Türkische Zentralbank hebt Leitzins unerwartet stark an

Die türkische Lira gewann nach dem Zinsschritt deutlich an Wert. Präsident Erdogan geisselte die Notenbank noch kurz vor dem Zinsschritt.

Die Notenbank handelte gegen seinen Willen: Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Die Notenbank handelte gegen seinen Willen: Präsident Recep Tayyip Erdogan. Bild: Umit Bektas/Reuters

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Die türkische Zentralbank hat ihren Leitzins um satte 625 Basispunkte auf 24 Prozent angehoben. Wie die Zentralbank in Ankara am Donnerstag nach ihrer regulären Sitzung mitteilte, hob sie den zentralen Leitzins von 17,75 Prozent auf 24,00 Prozent an. Die türkische Lira gewann daraufhin fünf Prozent an Wert hinzu und wurde um die 6,00 zum Dollar gehandelt.

Ökonomen hatten erwartetet, dass die Zentralbank bei ihrer heutigen Sitzung die Leitzinsen nur um 200 bis 250 Basispunkte anhebt. Der wichtigste Leitzins liegt seit Anfang Juni bei 17,75 Prozent. Obwohl die Währung im August inmitten eines Streits mit den USA massiv einbrach, verzichtete die Zentralbank bisher auf eine Anhebung der Zinsen. Die Lira hat seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent an Wert verloren und war im August inmitten eines Streits mit den USA erstmals unter sieben Lira zum Dollar gefallen.

Erboster Erdogan

Noch kurz vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung der türkischen Zentralbank hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan die Notenbank noch scharf angegriffen. «Bis heute habe ich nicht einmal gesehen, dass sich die Vorhersage der Zentralbank zur Inflation bewahrheitet hat», sagte Erdogan am Donnerstag bei einer Rede in Ankara. «Zinsen sind der Grund und die Inflation die Folge», sagte Erdogan. Wer das Gegenteil glaube, habe «nichts verstanden».

Ökonomen drangen seit Monaten auf eine deutliche Anhebung der Leitzinsen, um den Anstieg der Inflation und den Verfall der Währung zu stoppen, doch Erdogan stellte sich strikt dagegen. Am Donnerstag bezeichnete er erneut Zinsen als «Instrumente der Ausbeutung». Seine Vorbehalte gegen Zinsen blieben, doch sei die Zentralbank unabhängig und treffe ihre eigenen Entscheidungen, sagte der Präsident. Viele Beobachter bezweifeln jedoch genau dies. Nach Erdogans Äusserungen brach die Lira am Morgen um drei Prozent ein und wurde kurzfristig bei 6,54 zum Dollar gehandelt.

Angesichts der Währungskrise im Land untersagte die Regierung den Verkauf und die Vermietung von Immobilien in ausländischer Währung. Erdogan ordnete in einem Dekret an, dass künftig keine Verträge zum Verkauf oder zur Vermietung von Immobilien sowie zum Leasing von Fahrzeugen in ausländischer Währung mehr akzeptiert würden. Bestehende Verträge müssten binnen 30 Tagen umgewandelt werden.

Derartige Transaktionen dürften auch nicht mehr an den Kurs einer ausländischen Währung gekoppelt werden, hiess es in dem Dekret. Es gewährt dem Finanzministerium allerdings die Möglichkeit, Ausnahmen zu bestimmen. Insbesondere Ausländer zahlen in der Türkei ihre Miete oft in Euro oder Dollar, und viele Immobiliengeschäfte werden in dieser Währung abgewickelt. Auch Leasingverträge für Autos und der Handel mit Importgütern laufen oft in Euro oder Dollar. (cpm/AFP)

Erstellt: 13.09.2018, 13:14 Uhr

Update folgt...

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