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Spanien rutscht noch tiefer in die Rezession

Die spanische Wirtschaft ist zum dritten Mal in Folge geschrumpft. Die Regierung rüttelt wegen der Misere an einem Tabu: Die Siesta soll abgeschafft werden. Die Idee: Touristen sollen mehr Geld ausgeben.

Die Stimmung im Land ist angespannt: Demonstration der Taxifahrer in Madrid. (27. Juli 2012)
Die Stimmung im Land ist angespannt: Demonstration der Taxifahrer in Madrid. (27. Juli 2012)
Keystone

Spaniens Wirtschaft kommt nicht in Schwung. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft des Landes um 0,4 Prozent, wie das nationale Statistikinstitut mitteilt. Es war der dritte Rückgang in Folge, in den beiden vorherigen Quartalen betrug der Abschwung jeweils 0,3 Prozent. Damit steckt Spanien weiterhin in einer Rezession. Für das laufende Jahr rechnet die Regierung mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 1,5 Prozent. Allerdings sanken die Aufschläge auf Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren am Montag um 0,15 Prozentpunkte auf 6,59 Prozent.

Den Rückgang im zweiten Quartal führte das Institut auf eine schwache Inlandsnachfrage zurück, leicht abgemildert durch eine Zunahme der Exporte. Die Arbeitslosenquote in Spanien liegt bei fast 25 Prozent. Die Regierung in Madrid rechnet damit, dass die Rezession im kommenden Jahr anhält und die Wirtschaft um weitere 0,5 Prozent schrumpft, wie die Zeitung «El País» berichtet.

«Zusätzliche Massnahmen» ergreifen

Erst am Freitag hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) erklärt, Spanien könne seine aktuellen Finanzprobleme in Zusammenarbeit mit der Eurozone lösen. Der IWF begrüsste bereits beschlossene Reformprogramme der spanischen Regierung. Der Staat solle aber «zusätzliche Massnahmen» ergreifen, um die Einnahmen und die Haushaltsdisziplin in den Regionen zu steigern, hiess es in einem Bericht.

Der IWF räumte allerdings ein, dass sich die Sparprogramme auch negativ auf die Konjunktur in Spanien auswirkten. Der Leiter der IWF-Mission in Spanien, James Daniel, regte deshalb zuletzt an, auf Sparmassnahmen mit einem möglichst geringen Effekt auf das Wirtschaftswachstum zurückzugreifen. Eine Möglichkeit sei die Erhöhung der Umsatzsteuern, sagte Daniel in einem Interview auf der Internetseite des IWF. Ein solcher Schritt wirke sich weniger negativ auf die Konjunktur aus als beispielsweise Ausgabenkürzungen.

Ladenöffnungszeiten verlängert

Wie gestern bekannt wurde will die spanische Regierung – vor allem für Touristen – das Einkaufen leichter machen. Sie hat beschlossen, die Ladenöffnungszeiten zu verlängern und die Zahl der Sonntage, an denen die Geschäfte geöffnet haben dürfen, zu erhöhen. Dabei bricht sie mit einem Tabu: der Siesta. Künftig sollen kleine Geschäfte auch zwischen 14.00 und 16.00 Uhr ihre Tore öffnen dürfen.

Konkret dürfen die spanischen Einzelhandelsgeschäfte 90 statt der bisherigen 72 Stunden in der Woche offen haben. Kleineren Geschäften mit weniger als 300 Quadratmetern Verkaufsfläche ist es sogar erlaubt, täglich zu jeder Zeit zu öffnen. Zudem können Kunden künftig an 16 statt zwölf Sonntagen einkaufen gehen.

Noch mehr Freiheit gibt es für Geschäfte in Touristengebieten und Ferienorten: Sie dürfen ihre Produkte an allen Feiertagen und Sonntagen anbieten.

Mehr Geld ausgeben

Mit den neuen Massnahmen will die spanische Regierung vor allem ausländische Gäste dazu anregen, mehr Geld auszugeben, denn die Nachfrage der inländischen Konsumenten ist infolge der Wirtschaftskrise seit Jahren rückläufig. Ausländer, die Spanien besuchen, klagten immer wieder darüber, dass die Geschäfte zwischen 14.00 und 16.00 Uhr geschlossen sind. Auch die Restaurants schliessen während der Siesta die Küchen.

Die Regierung will es den jährlich 57 Millionen Touristen recht machen, denn das Land braucht in der schwierigen wirtschaftlichen Situation dringend mehr Einnahmen. Die Ausgaben der ausländischen Touristen in Spanien beliefen sich 2011 nach Angaben des Ministeriums für Tourismus auf knapp 54 Milliarden Euro. Der Tourismus hat einen Anteil von 10,2 Prozent am spanischen Bruttoinlandprodukt.

Italien muss weniger zahlen

Besser sieht es heute in Italien aus: Das Land hat sich angesichts neuer Hoffnungen auf Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) deutlich günstiger Geld leihen können. Bei der Auktion dreier Anleihen sammelte das Land Staat insgesamt fast 5,5 Milliarden Euro ein.

Dabei fiel der Zins für zehnjährige Anleihen mit 5,96 Prozent auf den niedrigsten Stand seit April, wie die Finanzagentur am Montag mitteilte. Ende Juni lag er noch bei 6,19 Prozent. Der Zins der fünfjährigen Anleihe fiel mit 5,29 Prozent ebenfalls so gering aus wie seit April nicht mehr. Ende Juni mussten Anleger noch mit 5,84 Prozent gelockt werden.

sda/dapd/bru

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