UBS-Studie: Negativzinsen als schädlich beurteilt

Die Ökonomen der Grossbank gehen von tiefer sinkenden Zinsen aus. Befragte Unternehmer und Führungskräfte sind kritisch.

UBS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz: Die Ökonomen der Bank sind mit ihren Werten pessimistischer als manche Berufskollegen. (Keystone/Walter Bieri/24. September 2019)

UBS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz: Die Ökonomen der Bank sind mit ihren Werten pessimistischer als manche Berufskollegen. (Keystone/Walter Bieri/24. September 2019)

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Die Ökonomen der Grossbank UBS bleiben für das Wirtschaftswachstum in der Schweiz relativ pessimistisch. Gleichwohl wünschen sie sich von der Nationalbank, dass sich diese zurückhält und so wenig wie möglich an der Zinsschraube dreht.

Die Vorhersagen der UBS-Ökonomen liegen unter jenen anderer Prognoseinstitute. Sie erwarten für das laufende Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandprodukt (BIP) von 0,7 Prozent und für das kommende Jahr von 0,9 Prozent, wie sie am Donnerstag mitteilten. Die meisten Prognostiker gehen für 2020 von einem BIP-Wachstum von über 1 Prozent aus.

Die politischen Risiken drängten die Weltwirtschaft an den Rand einer Rezession, begründeten die UBS-Experten ihre Vorhersage. Der Ausblick für die Schweiz trübe sich vor diesem Hintergrund ein.

Dank dem robusten Arbeitsmarkt werde aber eine Rezession vermieden. «Wir erwarten also keine Katastrophe, aber doch deutlich langsameres Wachstum als zuletzt», sagte Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz der UBS, vor den Medien. Zum Vergleich: 2017 und 2018 wurden noch Wachstumsraten von 1,9 und 2,8 Prozent verzeichnet.

«SNB wird nachziehen»

Auch für die gesamte Weltwirtschaft gehen die UBS-Ökonomen nicht von einer Rezession aus. Die Zentralbanken würden eine solche zu verhindern wissen, meinen sie. Sie erwarten konkret, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im nächsten Frühling die Zinsen nochmals um 10 Basispunkte senken wird.

Und dann werde die Schweizerische Nationalbank (SNB) im März nachziehen und den Leitzins auf -1,00 Prozent von aktuell -0,75 Prozent senken, erwartet Kalt. Die Währungshüter wollten damit einer Franken-Aufwertung entgegenwirken. «Das ist unsere Prognose, unser Wunsch ist es aber nicht», betonte der Ökonom. Denn es gibt seiner Meinung nach eine Reihe von Argumenten, die gegen einen weitere Verschärfung der expansiven Geldpolitik sprechen.

Nicht mehr nötig

Vor allem sei der Franken «eigentlich nicht mehr dramatisch überbewertet». Zwar stimme dies bis zu einem gewissen Grad noch für den Euro. «Gegenüber dem Dollar ist er aber inzwischen unterbewertet», so Kalt. Der faire Dollar-Franken-Kurs liegt seinen Berechnungen nach bei rund 0,93 (aktueller Kurs: gut 0,99).

Eine Umfrage der UBS, welche die Grossbank bei 2'500 Firmen durchführen liess, zeigte zudem einen beschränkten Nutzen der aktuellen Geldpolitik. Ein Grossteil der Unternehmen sei vom Wechselkurs kaum tangiert. Selbst bei den stark exportorientierten Unternehmen, würde nur rund ein Viertel bei einem Euro-Franken-Wechselkurs von unter 1,00 in die roten Zahlen rutschen.

Positive Auswirkungen der Negativzinsen auf das Kreditwesen und somit die Investitionstätigkeit sind laut der Umfrage hingegen kaum zu beobachten. «Es kommt für die Unternehmen nicht darauf an, ob sie Zinsen von 1,0 oder 0,5 Prozent bezahlen müssen», erklärt sich dies Kalt. Das Wirkungspotenzial sei ausgeschöpft.

Auf der anderen Seite nehmen in den Augen der befragten Unternehmen die Kollateralschäden des «Providuriums Negativzinsen» zu. «Bemerkenswert ist, dass sogar die Mehrheit der Unternehmen mit einem Exportanteil von mehr als 50 Prozent die Negativzinsen als insgesamt schädlich beurteilt», sagte Kalt. Die Stichworte dazu: Sorgen um die Altersvorsorge und steigende Risiken am Immobilienmarkt.

«Relaxter als erwartet»

«Insgesamt sind die Schweizer Unternehmen in Sachen Negativzinsen etwas relaxter als erwartet», fasste Axel Lehmann, Präsident des Schweizer UBS-Geschäfts, die Umfrageergebnisse zusammen. «Das gibt Spielraum für die Nationalbank.»

Kalt hofft in diesem Zusammenhang, dass die Weltwirtschaft nicht weiter abrutscht, sondern «durchstartet». In einem US-Wahljahr sei dies sehr wohl möglich. «Dann tut sich für die Nationalbank vielleicht wieder ein Fenster auf, um die Zinsen zu erhöhen – notfalls auch ohne einen gleichzeitigen Schritt der europäischen Währungshüter.» Die letzte solche Gelegenheit, als der Franken bei 1,20 Euro notierte, sei leider verpasst worden, kritisierte er die SNB. (fal/sda)

Erstellt: 07.11.2019, 13:49 Uhr

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