Schweizer haben weniger im Portemonnaie als vor einem Jahr

Zwar sind die Löhne 2018 gegenüber 2017 im Schnitt etwas gestiegen. Doch die Teuerung schreitet voran.

Verliert durch die Inflation an Wert: Ein Kunde bezahlt mit Schweizer Franken. (Symbolbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

Verliert durch die Inflation an Wert: Ein Kunde bezahlt mit Schweizer Franken. (Symbolbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Schweizer Angestellte hatten im Jahr 2018 unter dem Strich weniger im Portemonnaie als noch 2017. Zwar stiegen die Löhne auf dem Papier im Schnitt um 0,5 Prozent. Doch für dieses Geld konnte man sich aufgrund der Teuerung weniger kaufen.

Die Anpassung der Löhne an die Teuerung bei den Lohnverhandlungen spielt eine wichtige Rolle, doch verschätzten sich letztes Jahr die Ökonomen. Während der Lohnrunde Ende 2017 wurde die Inflation noch auf 0,2 Prozent geschätzt, doch belief sie sich schliesslich auf 0,9 Prozent, sodass die um die Preiserhöhungen korrigierten Reallöhne um 0,4 Prozent sanken. Das zeigen die neuen Zahlen des Bundesamts für Statistik, die am Dienstag veröffentlicht wurden.

Für gleich viel Geld konnte man sich 2018 weniger kaufen als noch ein Jahr davor. (Symbolbild) Bild: SNB/Keystone

Die Reallöhne seien bereits das zweite Jahre in Folge zurückgegangen, schrieb das BFS. 2017 war die Kaufkraft der Löhne um 0,1 Prozent gesunken. Davor allerdings hatten die Arbeitnehmenden in der Schweiz profitiert: Über die letzten fünf Jahre hinweg betrachtet sind die Löhne laut BFS durchschnittlich um 0,6 Prozent gestiegen.

Grosse Unterschiede nach Branchen

Im letzten Jahr mussten vor allem in der Industrie tätigen Personen ihren Gürtel enger schnallen. Denn im Industriesektor erhöhten sich die Nominallöhne mit 0,3 Prozent noch schwächer als in der Gesamtwirtschaft. Innerhalb des Sektors habe es allerdings grosse Unterschiede gegeben, hielt das BFS fest. So hatten Mitarbeitende in der Chemie- und Pharmabranche auf dem Papier 1,7 Prozent mehr Geld im Sack, während in der Holz-, Papier- und Druckindustrie die Nominallöhne um 0,4 Prozent zurückgingen.

Im Dienstleistungssektor zogen die Löhne um 0,5 Prozent an. In den Finanzdienstleistungen gab es Lohnerhöhungen von 1,5 Prozent, im Medien- und Telekommunikationsbereich sowie in der Informationstechnologie und -dienstleistungen je 1,4 Prozent. Auf der anderen Seite mussten die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie die Post-, Kurier- und Expressdienste Lohneinbussen von je 0,1 Prozent verkraften.

Bei den wichtigsten Gesamtarbeitsverträgen (GAV), denen fast eine halbe Million Arbeitnehmende angeschlossen sind, wurde für 2018 kollektivvertraglich eine Nominallohnerhöhung von 0,3 Prozent vereinbart.

(oli/sda)

Erstellt: 30.04.2019, 09:42 Uhr

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Die Schweizer Konjunktur dürfte sich in den kommenden Monaten harzig entwickeln. Darauf deutet das KOF-Konjunkturbarometer hin. Der von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich berechnete Frühindikator erlitt im April einen Dämpfer.

Das Barometer sank um 0,9 Prozent auf 96,2 Punkte, wie die KOF am Dienstag mitteilte. Die von der Nachrichtenagentur AWP befragten Ökonomen hatten einen Wert zwischen 96,0 und 98,0 Punkten erwartet. Der März-Wert wurde derweil um 0,3 Punkte nach unten revidiert.

Der Lichtblick vom März ist bereits etwas am Verblassen: Damals hatte sich das Barometer nach fünf Rückgängen in Folge erstmals wieder erholt. Immerhin büsste es im April laut KOF nur einen kleinen Teil dieses Anstiegs wieder ein. Der Wert sei aber nach wie vor klar unterdurchschnittlich, schrieben die KOF-Ökonomen.

Nach Branchen trübten sich im April vor allem die Aussichten für den Bau sowie die Metall-, die Elektro-, die Textil- und Bekleidungsindustrie ein. Der Bereich Chemie, Pharma und Kunststoffe sei stabil, während sich bei den Nahrungs- und Genussmitteln sowie Papier und Druck eine positive Tendenz zeige.

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