2,5 Prozent zu liegen kommen. Die Arbeitslosenquote nach der international vergleichbaren Definition der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) werde sich von 4,7 Prozent in diesem Jahr auf 4,4 Prozent in den kommenden zwei Jahren abschwächen.

Diese sogenannte Sockelarbeitslosigkeit hat sich in den letzten Jahren erhöht und dürfte auch nicht mehr klar weiter sinken. KOF-Chef Sturm rechnet mit einem Monatstiefstwert bei der vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) berechneten Rate von «vielleicht 2,3 Prozent». Sie ist der Anteil an Arbeitslosigkeit, die selbst dann bestehen bleibt, wenn die Konjunktur sich vollständig erholen würde.

Internationale Risiken – Alternativszenario 'Eurokrise II'

Abwärtsrisiken für die Prognose kommen laut KOF insbesondere aus dem internationalen Umfeld. Vor allem ein Einbruch des Welthandels aufgrund von Handelskriegen könnte die Schweizer Wirtschaft treffen. Aber auch eine erneute Aufwertung des Frankens in Zusammenhang mit einem ungeordneten Brexit oder einem Wiederaufflammen der Euro-Krise könnte belastend wirken.

Die KOF hat in diesem Zusammenhang die erwarteten Wachstumsraten in einem sogenannten «Alternativszenario: Eurokrise II» berechnet, in welchem der Franken wieder zur Fluchtwährung und die Schweizerische Nationalbank (SNB) eine Untergrenze des Frankens zum Euro von Eins zu Eins verteidigen würde. Vor allem die Industrie wäre davon stark betroffen, glauben die KOF-Verantwortlichen.

Die BIP-Wachstumsraten für 2019 und 2020 fielen in einem solchen Szenario mit 0,7 bzw. 0,3 Prozent massiv niedriger aus. Im Vergleich zum Basisszenario lägen die Werte 1,0 bzw. 1,8 Prozentpunkte unter dem Basisszenario. KOF-Chef Sturm glaubt allerdings nicht an den grossen Einbruch: «Die Wirtschaft trotzt den politischen Unsicherheiten. Und das bleibt hoffentlich so.» (nag/sda)

Erstellt: 03.10.2018, 13:52 Uhr

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