Roboterhotels in der Schweiz?

Roboterdame an der Réception: In Japan eröffnet ein Hotel, das kaum mehr Menschen beschäftigt. Der Betrieb ist viel günstiger als in anderen Hotels. Ein Tourismusexperte sagt, wo das in der Schweiz möglich wäre.

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Herr Deuber, im Juli eröffnet in Japan ein Hotel, das grossenteils von Robotern geführt wird (siehe Box). Wann eröffnet das erste Roboterhotel in der Schweiz?
Dies steht zwar in den Sternen, doch zumindest eine Automatisierung bietet sich in bestimmten Hotelbereichen geradezu an: Etwa an der Réception, sofern der Gast nicht mehr als ein Check-in und Check-out benötigt. Oder beim Verkauf von Zwischenverpflegung oder Toilettenartikeln. Das muss jedoch nicht zwingend mit einem menschenähnlichen Roboter geschehen, wie es in Japan bald der Fall sein wird. Der Trend zu Selfservice oder No Service ist übrigens nicht nur im Tourismus festzustellen, sondern auch in anderen Bereichen; sei es beim Check-in am Flughafen oder bei der Kasse im Supermarkt.

Der Kunde erhält also immer weniger Service. Kann das gut gehen?
Es gibt viele Kunden, die kein Problem mit automatisierten Prozessen haben, ja, die Anonymität sogar begrüssen. Dies spricht vor allem die Klientel an, die im Hotel einfach ein gutes Zimmer wünscht und nicht mehr. Dazu gehören insbesondere Geschäftsleute, bei denen es speditiv gehen muss und die nicht gross Interaktion wünschen. Aber es braucht immer auch Angebote für diejenigen, die den persönlichen Kontakt, Service und Beratung wünschen und die auch bereit sind, dafür zu bezahlen. Dies sind vorwiegend Feriengäste.

Wo in der Schweiz sind Roboterhotels denkbar?
Eher in städtischen Hotels, weil dort die Dynamik höher ist als im Alpenraum und sie finanziell eher in der Lage sind, in Neues zu investieren. Am schnellsten können Hotelketten mit einfachen Unterkünften solche Technologien übernehmen, das war schon mit den bisherigen Automatisierungen so. Diese Hotelkonzepte sind anders als in Häusern wie dem Zürcher Baur au Lac, wo nach wie vor der persönliche Service grossgeschrieben wird.

Die Betriebskosten des Roboterhotels sollen rund ein Drittel tiefer sein als bei herkömmlichen Hotels. Die Lösung für die Schweizer Hotellerie mit ihren hohen Personalkosten?
In der Tat zwingt die Frankenstärke die Hotellerie weiter zu Kosteneffizienz und Produktivitätssteigerung. Doch ich bezweifle, dass die zersplitterte, partikuläre Schweizer Hotellerie in der Lage ist, Automaten oder gar Roboter einzusetzen. Die Investitionen dafür sind oft zu hoch für kleine Hotels in den Bergen, zudem wünscht das Gästesegment in den Bergen eher einen persönlichen Service. Vielmehr glaube ich, dass sie effizienter werden, indem sie mit anderen Hotels zusammenspannen, etwa bei der Materialbeschaffung. Trotzdem kann ein durchrationalisiertes System auch in den Bergen funktionieren. Das Hilton Garden Inn Davos oder das Heidi-Hotel Maienfeld machen es vor. Letzteres ist sowohl auf Feriengäste als auch auf Geschäftsleute eingestellt und bietet nachts ein automatisiertes Check-in.

Müssen Angestellte in Schweizer Hotels darum fürchten, von einem Roboter ersetzt zu werden?
Nein, denn die Tourismusbranche hat schon heute Mühe, genügend geeignete Arbeitskräfte zu finden. Je nachdem, wie nach der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative die Kontingente für Arbeitskräfte aussehen, dürfte die Automatisierung in der Hotellerie zusätzlich Schub erhalten.

Erstellt: 11.03.2015, 13:32 Uhr

Andreas Deuber arbeitet an der HTW Chur als Leiter a. i. des Instituts für Tourismus und Freizeit (ITF) sowie als Leiter Ausbildung. (Bild: zvg)

Japans «seltsames Hotel»

Maschinen statt Menschen: In Japans südlicher Präfektur Nagasaki wird im Juli ein Hotel namens Henna Hoteru (seltsames Hotel) eröffnet, zu dessen Personal diverse humanoide Roboter gehören. Sie werden Gäste empfangen, die Zimmer reinigen und Kaffee servieren. Die Roboter sollen laut den Machern weniger als Attraktion dienen, sondern vielmehr vor allem die Personalkosten niedrig halten. Unter anderem ist geplant, dass an der Réception ein weiblicher Androide in Gestalt einer jungen Japanerin «arbeitet» (siehe Bildstrecke). Der Roboter soll in mehreren Sprachen kommunizieren können. Weil es aber nicht ganz ohne «echte» Menschen geht, werden in der futuristischen Unterkunft auch zehn von ihnen am Werk sein. Das Roboterhotel bietet 72 Zimmer, wobei das günstigste rund 50 Franken pro Nacht kostet. (or/sda)

Wie die «Actroids» funktionieren

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