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Trotz Abzockerinitiative haben einige Aktionäre noch Sonderrechte

Die «Volksinitiative gegen Abzockerei» hat in Schweizer Unternehmen einiges bewirkt. Trotzdem gibt es noch grosse Baustellen. Beispiel: Beim Prinzip «One share – one vote» – eine Aktie, eine Stimme.

Er hatte die Abzockerinitiative ins Rollen gebracht: Politiker Thomas Minder. (Archivbild)
Er hatte die Abzockerinitiative ins Rollen gebracht: Politiker Thomas Minder. (Archivbild)
Walter Bieri, Keystone

Die Abzockerinitiative hat bei börsenkotierten Schweizer Unternehmen zwar zu einer Eindämmung der Lohnexzesse geführt. Auch nehmen die Aktionäre vermehrt ihre Stimmrechte wahr. Insgesamt hat sich deren Situation gemäss einer Auswertung von Z-Rating aber nicht verbessert.

So ging die durchschnittliche Corporate-Governance-Punktzahl der 165 ausgewerteten börsenkotierten Schweizer Unternehmen von 68 Punkten im Vorjahr auf 67 Punkte zurück. Grund für diese Stagnation sind gemäss dem Aktionärsberater Z-Rating die fehlenden Fortschritte bei den Grundsätzen der guten Unternehmensführung. «Es gibt diverse Baustellen bei der Corporate Governance», sagte Z-Rating-Chef Michael Otte an einer Medienkonferenz am Dienstag in Zürich.

Als grösste Baustelle bezeichnete Otte dabei die nach wie vor bestehenden Sonderrechte für einige Aktionäre. So gebe es kaum oder nur geringe Fortschritte in den Bemühungen, dass an den Generalversammlungen eine Aktie auch tatsächlich einer Stimme entspreche («one share – one vote»).

Gute Ansätze, aber noch zu viele Sonderrechte

Wie das Beispiel Sika zeige, können nach wie vor mit Opting-out-Klauseln, Eintragungs- und Stimmrechtsbeschränkungen sowie mit der Unterscheidung von Namen- und Inhaberaktien die Rechte der Aktionäre massiv eingeschränkt werden, sagte Otte, der vor einem Marschhalt bei der geplanten Revision des Aktienrechts warnt: «Wird das nicht neu geregelt, laufen wir Gefahr, dass viele gute Ansätze ins Leere laufen.»

Für solche gute Ansätze hat unter anderem die Minder-Initiative gesorgt. Laut Z-Rating, das regelmässig die Unternehmensführung der an der Schweizer Börse kotierten Firmen an ihren Corporate-Governance-Standards misst und Stimmempfehlungen für Aktionäre abgibt, hat die Initiative zu einer erhöhten Präsenz der Aktionäre und zu einer Eindämmung der Lohnexzesse geführt.

So seien im Vorjahresvergleich die durchschnittlichen Bezüge der Verwaltungsräte gesunken. Den gleichzeitig leichten Anstieg der Vergütungen der Geschäftsleitungen erklärt Z-Rating mit der Börsenentwicklung, die zu einem höheren Wert der zugeteilten Aktien geführt hat. Insgesamt habe sich dank der Minder-Initiative die Situation bei den Vergütungen klar verbessert, sagte Otte.

Die Initiative hat mit der Einführung eines Stimmzwangs für Pensionskassen auch dazu geführt, dass die Aktionäre vermehrt ihre Stimmrechte wahrnehmen. So waren in diesem Jahr insgesamt 60 Prozent der Aktienstimmen bei den SMI-Gesellschaften und 64 Prozent bei den SPI-Unternehmen vertreten. Im Vergleich zu 2010 hat sich damit die Stimmbeteiligung um fast 8 Prozent verbessert.

Forbo schwingt obenaus

In der Z-Rating-Rangliste der vorbildlichen Unternehmen schwingt diesmal der Kunststoffboden- und Leimhersteller Forbo obenaus. Ähnlich gut schneidet auch eine Reihe weiterer Unternehmen ab, so etwa der Sanitäreinrichtungskonzern Geberit, der Technologiekonzern Ascom und der Fleischverarbeiter Orior.

Am Ende der Rangliste figurieren die Brokergesellschaft Compagnie Financière Tradition, die Beteiligungsgesellschaft Pargesa, der Detailhändler Dufry, der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli sowie der Rolltreppen- und Liftbauer Schindler. All diese Firmen erfüllen die Corporate-Governance-Standards von Z-Capital nur unzureichend.

SDA/rsz

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