Zum Hauptinhalt springen

Rekordkapitalflucht aus Russland

Die Notenbank hatte mit Geldabflüssen gerechnet, aber nicht in dem Ausmass: Noch nie schafften Russen so viel Kapital ins Ausland. Die Kreditwürdigkeit des Landes ist noch knapp über Ramschniveau.

Auch Moody's stuft Russland herab: Mann läuft in Moskau bei einer Währungsanzeige vorbei. (15. Januar 2015)
Auch Moody's stuft Russland herab: Mann läuft in Moskau bei einer Währungsanzeige vorbei. (15. Januar 2015)
Keystone

Die westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und der Ölpreisverfall haben eine Rekord-Kapitalflucht aus Russland ausgelöst. Im vergangenen Jahr zogen Investoren netto 151,5 Milliarden Dollar aus dem Schwellenland ab, wie die russische Zentralbank gestern mitteilte.

Damit kehrten mehr Anleger Russland den Rücken als die Notenbank erwartet hatte. In ihrer jüngsten Prognose war sie von 134 Milliarden Dollar ausgegangen. 2013 waren lediglich 61 Milliarden Dollar aus Russland abgeflossen. Während der Finanzkrise 2008 belief sich die Kapitalflucht auf 133,6 Milliarden Dollar.

Neben den westlichen Sanktionen im Ukraine-Konflikt ist der Staat vor allem wegen des massiv gesunkenen Ölpreises in Zugzwang geraten, da Milliarden-Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft wegbrechen. Viele Finanzinstitute und Unternehmen sind zudem de facto von den internationalen Kreditmärkten abgeschnitten. Nach Einschätzung der Weltbank droht dem Land eine schwere Rezession.

Bonität knapp über Ramsch-Niveau

Als letzte grosse Ratingagentur hat Moody's die Kreditwürdigkeit Russlands herabgestuft. Die Bonität werde nur noch mit Baa3 bewertet – eine Stufe über dem sogenannten «Ramsch»-Niveau, teilte die US-Agentur am Freitagabend mit. Ab diesem Bereich gelten Anleihen als spekulativ, weshalb viele Investoren auf ein Engagement verzichten. Eine weitere Abstufung wurde von der Agentur angedroht. Das Land wird derzeit bei den anderen beiden grossen Ratingagenturen jeweils mit BBB- bewertet.

Zur Begründung hiess es, dass der spürbare Ölpreisverfall und die Verwerfungen am Devisenmarkt die ohnehin unterdurchschnittlichen mittelfristigen Wachstumsperspektiven weiter beschädigten. Auch die Sanktionen des Westens machen Russland zu schaffen. Der Rubel verlor im vergangenen Jahr rund 40 Prozent an Wert zum Dollar.

Griechenland-Ausblick gesenkt

Gut eine Woche vor der Parlamentswahl senkte die US-Agentur Fitch zudem den Ausblick für Griechenland von «stabil» auf «negativ». Damit wird eine Abstufung der Kreditwürdigkeit, die mit B bereits im spekulativen Bereich liegt, wahrscheinlicher.

Die derzeitige Phase politischer Unsicherheit habe die Risiken für die griechische Kreditwürdigkeit verstärkt, hiess es zur Begründung.

SDA/chk

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch