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So kann Brasilien von der WM profitieren

Egal, wo eine Fussball-Weltmeisterschaft stattfindet: Finanziell gewinnt am Ende vor allem die Fifa. Ein Schwellenland wie Brasilien kann jedoch auf andere positive Effekte hoffen.

Trotz Kritik kann die Fussball-WM für Brasilien durchaus positiv für den Standort Brasilien sein und auch zu mehr Zusammenhalt in der Bevölkerung beitragen: Ein Strassenkünstler in der Nähe des Itaquerao Stadions in Sao Paulo, wo WM-Spiele stattfinden werden. (13. Mai 2014)
Trotz Kritik kann die Fussball-WM für Brasilien durchaus positiv für den Standort Brasilien sein und auch zu mehr Zusammenhalt in der Bevölkerung beitragen: Ein Strassenkünstler in der Nähe des Itaquerao Stadions in Sao Paulo, wo WM-Spiele stattfinden werden. (13. Mai 2014)
Andre Penner, Keystone
Sehr viele Brasilianer sind der Meinung, dass der Staat zu viel Geld für die WM eingesetzt hat und zu wenig für die Bedürfnisse der Menschen ausgibt. So würden zum Beispiel Infrastrukturen und Bildungswesen vernachlässigt. Bild: Demonstrant vor dem Nationalstadion in Brasilia anlässlich des Konföderationen-Cups im Juni 2013.
Sehr viele Brasilianer sind der Meinung, dass der Staat zu viel Geld für die WM eingesetzt hat und zu wenig für die Bedürfnisse der Menschen ausgibt. So würden zum Beispiel Infrastrukturen und Bildungswesen vernachlässigt. Bild: Demonstrant vor dem Nationalstadion in Brasilia anlässlich des Konföderationen-Cups im Juni 2013.
Keystone
Die Begeisterung ist längst der Skepsis gewichen: Gemäss einer aktuellen Umfrage befürworten nur noch 48 Prozent der Brasilianer die WM im eigenen Land, vor sieben Jahren lag die Zustimmung bei 80 Prozent. Bild: Brasilien-Fans vor dem Spiel Brasiliens gegen Italien in Salvador da Bahia anlässlich des Konföderationen-Cups im vergangenen Juni.
Die Begeisterung ist längst der Skepsis gewichen: Gemäss einer aktuellen Umfrage befürworten nur noch 48 Prozent der Brasilianer die WM im eigenen Land, vor sieben Jahren lag die Zustimmung bei 80 Prozent. Bild: Brasilien-Fans vor dem Spiel Brasiliens gegen Italien in Salvador da Bahia anlässlich des Konföderationen-Cups im vergangenen Juni.
Keystone
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Brasilien kann einer Studie zufolge nicht mit einem grösseren wirtschaftlichen Aufschwung durch die bevorstehende Fussball-Weltmeisterschaft rechnen. Die WM bringe dem Gastgeberland bestenfalls eine gute Stimmung, urteilen die Autoren einer am Dienstag in Frankfurt veröffentlichten Analyse der Berenberg-Bank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Der gesamtwirtschaftliche Effekt bleibe bei derartigen Grossereignissen dagegen vernachlässigbar gering.

Die direkten Gewinne schöpfe der als Monopolist auftretende Weltfussballverband Fifa nahezu komplett ab, so dass Gastgeber Brasilien auf sogenannte weiche Faktoren hoffen müsse. Diese seien aber gerade für Schwellenländer von grosser Bedeutung, sagte HWWI-Volkswirt Henning Vöpel: «Eine reibungslos organisierte WM kann ein wichtiges Signal an potenzielle Investoren sein. Intern kann die WM zumindest kurzfristig zu mehr Zusammenhalt und Stolz in der Bevölkerung beitragen.»

Hoffnung ist gross

Das fussballbegeisterte Brasilien, dem eine hohe Inflation, soziale Ungleichheit und Korruption zu schaffen macht, verbindet grosse Hoffnungen mit dem Ereignis, das am 12. Juni angepfiffen wird. Das Land schätzt die Tourismuseinnahmen im Zuge der WM auf 5,5 Milliarden Dollar – zum Vergleich: der Karneval in Rio spült jährlich 3,2 Milliarden Dollar in die Tourismuskasse.

«Die im Vorfeld eines Grossereignisses erstellten Kosten-Nutzen-Analysen überzeichnen regelmässig die positiven Effekte», erläuterte Vöpel. Dagegen stünden geschätzte zehn Milliarden Dollar an Investition für die Fussball-WM, die auch in der brasilianischen Bevölkerung massiv kritisiert werden. Es werden stattdessen mehr Ausgaben für Bildung und Gesundheit gefordert.

Aber auch die Kosten für die WM seien wirtschaftlich nur von geringer Bedeutung, so Berenberg-Volkswirt Quitzau: Die 10 Milliarden Dollar entsprächen etwa einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts – die öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit machten rund 15 Prozent aus.

Werbung für Standort

Eine gut organisierte WM und ein entsprechender Erfolg der eigenen Mannschaft könne sicher Werbung für den Standort Brasilien sein und auch zu mehr Zusammenhalt und Stolz in der Bevölkerung beitragen – ähnlich habe Südafrika von der Fussball-WM profitiert. «Die Ausrichtung eines Grossevents ersetzt aber keine gute Wirtschaftspolitik», sagte Quitzau. Brasiliens Chancen auf den Titelgewinn seien jedenfalls grösser als eine schnelle Lösung seiner wirtschaftlichen Probleme.

SDA/rub

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