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SNB belässt Leitzins bei null

Die Schweizerische Nationalbank verändert den Leitzins nicht. Eine Erhöhung wäre im Kampf um die Franken-Untergrenze kontraproduktiv. Prognosen für die Teuerung hat die SNB nach unten korrigiert.

Will den Mindestkurs für den Franken weiter verteidigen: Sitz der Schweizerischen Nationalbank in Zürich. (Archivbild)
Will den Mindestkurs für den Franken weiter verteidigen: Sitz der Schweizerischen Nationalbank in Zürich. (Archivbild)
Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) lässt im Kampf gegen Frankenstärke und Rezessionsgefahren ihre Geldschleusen so weit wie möglich offen. Der Leitzins soll bis auf weiteres möglichst nahe Null bleiben. Inflationsrisiken sehen die Währungshüter keine.

Die SNB erwartet, dass die Teuerung im laufenden Jahr nur 0,4 Prozent beträgt und im nächsten Jahr gar auf -0,3 Prozent sinkt. 2013 dürfte der Preisauftrieb wieder auf 0,5 Prozent steigen, wie die SNB am Donnerstag prognostizierte.

Preisstabilität ist oberster Auftrag

Die Raten bleiben damit klar unter der Warnschwelle von 2 Prozent und liegen deutlich unter der letzten Prognose vom Juni. Gründe dafür seien die Aufwertung des Frankens und die verschlechterten Aussichten für die Weltwirtschaft. Auf absehbare Zeit gibt es in der Schweiz laut SNB keine Inflationsrisiken.

Vielmehr sei die Preisstabilität, deren Wahrung der oberste Auftrag der von Philipp Hildebrand geführten SNB ist, nach unten gefährdet, falls sich der Franken nicht weiter abschwächen sollte. Die SNB spielt damit etwa auf häufiger gewordene Preissenkungen infolge der Wechselkursvorteile im Import an.

Am Rande einer Rezession

Eine Prognose für das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr gab die Nationalbank nicht ab. Die Lage ist offenbar zu unklar: Die SNB rechnet angesichts von Frankenstärke, Schuldenkrise, Finanzmarktturbulenzen und internationaler Konjunktureintrübung damit, dass das Wachstum im laufenden Halbjahr zum Stillstand kommt.

Sie kürzte daher ihre Prognose für die Zunahme des Schweizer Bruttoinlandproduktes (BIP) im laufenden Jahr von «rund 2» auf 1,5 bis 2 Prozent.

Das Ziel für den Leitzins beliess die SNB erwartungsgemäss bei Null, denn eine Erhöhung würde den Franken tendenziell stärken und das Wirtschaftswachstum wegen der teureren Kreditvergabe bremsen. Anfang August hatte die SNB - ausserhalb der quartalsweisen geldpolitischen Lagebeurteilung - das Ziel für den massgeblichen Dreimonats-Libor von 0,25 Prozent auf möglichst nahe Null gesenkt.

Mit allen Mitteln für Euro-Mindestkurs

Am 6. September legte sie nach dem zwischenzeitlich fast erreichten Gleichstand von Euro und Franken nach und legte in einem historischen Schritt einen Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro fest. Sie reagierte damit auf die «massive Überbewertung des Frankens», welche die Schweizer Wirtschaft akut bedroht und Deflationsrisiken gebracht habe.

Der Euro-Kurs stieg daraufhin um fast 10 Rappen an und notiert seither ungebrochen über dem Mindestkurs. Um diesen zu verteidigen, ist die SNB bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen. Ohne Mindestkurs bestünde laut SNB «erhebliche Rezessionsgefahr».

«Mit aller Konsequenz» durchsetzen

Sie werde den Mindestkurs «mit aller Konsequenz» durchsetzen, bekräftigte die SNB am Donnerstag. In welchem Umfang angesichts der anhaltenden Schuldenkrise im Euroraum Devisenkäufe bislang nötig waren, teilte die Nationalbank nicht mit.

Der Franken sei auch bei 1,20 Franken hoch bewertet und sollte sich weiter abschwächen, hiess es. Nach der Zinsentscheidung notierte der Euro leicht höher bei 1,207 Franken.

Die Sichtguthaben der Banken bei der SNB sollen bei deutlich über 200 Milliarden Franken belassen werden. Falls die Konjunktur und deflationäre Risiken es erfordern, will die SNB weitere Massnahmen ergreifen. Welche das sein könnten, liess sie offen.

SDA/kpn

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