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Schweizer Banken werben wieder um US-Kunden

Mindestens 24 Schweizer Bankern blüht dasselbe Schicksal wie Ex-UBS-Manager Raoul Weil. Gleichzeitig aber beginnt das Geschäft mit reichen Amerikanern, wieder zu blühen.

Acht von 24 Angeklagten sind von der Credit Suisse: Hauptsitz in Manhattan. (Archiv)
Acht von 24 Angeklagten sind von der Credit Suisse: Hauptsitz in Manhattan. (Archiv)
Keystone

Obwohl der Ärger des Schweizer Finanzplatzes mit der US-Justiz noch lange nicht ausgestanden ist, umwerben Schweizer Banken und Vermögensverwalter wieder reiche Amerikaner als Kunden. Mittlerweile besitzen 34 Finanzhäuser eine Lizenz der Börsenaufsicht SEC, um amerikanische Privatkunden aus dem Ausland zu betreuen, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Im Jahr 2008, als die US-Justiz begonnen hatte, die UBS unter Druck zu setzen, waren es lediglich 5.

Demnach summierten sich die von den Banken und Vermögensverwaltern verwalteten US-Gelder Ende 2012 auf 14,1 Milliarden Dollar. Das ist deutlich weniger als vor der Krise. Allerdings dürfte es sich dabei nur um eine Momentaufnahme handeln. Mittelfristig sei die Schweiz in der Lage, das Volumen auf mindestens 50 Milliarden Dollar zu erhöhen, heisst es laut «NZZ am Sonntag» in einer Studie der Beratungsfirma Aite Group. Längerfristig sei ein Ziel von 100 Milliarden Dollar realistisch.

Zahlreiche Schweizer Banker angeklagt

Bankenvertreter betonen, dass sich das Geschäft heute fundamental von jenem unterscheide, das den Finanzplatz in Bedrängnis gebracht habe: Die Gelder seien versteuert, Angestellte hielten sich penibel an die amerikanischen Vorschriften.

Doch die Vergangenheit ist für die Branche noch lange nicht bewältigt. Der kürzlich in Italien verhaftete Ex-UBS-Manager Raoul Weil ist nicht der einzige Schweizer, der von der US-Justiz verfolgt wird: Derzeit stehen mindestens 24 Exponenten des hiesigen Finanzplatzes im Visier der US-Behörden. Dies berichtet die Zeitung «Schweiz am Sonntag». Zwölf von ihnen seien zur Verhaftung ausgeschrieben. Zwei weitere würden – wie bis vor einer Woche Raoul Weil – als «flüchtig» gelten. Das ergibt eine Auswertung der Anklageschriften durch die «Schweiz am Sonntag». Gejagt werden die Banker, Vermögensverwalter und Anwälte von den in Florida, New York und Virginia domizilierten Bundesstaatsanwälten.

Es könnten noch mehr sein

Gut möglich, dass die US-Justiz noch mehr Schweizer im Visier hat. Denn amerikanische Ermittlungsbehörden dürfen Anklageschriften ziemlich lange unter Verschluss halten. Selbst die Angeklagten kennen dann den Inhalt nicht. Von den 24 Angeklagten arbeitet oder arbeitete ein Drittel für die Grossbank Credit Suisse, die selbst im Visier der US-Justizbehörden steht. Gegen alle acht CS-Banker liegt ein Haftbefehl vor. Die ersten vier wurden im Februar 2011 zur Verhaftung ausgeschrieben, die zweiten vier im Juli 2011.

Haftbefehle liegen auch vor gegen drei Mitarbeiter der früheren Bank Wegelin sowie gegen einen unabhängigen Zürcher Anwalt. Auf der Flucht sind auch ein Privatebanker sowie ein Anwalt, die beide für die in der Zwischenzeit liquidierte Neue Zürcher Bank tätig waren. Den 14 Flüchtigen droht, sollten sie die Schweiz verlassen, das gleiche Schicksal wie Raoul Weil. Die 10 weiteren angeklagten Banker sind dank fehlendem Haftbefehl etwas freier, dürften aber bei einer Einreise in die USA ebenso geschnappt werden.

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