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Posse um einen angeblichen Rechenfehler

Die US-Regierung wirft Standard & Poor's vor, sich bei der Herabstufung der Kreditwürdigkeit um zwei Billionen Dollar verrechnet zu haben. Darauf komme es auch nicht mehr an, kontert die Ratingagentur.

Über das neue US-Rating rieb sich mancher verwundert die Augen: eine Lupe vergrössert das AA+ auf einem Bildschirm.
Über das neue US-Rating rieb sich mancher verwundert die Augen: eine Lupe vergrössert das AA+ auf einem Bildschirm.
Keystone

Das US-Finanzministerium ist sich sicher: Ein Rechenfehler ist Schuld an der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten durch die Ratingagentur Standard & Poor's. Für diese gehört die grösste Volkswirtschaft der Welt seit Freitag nicht mehr zu den kreditwürdigsten Staaten.

Doch die verschlechterte Bewertung von Topnote AAA auf AA+ ist nach Ansicht der US-Regierung einem Fehler geschuldet, durch den zwei Billionen Dollar bei der Berechnung nicht berücksichtigt wurden. Dieser Lapsus wecke Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Ratingagentur, heisst es im Finanzministerium in Washington. Das sieht Standard & Poor's freilich anders: Verantwortlich für die Herabstufung sind demnach nicht nur blosse Zahlen, sondern auch die tiefen Gräben zwischen Demokraten und Republikanern.

Zwei verschiedene Zeitschienen vermischt

Ein «grundlegender mathematischer Fehler mit erheblicher Konsequenz» - mit diesen Worten beschreibt John Bellows vom US-Finanzministerium, wie Standard & Poor's zu dem Schluss kommen konnte, die Kreditwürdigkeit seines Landes herabzustufen. Bei der Berechnung der Schuldenentwicklung für die nächsten zehn Jahre habe die Ratingagentur fälschlicherweise zwei unterschiedliche Zeitschienen miteinander vermischt, schreibt er auf der Internetseite des Ministeriums. Wäre dies nicht passiert, hätte Standard & Poor's für das nächste Jahrzehnt Ausgabenkürzungen von vier Billionen Dollar errechnen können - so viel, wie die Agentur vor kurzem selbst verlangt hatte, um die nun erfolgte Herabstufung doch noch zu vermeiden.

Eine zweistufige Anhebung des Schuldenlimits um 2,1 Billionen Dollar sowie Haushaltskürzungen von mehr als 2,4 Billionen Dollar in den kommenden zehn Jahren sind das Ziel des Haushaltsplans, den die USA vergangene Woche nur Stunden vor Eintreten der drohenden Zahlungsunfähigkeit verabschiedet hatten. Ein wochenlanges Tauziehen zwischen der Demokratischen Partei von US-Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern im Kongress war der Einigung vorausgegangen. Auf der einen Seite die Forderung nach Steuererhöhungen, auf der anderen Seite das Beharren auf Ausgabenkürzungen - bei dem Geschacher standen sich beide Parteien unversöhnlich gegenüber, was sich mit Blick auf die Präsidentenwahl im kommenden Jahr sogar noch verschärfen dürfte.

Dauer-Lähmung des Politbetriebs

Standard & Poor's nennt deshalb auch die zu befürchtende Dauer-Lähmung des Politikbetriebs in Washington als einen Grund für die Herabstufung der Kreditwürdigkeit. «Es sollte niemanden überraschen, dass wir uns auch den Prozess anschauen, in dem Politik gemacht wird», sagte S&P-Manager David Beers. Den politischen Risiken komme bei den Berechnungen ein «höheres Gewicht» zu als dem steuerlichen Teil.

Und selbst eine Berechnung mit den Zahlen wie sie die US-Regierung fordere, ändere nichts daran, dass die US-Schuldenquote unter den «plausibelsten Annahmen» in den nächsten zehn Jahren steigen werde, sagte der S&P-Verantwortliche John Chambers dem Sender CNN. «Die Zahlen, die wir veröffentlicht haben, sind korrekt, und unsere Analyse ist einwandfrei.»

Die Unfehlbarkeit der Ratingagenturen ziehen aber gerade in den USA zahlreiche Kritiker seit der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise in Frage, die 2008 ihren Anfang genommen. S&P, Moody's und Fitch werden wegen ihrer Fehleinschätzungen für die Krise mitverantwortlich gemacht.

Warren Buffett vergibt Topnote

«Diese Menschen sind nicht in der Position, Urteile zu fällen», schrieb der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Ökonom Paul Krugman in seinem Blog bei der «New York Times». Robert Reich, der einst unter Präsident Bill Clinton Arbeitsminister war, erklärte, S&P sei durch früheres Versagen an den bis heute angehäuften Schulden der USA mit Schuld. Die Herabstufung sei eine «Einmischung» in die Politik.

Auch für Milliardär Warren Buffett hat die Entscheidung von Standard & Poors keinen Sinn. «Wenn es eine vierfache A-Note gäbe, würde ich sie den USA geben», sagte Buffett.

AFP/miw

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