Pensionskassen hatten ihr schlechtestes Jahr seit 2008

Laut einer Studie sollen die Umwandlungssätze bis 2024 im Schnitt schrittweise auf 5,28 Prozent reduziert werden.

Arbeitnehmer haben 2018 eine durchschnittliche Verzinsung von 1,4 Prozent erhalten nach noch 2,2 Prozent im Vorjahr. (Archivbild Keystone)

Arbeitnehmer haben 2018 eine durchschnittliche Verzinsung von 1,4 Prozent erhalten nach noch 2,2 Prozent im Vorjahr. (Archivbild Keystone) Bild: Keystone

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Die Schweizer Pensionskassen haben im vergangenen Jahr das schlechteste Anlagejahr seit 2008 verbucht. Die starke Entwicklung der Aktienanlagen in den ersten vier Monaten 2019 machen dies jedoch mehr als wett.

Die Pensionskassen müssen jedoch die Umwandlungssätze und damit die Leistungen für Neurentner weiter reduzieren, wie dem von der Anlageberatungsfirma Complementa am Freitag veröffentlichten «Risiko Check-up 2019» zu entnehmen ist. Der langfristige Trend mit sinkenden Renditen und Umwandlungssätzen bleibe erhalten.

«Pensionskassen sollten sich nicht zu sehr an kurzfristigen Entwicklungen orientieren», sagte Studienleiter Jürgen Rothmund bei der Vorstellung der Studie am Freitag in Zürich. Solide könne man aktuell mit 2,3 Prozent Renditeperspektive rechnen. «Die Zinsversprechen von 3,1 Prozent, die derzeit den Neurentnern gegeben werden, werden teilweise von den jüngeren Versicherten finanziert.»

Pensionskassen können anders als Vollversicherungen höhere Anlagerisiken eingehen. Weil risikobehaftete Anlagen wie Aktien im vergangenen Jahr schlecht rentierten, erzielten die Pensionskassen 2018 eine negative Rendite von 2,7 Prozent. Das ist das schlechteste Ergebnis seit dem «Finanzkrisenjahr» 2008, als ein Verlust von 12,8 Prozent resultierte, wie die Autoren der Studie betonten. In den ersten vier Monaten 2019 wuchsen die Vermögensanlagen durch die deutliche Erholung wieder um 6,5 Prozent. Das Jahrzehnt nach der Finanzkrise (2009-2018) erbrachte im Schnitt eine Rendite von immerhin 4,3 Prozent.

Diese volatile Entwicklung der vergangenen Monate lässt sich auch am durchschnittlichen Deckungsgrad der Pensionskassen ablesen. Dieser ging im Vorjahr auf 102,7 Prozent von 108,0 Prozent Ende 2017 zurück. Aktuell wird er wieder auf 108,5 Prozent geschätzt.

Gesunkenes Renditeniveau

Arbeitnehmer haben 2018 eine durchschnittliche Verzinsung von 1,4 Prozent erhalten nach noch 2,2 Prozent im Vorjahr. Der gesetzlich vorgegebene BVG-Mindestzins beträgt 1,0 Prozent und der technische Zinssatz ging auf 2,1 Prozent von 2,2 Prozent zurück. Letzterer wird zu zwei Drittel aus dem arithmetischen Mittel der durchschnittlichen Anlagerenditen der letzten 20 Jahre berechnet und zu einem Drittel aus der aktuellen Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen.

Gegenüber der Mindestverzinsung gab es somit eine Zusatzverzinsung 2018 von 0,4 Prozent verglichen mit 1,2 Prozent im Vorjahr. Ursache für die kleinere Zusatzverzinsung dürften die Kursverluste im vierten Quartal 2018 gewesen sein. Dies habe auch dazu geführt, dass rund 9 Prozent der Kassen Ende 2018 in Unterdeckung waren, ein Wert, der sich aktuell wieder auf rund 1 Prozent verringert haben dürfte, wie es weiter hiess.

Umwandlungssatz sinkt bis 2024 auf 5,28 Prozent

So werden die angesparten Vorsorgekapitalien aktuell im Schnitt mit 5,64 Prozent gewandelt, nach 5,81 Prozent 2018. Der gesetzliche Mindestumwandlungssatz liegt bei 6,8 Prozent. Laut der Studie planen die Pensionskassen die Umwandlungssätze bis 2024 im Schnitt schrittweise auf 5,28 Prozent zu reduzieren und damit etwas schneller als in der vergangenen Studie prognostiziert.

Der aktuelle Vermögensmix der zweiten Säule impliziert eine durch Complementa berechnete Renditeperspektive von 2,3 Prozent. Um die aktuellen Umwandlungssätze zu realisieren, müssten deutlich höhere und den Reserven nicht angemessene Risiken eingegangen werden, heisst es in der Studie. Um das zukünftige Rentenniveau auf dem aktuellen Stand zu halten, müssten höhere Sparbeiträge und ein höheres Rentenalter diskutiert werden, folgern die Studienautoren.

Die Datenbasis der Studie bilden Angaben von 437 Pensionskassen, von denen rund 63 Prozent vollständige oder teilvollständige finale Daten für das vergangene Jahr geliefert haben. (aru/oli/sda)

Erstellt: 10.05.2019, 16:34 Uhr

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