Und dann ging es meistens wieder abwärts

Der SMI hat einen neuen Rekordstand erreicht. Doch der Blick zurück zeigt: Auf den Aufschwung folgte oft der Absturz.

Schweizer Börse im September 2008: Die UBS-Aktie und der SMI sind wegen der Finanzkrise im freien Fall.

Schweizer Börse im September 2008: Die UBS-Aktie und der SMI sind wegen der Finanzkrise im freien Fall. Bild: Keystone

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Die gute Wirtschaftslage weltweit befeuert auch die Schweizer Börse: Der Swiss-Market-Index (SMI) setzte heute im frühen Handel seinen Aufwärtstrend fort und stieg zwischenzeitlich um 0,4 Prozent auf den neuen Höchststand von 9557,06 Punkten. Das bisherige Rekordhoch wurde im Juni 2007 mit 9548,09 Punkten erreicht – doch dann folgte der Absturz.

Wir schauen zurück auf die grössten Hochs und Tiefs des bedeutendsten Aktienindex der Schweiz:

Der SMI startete am 30. Juni 1988 mit 1500 Punkten und tat sich in den ersten zweieinhalb Jahren schwer. Anfang 1991 erreichte er mit 1279 Punkten seinen tiefsten Stand. Doch ab diesem Zeitpunkt kannte der Kursindex praktisch nur noch eine Richtung: nach oben.

Meilensteine waren das erstmalige Erreichen der 2500-Punkte-Marke 1993 und der 5000-Punkte-Marke vier Jahre später. Den vorläufigen Höhepunkt dieses Aufschwungs markierte der 23. August 2000, als der SMI auf einen Schlussstand von 8377 Punkten kam.

Doch im März desselben Jahres war eine Spekulationsblase im Technologiesektor, die sogenannte Dotcom-Blase, geplatzt. Neue technologische Entwicklungen führten zu Spekulationen auf steigende Aktienkurse und entfachten einen Boom. Doch bald zeichnete sich ab, dass die hochbewerteten Unternehmen die Gewinnerwartungen nicht erfüllen konnten. Als im März 2000 die Kurse zu sinken begannen und vermehrt Verkäufe getätigt wurden, brach der Markt vollends in sich zusammen.

Die Dotcom-Blase war ein weltweites Phänomen und wirkte sich negativ auf die Börsen aus. Der SMI musste in der Folge seinen ersten grossen Rückschlag einstecken: Am 12. März 2003 fiel er auf einen Tiefststand von 3675,43 Punkten.

Der 12. März 2003 bedeutet das Ende der Talfahrt. Die Wirtschaft erholte sich weltweit. Ab dem Frühjahr 2003 begann auch der SMI wieder zu steigen. Bis zum 4. Juni 2007 gewann er mehr als 159 Prozent und erreichte einen Schlussstand von 9548,09 Punkten. Bis zum heutigen Tag war dies der Rekordstand.

Dann folgte die internationale Banken- und Finanzkrise. Spekulationen im Bausektor und im Hypothekenmarkt schufen eine erneute Preisblase, diesmal am US-Immobilienmarkt. Das Platzen der Immobilienblase im Sommer 2007 traf zunächst die Finanzmärkte. Es kam zum Zusammenbruch der amerikanischen Grossbank Lehman Brothers, und mehrere Staaten sahen sich gezwungen einzugreifen, um wichtige Finanzinstitute zu retten. Im Zuge dieses Too-big-to-fail-Vorgehens retteten die Nationalbank und der Bund auch die UBS mit Milliarden.

Die Finanzkrise weitete sich in eine Weltwirtschaftskrise aus und liess die Börsen global stürzen. Der SMI begann erneut zu sinken und fiel im Februar 2009 erstmals seit fünfeinhalb Jahren wieder unter 5000 Punkte. Bis zum 9. März 2009 sackte er um dramatische 55 Prozent auf 4307,67 Punkte zusammen.

Von diesem Rückschlag erholte sich der Schweizer Leitindex nur langsam. Der Anstieg bis in den April 2010 war nur ein Zwischenhoch, denn es bahnte sich bereits die nächste Wirtschaftskatastrophe an: die Eurokrise. Die Abschwächung der Konjunktur führten zu einem Kurseinbruch des SMI. Innerhalb eines guten Jahres verlor er wieder 28,7 Prozent.

Erst die Ankündigung neuer Anleihekaufprogramme der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank in grundsätzlich unbegrenztem Umfang führte zu einer Erholung der Kurse am Aktienmarkt. Ab Mitte August 2011 ging es mit dem SMI kontinuierlich nach oben, bis er vier Jahre später kurz davor stand, den Rekordstand zu erreichen.

9537,90 Punkte zählte der SMI Anfang August 2015. Nur mickrige 10 Zähler fehlten auf das Rekordhoch vom Frühsommer 2007. Doch Wachstumssorgen in China liessen die Börse in der Schweiz und anderswo wieder korrigieren.

Nun, zweieinhalb Jahre später, hat der SMI die historische Rekordmarke geknackt. Allein seit Mitte November hat er um mehr als 500 Punkte beziehungsweise 5,6 Prozent zugelegt.

Und die Zeichen für einen weiteren Aufwärtstrend im Aktienindex stehen laut Prognostikern gut. «Der SMI hat erneut Potenzial für eine Steigerung im Bereich von 10 bis 15 Prozent», sagte Aktienexperte Alberto Chiandetti der «Handelszeitung». Es gebe auf den Finanzmärkten eine Konsensmeinung, dass die globale Wirtschaft weiter zulegen und vielleicht sogar die Wachstumsrate 2017 von 3,5 Prozent leicht übertreffen werde.

Aus Sicht von Kritikern sind solche Aussagen allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Der Blick auf die historische Entwicklung des Swiss-Market-Index zeigt, dass auf ein Hoch stets ein Tief folgte. Der renommierte US-Thinktank Eurasia Group beispielsweise sieht für 2018 zehn Risiken, die globale Verwerfungen auslösen könnten – wie es schon die Finanzkrise getan hatte. Und diese würden sich auch negativ auf die Weltwirtschaft auswirken.

Erstellt: 05.01.2018, 14:28 Uhr

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