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So kann Brasilien von der WM profitieren

Egal, wo eine Fussball-Weltmeisterschaft stattfindet: Finanziell gewinnt am Ende vor allem die Fifa. Ein Schwellenland wie Brasilien kann jedoch auf andere positive Effekte hoffen.

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Trotz Kritik kann die Fussball-WM für Brasilien durchaus positiv für den Standort Brasilien sein und auch zu mehr Zusammenhalt in der Bevölkerung beitragen: Ein Strassenkünstler in der Nähe des Itaquerao Stadions in Sao Paulo, wo WM-Spiele stattfinden werden. (13. Mai 2014)
Trotz Kritik kann die Fussball-WM für Brasilien durchaus positiv für den Standort Brasilien sein und auch zu mehr Zusammenhalt in der Bevölkerung beitragen: Ein Strassenkünstler in der Nähe des Itaquerao Stadions in Sao Paulo, wo WM-Spiele stattfinden werden. (13. Mai 2014)
Andre Penner, Keystone
«Wir sorgen uns um die triste Gegenwart und um die ungewisse Zukunft, und wir verlangen von der Regierung endlich Lösungen», sagt Danilo Cajazeira (mitte). Er ist zwar fussballbegeistert, als sozial engagierter Volksschullehrer betätigt er sich allerdings auch als Anti-WM-Aktivist.
«Wir sorgen uns um die triste Gegenwart und um die ungewisse Zukunft, und wir verlangen von der Regierung endlich Lösungen», sagt Danilo Cajazeira (mitte). Er ist zwar fussballbegeistert, als sozial engagierter Volksschullehrer betätigt er sich allerdings auch als Anti-WM-Aktivist.
Comitê popular da Copa
Die von Danilo Cajazeira mitgegründete Anti-WM-Organisation «Comitê popular da Copa» ist in allen brasilianischen Städten aktiv, wo ab Mitte Juni die Spiele der Fussball-WM stattfinden.
Die von Danilo Cajazeira mitgegründete Anti-WM-Organisation «Comitê popular da Copa» ist in allen brasilianischen Städten aktiv, wo ab Mitte Juni die Spiele der Fussball-WM stattfinden.
Comitê popular da Copa
Im letzten Juni gab es in ganz Brasilien Demonstrationen mit Ausschreitungen. Ausgelöst durch die Verteuerung der Billette für die öffentlichen Verkehrsmittel, weiteten sich die Demos rasch zu Protesten gegen die Regierung und die Fifa aus.
Im letzten Juni gab es in ganz Brasilien Demonstrationen mit Ausschreitungen. Ausgelöst durch die Verteuerung der Billette für die öffentlichen Verkehrsmittel, weiteten sich die Demos rasch zu Protesten gegen die Regierung und die Fifa aus.
Keystone
Im Hinblick auf die anstehende Fussball-Grossveranstaltung werden in Brasilien die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft. Spezialkräfte proben derzeit den Ernstfall (Bild). Zudem patrouillieren Soldaten und Polizisten jetzt schon in Stadtvierteln, wo gewalttätige Proteste ausbrechen könnten.
Im Hinblick auf die anstehende Fussball-Grossveranstaltung werden in Brasilien die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft. Spezialkräfte proben derzeit den Ernstfall (Bild). Zudem patrouillieren Soldaten und Polizisten jetzt schon in Stadtvierteln, wo gewalttätige Proteste ausbrechen könnten.
Keystone
Die Arena Amazônia in Manaus symbolisiert die Masslosigkeit der WM-Veranstalter in Brasilien. Das 270 Millionen Franken teure Stadion will «die einzigartige Flora und Fauna des Regenwaldes in der filigranen Dachkonstruktion» widerspiegeln. Wozu die Arena nach der WM dient, ist unklar.
Die Arena Amazônia in Manaus symbolisiert die Masslosigkeit der WM-Veranstalter in Brasilien. Das 270 Millionen Franken teure Stadion will «die einzigartige Flora und Fauna des Regenwaldes in der filigranen Dachkonstruktion» widerspiegeln. Wozu die Arena nach der WM dient, ist unklar.
Keystone
Obwohl die Fifa lediglich acht Stadien verlangte, entschieden sich die brasilianischen Gastgeber für zwölf Spielstätten. In diese investierten sie rund 3,2 Milliarden Franken, also mehr als die letzten beiden Gastgeber Südafrika und Deutschland zusammen. Bild: Das Stadion Mineirao in Belo Horizonte.
Obwohl die Fifa lediglich acht Stadien verlangte, entschieden sich die brasilianischen Gastgeber für zwölf Spielstätten. In diese investierten sie rund 3,2 Milliarden Franken, also mehr als die letzten beiden Gastgeber Südafrika und Deutschland zusammen. Bild: Das Stadion Mineirao in Belo Horizonte.
Keystone
Im Stadion Itaquerao in São Paulo findet am 12. Juni 2014 das Eröffnungspiel der Fussball-WM statt: Gastgeber Brasilien trifft auf Kroatien. Rund zwei Monate vor Beginn der WM sind die Bauarbeiten am Stadion immer noch nicht beendet.
Im Stadion Itaquerao in São Paulo findet am 12. Juni 2014 das Eröffnungspiel der Fussball-WM statt: Gastgeber Brasilien trifft auf Kroatien. Rund zwei Monate vor Beginn der WM sind die Bauarbeiten am Stadion immer noch nicht beendet.
Keystone
Das Endspiel der Fussball-WM 2014 geht am 13. Juli im legendären, umgebauten Maracana-Stadion in Rio de Janeiro über die Bühne. Insgesamt werden die Kosten für die WM auf rund zwölf Milliarden Franken geschätzt.
Das Endspiel der Fussball-WM 2014 geht am 13. Juli im legendären, umgebauten Maracana-Stadion in Rio de Janeiro über die Bühne. Insgesamt werden die Kosten für die WM auf rund zwölf Milliarden Franken geschätzt.
Keystone
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Brasilien kann einer Studie zufolge nicht mit einem grösseren wirtschaftlichen Aufschwung durch die bevorstehende Fussball-Weltmeisterschaft rechnen. Die WM bringe dem Gastgeberland bestenfalls eine gute Stimmung, urteilen die Autoren einer am Dienstag in Frankfurt veröffentlichten Analyse der Berenberg-Bank und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). Der gesamtwirtschaftliche Effekt bleibe bei derartigen Grossereignissen dagegen vernachlässigbar gering.

Die direkten Gewinne schöpfe der als Monopolist auftretende Weltfussballverband Fifa nahezu komplett ab, so dass Gastgeber Brasilien auf sogenannte weiche Faktoren hoffen müsse. Diese seien aber gerade für Schwellenländer von grosser Bedeutung, sagte HWWI-Volkswirt Henning Vöpel: «Eine reibungslos organisierte WM kann ein wichtiges Signal an potenzielle Investoren sein. Intern kann die WM zumindest kurzfristig zu mehr Zusammenhalt und Stolz in der Bevölkerung beitragen.»

Hoffnung ist gross

Das fussballbegeisterte Brasilien, dem eine hohe Inflation, soziale Ungleichheit und Korruption zu schaffen macht, verbindet grosse Hoffnungen mit dem Ereignis, das am 12. Juni angepfiffen wird. Das Land schätzt die Tourismuseinnahmen im Zuge der WM auf 5,5 Milliarden Dollar – zum Vergleich: der Karneval in Rio spült jährlich 3,2 Milliarden Dollar in die Tourismuskasse.

«Die im Vorfeld eines Grossereignisses erstellten Kosten-Nutzen-Analysen überzeichnen regelmässig die positiven Effekte», erläuterte Vöpel. Dagegen stünden geschätzte zehn Milliarden Dollar an Investition für die Fussball-WM, die auch in der brasilianischen Bevölkerung massiv kritisiert werden. Es werden stattdessen mehr Ausgaben für Bildung und Gesundheit gefordert.

Aber auch die Kosten für die WM seien wirtschaftlich nur von geringer Bedeutung, so Berenberg-Volkswirt Quitzau: Die 10 Milliarden Dollar entsprächen etwa einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts – die öffentlichen Ausgaben für Bildung und Gesundheit machten rund 15 Prozent aus.

Werbung für Standort

Eine gut organisierte WM und ein entsprechender Erfolg der eigenen Mannschaft könne sicher Werbung für den Standort Brasilien sein und auch zu mehr Zusammenhalt und Stolz in der Bevölkerung beitragen – ähnlich habe Südafrika von der Fussball-WM profitiert. «Die Ausrichtung eines Grossevents ersetzt aber keine gute Wirtschaftspolitik», sagte Quitzau. Brasiliens Chancen auf den Titelgewinn seien jedenfalls grösser als eine schnelle Lösung seiner wirtschaftlichen Probleme.

(SDA)

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