Zum Hauptinhalt springen

Russen flüchten in Londoner Immobilien

Mit Investitionen an bester Lage versuchen reiche Russen, ihr Vermögen vor Rubelzerfall und Sanktionen zu retten. Neuerdings fragen sie in London nicht nur Luxushäuser nach.

Adressen an bester Lage in London sind gefragt: Diese Residenz mit 45 Schlafzimmern gehörte bis zu seiner Ermordung dem ehemaligen libanesischen Premier Rafik Hariri. Sie stand Ende 2012 für 200 bis 300 Millionen Pfund zum Verkauf. (Archivbild Reuters)
Adressen an bester Lage in London sind gefragt: Diese Residenz mit 45 Schlafzimmern gehörte bis zu seiner Ermordung dem ehemaligen libanesischen Premier Rafik Hariri. Sie stand Ende 2012 für 200 bis 300 Millionen Pfund zum Verkauf. (Archivbild Reuters)

Die Rubelkrise treibt zahlreiche Russen dazu, ihr Geld in Sachwerte zu investieren. Was man hat, das hat man – auch wenn der Rubel noch weiter an Wert verlieren sollte. Während der Durchschnittsbürger sich in die langen Schlangen vor den Geschäften stellt, um noch einen Fernseher oder ein Möbel zu ergattern, versuchen die Wohlhabenden vermehrt, sich eine Luxusimmobilie in London unter den Nagel zu reissen. Das sagen Immobilienhändler gegenüber dem «Telegraph».

«Es gab einen grossen Anstieg von russischen Käufern seit dem Rubelkollaps und der Abkühlung der russischen Wirtschaft aufgrund der internationalen Sanktionen», sagt Becky Fatemi von Rokstone. In diesem Jahr habe sie zweimal mehr russische Kunden als letztes Jahr, darunter mehrere, die bis zu 100 Millionen Pfund für ein Haus in London ausgeben wollten. Beauchamp Estates hat laut eigenen Angaben 10 Prozent mehr Luxusimmobilien verkauft, seit der Rubel vor einem Jahr in einen Abwärtstrend geriet. «Ich habe zurzeit ein halbes Dutzend russische Kunden, die dringend mehr als 20 Millionen Pfund in ein Haus im Zentrum Londons investieren wollen», erklärt Unternehmensgründer Gary Hersham.

Neu ist nicht nur die Dringlichkeit der Käufe. Die Russen scheinen den Londoner Immobilienmarkt auch vermehrt als Anlagemöglichkeit zu entdecken. Zuvor kauften die meisten laut Hersham Häuser für den Eigengebrauch. Seit sich ihre Unternehmen in Moskau langsamer entwickeln, entdecken die Russen vermehrt Immobilieninvestments als Geschäftsmöglichkeit. «Wie die Chinesen fangen sie nun an, Mietshäuser und Geschäftsliegenschaften zu kaufen», sagt Hersham.

Längerfristig sinkende Preise möglich

Längerfristig dürfte das Pendel allerdings zurückschlagen. Denn mit dem Rubelzerfall werden Immobilien in London sehr teuer. «Es ist nicht sinnvoll zu kaufen, wenn die Währung einen Aufpreis von 40 Prozent bedeutet», gibt etwa der Chef des Immobilienhändlers Savills, Jonathan Hewlett, gegenüber dem «Guardian» zu bedenken.

Das könnte letztlich sogar sinkende Preise auf dem Immobilienmarkt bedeuten. «Da der Zufluss an russischen Geldern signifikant zum überhitzten Markt im oberen Preissegment in Zentrallondon beigetragen hat, wird eine fallende Nachfrage auch einen bedeutenden negativen Effekt auf Londoner Viertel wie Kensington, Belgravia und Mayfair haben», ist Russell Quirk vom Immobilienportal eMoov überzeugt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch