Zum Hauptinhalt springen

S&P droht den USA mit einer weiteren Herabstufung

Die Ratingagentur Standard & Poor's weist Kritik an ihrem Entscheid zurück – und schliesst nicht aus, noch weiter zu gehen. Rund um den Globus hat derweil eine finanzpolitische Feuerwehrübung begonnen.

Die dunkelste Stunde der USA seit langem: Das Weisse Haus in Washington an dem Abend, als der Ratingentscheid bekannt wurde.
Die dunkelste Stunde der USA seit langem: Das Weisse Haus in Washington an dem Abend, als der Ratingentscheid bekannt wurde.
AFP

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) schliesst eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA nicht aus. Sollten sich die Bedingungen in den kommenden sechs bis 24 Monaten verschlechtern, bestehe eine Wahrscheinlichkeit von 1:3, dass sein Unternehmen die USA um eine weitere Stufe abwerte, sagte der geschäftsführende Direktor von S&P, John Cambers, heute in der Sendung «This Week» des US-Fernsehsenders ABC. Sollte sich die wirtschaftliche Situation in den USA verschlechtern oder sich die politische Pattsituation weiter verfestigen, sei eine erneute Herabstufung möglich, sagte Chambers.

Die Sorge vor einem weltweiten wirtschaftlichen Einbruch hat die Spitzen der führenden Wirtschaftsnationen derweil zu einer regen Krisendiplomatie veranlasst. Mit Bangen blickten Politiker und Ökonomen auf die Reaktion der Märkte auf die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's und die Verschärfung der europäischen Schuldenkrise. Ergebnisse der Besprechungen drangen zunächst nicht nach draussen.

Die Drähte laufen heiss

Vertreter der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) berieten heute in einer Telefonkonferenz über die Marktturbulenzen, wie die südkoreanische Zentralbank mitteilte. Ziel sei ein gemeinsames Vorgehen zur Stabilisierung der Märkte. Danach sollten die Finanzminister der G-7 in einer Telefonkonferenz über die Krise beraten, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Dies solle noch vor der Eröffnung der japanischen Börse in Tokio geschehen.

Mit den Beratungen wollten sich die Regierungen auf die Reaktion der asiatischen Börsen vorbereiten, die morgen früh als erste die neue Handelswoche einläuten. Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Schuldenprobleme in den USA und Europa sowie schwache US-Konjunkturdaten die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt. Einige Marktbeobachter befürchten gar eine Krise wie im Herbst 2008, als das weltweite Finanzsystem wegen des Platzens einer Blase auf dem US-Immobilienmarkt am Rande des Zusammenbruchs stand.

Scharfe Kritik aus Peking

S&P hatte den USA am Freitagabend nach Handelsschluss an der Wall Street erstmals die Bestnote entzogen und die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit von «AAA» auf «AA » gesenkt. Zur Begründung hiess es, die am Dienstag vom Kongress beschlossenen Schritte zum Abbau des Staatsdefizits gingen nicht weit genug, um den Haushalt nachhaltig zu stabilisieren. Mit der Herabstufung wurde zugleich der Ausblick für die US-Bonität auf «negativ» gesenkt.

China kritisierte Washington nach der Entscheidung von S&P scharf und forderte umfangreiche Sparmassnahmen. Peking hält 1,2 Billionen Dollar an US-Staatspapieren, mehr als jedes andere Land. Die amerikanische «Schuldenabhängigkeit» gefährde die Weltwirtschaft, hiess es in einem von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichten Kommentar.

S&P wehrt sich gegen Kritik der US-Regierung

Dass die Herabstufung die Regierung von US-Präsident Barack Obama verärgerte, war mehr als deutlich. Aus Regierungskreisen in Washington hiess es, die Analyse der Ratingagentur weise «fundamentale Fehler» auf. Das US-Finanzministerium teilte mit, ein Urteil, das mit einem Fehler von zwei Billionen Dollar behaftet sei, «spricht für sich selbst». Leitende S&P-Mitarbeiter verteidigten die Bonitätsabstufung dagegen und erklärten, die Ratingagentur sei zu dem durchdachten Schluss gekommen, dass die USA Schwierigkeiten haben würden, ihr ausuferndes Defizit in den Griff zu bekommen.

Obama räumte ein, dass Washington mehr zur Reduzierung seiner Schulden unternehmen müsse. Sein Sprecher Jay Carney nahm zwar nicht direkt auf die Entscheidung der Ratingagentur Bezug. Die Diskussionen bis zur Einigung auf einen Schuldenkompromiss hätten aber «zu lang» gedauert und seien «manchmal zu kontrovers» gewesen.

Greenspan erwartet Absturz der Leitkurse

Der ehemalige Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Alan Greenspan, rechnet mit einem weiteren Absturz der Börsenkurse. Er erwarte morgen eine negative Reaktion am ersten Handelstag nach der Herabstufung und es werde einige Zeit dauern, bis sich die Aktienkurse auf niedrigerem Niveau wieder stabilisierten, sagte Alan Greenspan am Sonntag in der NBC-Sendung «Meet the Press». Es gebe jedoch weiterhin keine Ausfallrisiken für Anleger in den USA und die Herabstufung werde das Investitionsklima nicht ändern, sagte Greenspan.

Erste Börsen bereits eingebrochen

Als erste erreichten die Turbulenzen heute die Börsen im Nahen Osten. In Dubai brach der Leitindex kurzzeitig um mehr als fünf Prozent ein, und auch andere Börsen in der Golfregion öffneten mit Verlusten. In Israel wurde der Handelsstart verschoben, nachdem der Leitindex TA-25 zuvor um mehr als sechs Prozent gefallen war. Der japanische Vize-Finanzminister Fumihiko Igarashi deutete an, dass Tokio erneut auf dem Devisenmarkt intervenieren könne, falls die Turbulenzen weiter anhalten.

dapd/ami

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch