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Steigende Fieberkurve am Euro-Anleihemarkt

Auf dem europäischen Markt für Staatspapiere hat sich die Lage erneut verschärft. Die Renditen von Papieren aus mehreren Ländern stiegen stark an – während das Wirtschaftswachstum fast zum Erliegen kam.

Die Ansteckungsgefahr in der Eurokrise wird wieder akuter: Polizisten (rechts) sind durch ein Loch in einem Banner mit spanischer und griechischer Flagge in Athen zu sehen. (Archivbild)
Die Ansteckungsgefahr in der Eurokrise wird wieder akuter: Polizisten (rechts) sind durch ein Loch in einem Banner mit spanischer und griechischer Flagge in Athen zu sehen. (Archivbild)
Reuters

An den europäischen Anleihenmärkten wurde die Hoffnung wieder von Angst abgelöst. Frankreich, das neben der Deutschland die tragende Säule der Euro-Rettung ist, musste bei richtungsweisenden zehnjährigen Staatsanleihen am Vormittag einen Renditeanstieg um 0,17 Prozentpunkte auf den Rekordstand von 3,593 Prozent verkraften.

Auch Belgien wird von Anleiheinvestoren zunehmend kritisch beäugt: Die Rendite für Zehnjahrespapiere kletterte um 0,22 Prozentpunkte auf rund 4,8 Prozent - auch das ist der höchste Wert seit Einführung des Euro.

Renditeanstieg in Spanien und Italien

Nach wie vor angespannt ist die Situation bei den grossen Euro- Sorgenkindern Italien und Spanien. Italiens zehnjährige Staatstitel verzeichneten am Vormittag mit rund 0,3 Prozentpunkten den deutlichsten Renditeanstieg im europäischen Staatsanleihenmarkt. Mit 7,03 Prozent rentieren die Papiere wieder knapp über der kritischen Schwelle, ab der Griechenland, Portugal und Irland Hilfen beantragen mussten. Die Rendite für spanische Zehnjahresanleihen legte indes ebenfalls kräftig um rund 0,2 Prozentpunkte auf 6,31 Prozent zu.

Auch Österreich ist mit steigendem Misstrauen am Anleihemarkt konfrontiert. Bei zehnjährigen Anleihen stiegen die Renditen um 0,2 Prozentpunkte auf 3,61 Prozent.

Experten begründeten das jüngste Misstrauensvotum der Anleger im europäischen Staatsanleihenmarkt vor allem mit neuen Schwierigkeiten in Italien. Die Probleme von Italiens neuem Premierminister Mario Monti bei der Kabinettsbildung führten zu neuem Pessimismus hinsichtlich der Lösung der Schuldenkrise im Euroraum, hiess es.

Mini-Wachstum in der Eurozone

Die Wirtschaft des Euroraums wächst nur noch minimal. Im dritten Quartal stieg das Bruttoinlandprodukt im Vergleich zu den drei Vormonaten um 0,2 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat in einer ersten Schätzung mitteilte. Die Zahlen kommen nicht überraschend. Die EU-Kommission hatte bereits in der vergangenen Woche vor einer Rezession in Europa gewarnt.

Portugal, das am Tropf internationaler Geldgeber hängt, steckt bereits tief im Abschwung, im dritten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 0,4 Prozent. Stärkste Konjunkturlokomotive war einmal mehr Deutschland mit einem Wachstum von 0,5 Prozent. Nur im kleinen Estland fiel es mit 0,8 Prozent noch höher aus. Auch der zweitgrössten Euro-Volkswirtschaft Frankreich gelang mit 0,4 Prozent ein deutliches Plus.

In Spanien stagnierte die Wirtschaft dagegen, in Zypern schrumpfte sie um 0,7 Prozent, in Portugal um 0,4 Prozent und in den Niederlanden um 0,3 Prozent. Zahlen für Italien und Griechenland liegen noch nicht vor, beide Länder wollen mit neuen Regierungen aus der Krisen kommen.

USA und Japan besser dran

Andere führende Industriestaaten sind im Sommer deutlich schneller gewachsen als die mit einer Schuldenkrise kämpfende Währungsunion: Die weltgrösste Volkswirtschaft USA schaffte ein Plus von 0,6 Prozent, die Nummer drei Japan kam sogar auf 1,5 Prozent.

Wegen der Schuldenkrise steht die Euro-Zone an der Schwelle zur Rezession. Die EU-Kommission traut ihr 2012 nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent zu, nach 1,5 Prozent in diesem Jahr.

Kurse in Asien geben nach

Die Angst vor einer Eskalation der europäischen Schuldenkrise hat heute auch die Börsen in Asien belastet. Die Renditen auf Staatsanleihen der angeschlagenen Mitglieder der Euro-Zone legten bereits im asiatischen Handel zu.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss mit einem Minus von 0,7 Prozent auf 8541 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index gab ebenfalls 0,7 Prozent nach auf 730 Punkte. Auch die Aktienmärkte in Australien, Singapur, Taiwan, Südkorea, Shanghai und Hongkong verzeichneten Verluste.

In Japan standen vor allem die Finanztitel im Mittelpunkt. Sumitomo Mitsui Financial kündigte einen Aktienrückkauf an und trieb damit ihren Kurs um 1,4 Prozent nach oben. Die Anteilsscheine der Konkurrenten Mitsubishi UFJ Financial und Mizuho Financial stagnierten in dem negativen Marktumfeld. Mizuho hatte am Montag angekündigt, 3000 Stellen zu streichen. Das entspricht rund fünf Prozent der Belegschaft.

SDA/ dapd/rub

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