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Superreiche sollen die Schweizer Bankiers retten

Das Geschäft mit Vermögen aus Westeuropa und den USA steht unter Druck. Die Bankiervereinigung setzt auf Neureiche aus den Schwellenländern – und fordert den Abbau administrativer Hürden.

Erwartet in den nächsten Jahren einen deutlichen Zuwachs im Private Banking: Patrick Odier, Chef der Bankiervereinigung.
Erwartet in den nächsten Jahren einen deutlichen Zuwachs im Private Banking: Patrick Odier, Chef der Bankiervereinigung.
Keystone

Der Druck auf das Bankgeheimnis, schärfere Regulierung und zunehmende Konkurrenz etwa in Singapur und Hongkong bedrängen den Schweizer Finanzplatz. Dennoch sind dessen Perspektiven laut einer Studie der Schweizerischen Bankiervereinigung (SwissBanking) gut.

Grosses Potenzial bieten demnach Neureiche in den aufstrebenden Ländern Asiens und Südamerikas sowie in Nahost. Gerade mit Blick auf die geopolitischen Unsicherheiten könne die Schweiz von ihrem guten Ruf profitieren, heisst es in der am Montag vorgestellten Studie, welche SwissBanking zusammen mit dem Beratungsunternehmen The Boston Consulting Group erstellt hat.

So sei im Private Banking in den nächsten Jahren ein deutliches Ertragswachstum möglich, obwohl die verwalteten Vermögen aus Westeuropa und Nordamerika abnehmen dürften. Die Schweiz solle zudem als Standort für Superreiche ausgebaut werden. Dazu sei eine höhere Beratungskompetenz etwa bei Nachfolgeplanung, Erbschaften sowie Steuerdeklaration nötig.

Rückstand im Fondsgeschäft wettmachen

Auch im Asset Management, also in der Verwaltung institutioneller Vermögen, seien deutliche Zugewinne für den Bankenplatz Schweiz möglich. Bislang nur für Dachfonds bedeutend, solle die Schweiz als globaler Hedge-Fund-Standort etabliert werden. Dazu fordert SwissBanking einmal mehr die Abschaffung der Stempelsteuer und einfachere Fondsregistrierungsprozesse. Wachstumsmöglichkeiten böten auch Themenfonds und Anlage-Nischen wie Nachhaltigkeit, Rohstoffe oder Sharia-Konformität.

Im Firmenkundengeschäft bestehe mit Blick auf die zunehmende Bedeutung der Schweiz im Rohstoffhandel die Chance, vermehrt im Handelsfinanzierungsgeschäft Fuss zu fassen. Zudem werde nicht nur bei Grossunternehmen das Auslandgeschäft und damit der Bedarf an Begleitung immer wichtiger, sondern auch bei KMU, beispielsweise bei Wechselkurs-Absicherungsgeschäften.

Höhere Erträge, tiefere Margen

Nicht sämtliche Banken sollten alle Opportunitäten nutzen. Umwälzungen brächten aber oft die grössten strategischen Chancen, sagte SwissBanking-Geschäftsleiter Claude-Alain Margelisch vor Journalisten in Zürich. Er zeigte sich erfreut über die Studie, da sie zeige, dass der Bankenplatz Schweiz trotz aller Herausforderungen gute Zukunftsaussichten habe.

Insgesamt besteht laut der Studie ein zusätzliches Ertragspotenzial für den Schweizer Bankenplatz bis 2015 von rund 4,8 Milliarden Franken. 2010 hatten sich die Brutto-Erträge auf 58,6 Milliarden Fr. belaufen, wobei Handelsgeschäfte sowie internationale Aktivitäten im Investmentbanking nicht eingerechnet sind.

Margen unter Druck

Auch ohne die Zusatzopportunitäten rechnet die Studie bis 2015 mit einem Anstieg der Erträge um 5,3 Milliarden auf 63,9 Milliarden Franken. Die Studie stützt sich dabei auf «vorsichtig optimistische» Annahmen zur Entwicklung der Weltwirtschaft. Kurzfristige Probleme wie das sehr tiefe Zinsniveau oder die Frankenstärke würden sich normalisieren.

Unter Druck blieben jedoch die Margen: einerseits wegen grösserem Preisbewusstsein der Kunden, härterer Konkurrenz und neuen Geschäftsmodellen, andererseits wegen schärferer Regulierungen. Bereits haben denn auch diverse Banken Effizienzprogramme gestartet.

SDA/ami, rub

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