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Schweizer Wirtschaft wächst überraschend um 0,2 Prozent

Entgegen den Erwartungen rutscht die Schweizer Wirtschaft doch nicht in die Rezession. Die Exporte sorgen für eine positive Entwicklung des BIP.

Der Industriesektor generierte trotz Frankenstärke Wertschöpfung: Produktionshalle von Man Diesel & Turbo in Zürich. (Archivbild / 15.6.2015)
Der Industriesektor generierte trotz Frankenstärke Wertschöpfung: Produktionshalle von Man Diesel & Turbo in Zürich. (Archivbild / 15.6.2015)
Gaetan Bally, Keystone

Die Schweizer Wirtschaft hat sich trotz der Turbulenzen an den Börsen und der Frankenstärke etwas erholt. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg im zweiten Quartal um 0,2 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mitteilte.

Im ersten Quartal war das BIP noch um 0,2 Prozent geschrumpft. Analysten hatten erwartet, dass das BIP auch im zweiten Quartal zurückgeht. Nach zwei rückläufigen Quartalen hätte sich die Schweiz nach Leseart der meisten Ökonomen in einer Rezession befunden.

Dies ist nun nicht eingetreten. Der Aussenhandel mit Waren habe einen positiven Beitrag zur BIP-Entwicklung geliefert, heisst es in der Mitteilung des Seco vom Freitag. Mehr exportiert haben unter anderem die Uhren- und Bijouteriebranche sowie die Chemie- und Pharmaindustrie.

Auch der Konsum der Privathaushalte habe die Wirtschaft im zweiten Quartal gestützt. So sei etwa für Nahrungsmittel, Getränke, für die Gesundheit oder für Bekleidung mehr ausgegeben worden. Gespart wurde dagegen im Bereich Wohnen sowie bei Restaurant- und Hotelbesuchen.

Industrie holt wieder auf

Auch die verarbeitende Industrie generierte nach einem Rückgang im ersten Quartal wieder etwas mehr Wertschöpfung. Rückläufig war hingegen die Wertschöpfung im Gross- und Detailhandel, im Gastgewerbe sowie im Finanzsektor. «Die Industrie ist die grosse Überraschung», sagte Jan-Egbert Sturm, Leiter der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Die KOF und andere Ökonomen hatten erwartet, dass gerade die Industrie erheblich unter dem Währungsschock leiden würde. Denn die Industrie exportiert einen Grossteil ihrer Produkte und mit dem starken Franken wurden diese im Ausland deutlich teurer.

Doch das Gegenteil ist passiert: Das durch die Industrie und die Landwirtschaft generierte Bruttoinlandprodukt legte im zweiten Quartal um 0,9 Prozent zu. «Die Industrie konnte mehr Waren ins Ausland verfrachten», sagte Sturm. Sie habe es geschafft, vom leichten wirtschaftlichen Aufschwung in Europa und Amerika zu profitieren. Allerdings habe sie dabei tiefere Preise in Kauf genommen. Das gehe auf die Marge. Ob sich die Industrie den Exporterfolg dauerhaft zu den tieferen Preisen erkaufen könne, bleibe abzuwarten.

Es resultiert ein Nullwachstum

Durch das Plus im zweiten Quartal entging die Schweiz technisch gesehen zwar einer Rezession. Von einer solchen ist dann die Rede, wenn das BIP in zwei Quartalen in Folge sinkt. Dies ändere aber nichts daran, dass die Wirtschaft von der Aufwertung des Schweizer Frankens erheblich getroffen wurde, sagte Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco. «Die Schweizer Wirtschaft machte eine Vollbremsung.»

Mit dem Minus von 0,2 Prozent im ersten und dem gleich hohen Plus im zweiten Quartal ergebe sich ein Nullwachstum. «Im ersten Semester hat die Schweizer Wirtschaft stagniert», sagte Scheidegger.

SDA/ij

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