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Swiss-Life-Chef will Rentensystem radikal umkrempeln

Die Schweizerinnen und Schweizer beziehen immer länger Rente. Um das System längerfristig finanzieren zu können, schlägt Bruno Pfister drastische Massnahmen vor. So sollen Akademiker erst mit 70 in Rente gehen.

45 statt 40 Jahre für die Rente einzahlen: Bruno Pfister. (Archivbild)
45 statt 40 Jahre für die Rente einzahlen: Bruno Pfister. (Archivbild)
Keystone

Swiss-Life-Konzernchef Bruno Pfister stellte seine Ideen vor, um das Rentensystem der zunehmenden Alterung der Bevölkerung anzupassen. Sein explosivster Vorschlag: Versicherte sollen 45 Jahre in die 2. Säule einzahlen. Derzeit leisten Versicherte rund 40 Jahre Einzahlungen in die Pensionskasse. Pfister schlägt vor, die Einzahlungsdauer um 5 Jahre zu verlängern.

Pfister begründet das im Interview mit der Westschweizer Tageszeitung «Le Matin» damit, dass die heutigen Renten zu hoch seien und «auf dem Buckel der arbeitenden Bevölkerung» ausbezahlt würden. Mit zunehmender Lebenserwartung würde der Anteil, den die Jüngeren für die Alten zahlen, ständig steigen.

Akademiker mit 70, Büezer mit 63 Jahren

Die geforderte obligatorische Einzahlung von 45 Jahren in die Pensionskasse solle für Männer und Frauen gelten, sagt Pfister. Ein Akademiker, der nach dem Studium mit 25 Jahren ins Berufsleben eintritt, würde demnach mit 70 Jahren pensioniert. Arbeiter, die mit 18 Jahren ihre Arbeit aufnehmen, könnten schon mit 63 Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden.

Der Swiss-Life-Chef lässt den Einwand nicht gelten, das Schweizer Rentensystem sei sogar laut der OECD eines der am besten finanzierten weltweit. «Nur weil die anderen Länder blind sind, soll man nicht glauben, ein Einäugiger sei gesund», sagt Pfister. Unser System sei schon heute nicht im Gleichgewicht: Die staatlichen Pensionskassen weisen eine klare Unterdeckung auf, und die des Privatsektors schwankten zwischen Deckung und Unterdeckung. Um die Anlagerisiken verkraften zu können, müssten aber alle Kassen einen Deckungsgrad von deutlich über 100 Prozent aufweisen.

Weitere Massnahmen gefordert

Neben der Verlängerung der Einzahlungsdauer in die Pensionskasse schlägt Pfister weitere Massnahmen vor, um die Ziele zu erreichen. So sollten Angestellte zum Beispiel nicht ermuntert werden, frühzeitig in Pension zu gehen.

Auch das Lohnsystem müsste man laut Bruno Pfister überdenken. Die Leistungsfähigkeit nehme ab dem 55 Lebensjahr ab, die Löhne seien in der Regel aber mit 65 Jahren auf dem Höhepunkt. Künftig sollten die Arbeitsvergütungen deshalb im Alter von 50 bis 55 Jahren ihren Kulminationspunkt erreichen und dann wieder sinken.

Kritik an Volksentscheid und Bundesrat

Es dauere sehr lange, Änderungen am Rentensystem anzubringen. Deshalb müsse man heute schon handeln. Das Volk habe 2010 geglaubt, es könne tieferen künftigen Renten entgehen, indem es die Anpassung des Umwandlungssatzes ablehnt. Rentenreformen seien aber unausweichlich und «eine Frage der Gerechtigkeit, der Stabilität und der Verantwortung».

Pfister kritisiert auch Bundesrat Alain Berset, der erst kürzlich gesagt hatte, die Renten seien zurzeit gesichert und es gäbe keinen Handlungsbedarf. Dazu sagt Pfister: «Politiker haben die Tendenz, ungestraft nichts zu unternehmen, in der Hoffnung, andere würden sich dann später darum kümmern». Der Swiss-Life-Chef fordert eine politische Debatte – auch wenn sie in einem typisch schweizerischen Kompromiss mündet.

Emotionales Thema Rentenalter

Die Frage des Rentenalters ist in der Schweiz umstritten. Als der damalige Sozialminister Pascal Couchepin 2003 vom Rentenalter 67 sprach, löste dies weit herum Entrüstung aus. Der Gewerkschaftsbund scheiterte 2008 mit der Volksinitiative «für ein flexibles Rentenalter». Lohnbezügern mit tiefen Einkommen hätte es ermöglicht werden sollen, sich ab 62 mit voller Rente pensionieren zu lassen.

Für Yves Rossier, den ehemaligen Direktor des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV), könnte das Rentenalter bei 65 bleiben, auch wenn dafür zusätzliche Einnahmen nötig seien. Zum flexiblen Rentenalter sagte Rossier im vergangenen April, dass eine Differenzierung nach Berufsgruppen schwierig sei. Rossier fand, es sei richtig, nach dem 65. Geburtstag noch zu arbeiten, wenn man dazu in der Lage sei. Schon heute gehe rund ein Drittel der 65- bis 70-Jährigen einer Erwerbsarbeit nach – und diese Menschen bezahlten weiterhin Sozialbeiträge.

Auch der amtierende Sozialminister Alain Berset schloss Ende März 2012 eine gewisse Flexibilisierung des Rentenalters nicht aus, äusserte sich allerdings nicht konkreter. Er plädierte damals gegen einseitige Abbaupläne und für eine Gesamtschau bei der Altersvorsorge.

Bürgerliche fordern Massnahmen

Im Herbst sollen die Resultate einer Anhörung zum Bericht über die Zukunft der beruflichen Vorsorge vorliegen. In der Anhörung forderten SVP, FDP, CVP, BDP, GLP und EVP gemeinsam von Berset, rasch einen Fahrplan und konkrete Massnahmen zur Sicherung der zweiten Säule vorzulegen.

Die bürgerlichen Parteien sprachen sich für die – umstrittene und vom Volk 2010 abgelehnte – Senkung des Umwandlungssatzes für die Renten der zweiten Säule aus. Die SP dagegen verlangt, stattdessen die Kosten von Verwaltung und Vermögensverwaltung zu senken.

SDA/rub

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