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Urs Rohners dünne Begründung für dicke Saläre

Die «Weltwoche» bietet dem Präsidenten der Credit Suisse eine Bühne, um die exorbitanten Vergütungen seiner Topmanager zu begründen. Spannender ist etwas anderes.

«Die Kraft des Marktes bekamen wir 2016 zu spüren» – Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner mit CEO Tidjane Thiam.
«Die Kraft des Marktes bekamen wir 2016 zu spüren» – Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner mit CEO Tidjane Thiam.
Dominic Steinmann, Keystone

Erstmals seitdem die Credit Suisse vor knapp einer Woche ihren Vergütungsbericht vorgelegt hat, nimmt mit Urs Rohner ein Spitzenvertreter der Grossbank Stellung dazu. Doch der Verwaltungsratspräsident belässt es im heute publizierten Interview mit der «Weltwoche» nur mit ein paar dürren Sätzen zur 30-prozentigen Salärerhöhung auf 11,9 Millionen Franken für Konzernchef Tidjane Thiam. Wer sich hartnäckige Nachfragen der Journalisten zu diesem in der Öffentlichkeit nach wie vor heiss diskutierten Thema erhofft hatte, wird enttäuscht.

Für Rohner ist es «wichtig zu wissen», dass die Vergütungen an die Geschäftsleitung nur dann in ihrer vollen Höhe ausbezahlt würden, «wenn der zukünftige Erfolg sich einstellt und die langfristigen Ziele auch wirklich erreicht werden». Zudem, so der CS-Präsident, sei der grösste Teil der Boni bis mindestens 2020 gesperrt. Mehr hatte Rohner nicht zu sagen. Kein Wort dazu, dass Millionengehälter an Topmanager von Banken, die milliardenschwere Verluste ausweisen, dem breiten Publikum nicht zu vermitteln sind. Kein Wort auch dazu, dass die von der Credit Suisse (und der UBS) gewährten Boni in krassem Kontrast zum jämmerlich dahindümpelnden Aktienkurs stehen.

Die «Kraft des Marktes»

Nur in eigener Sache hatte Rohner noch etwas hinzuzufügen: «Ich fand es aber richtig, auch dieses Jahr nochmals freiwillig auf die Hälfte des Vorsitzhonorars zu verzichten.» Die letztjährige Vergütung des CS-Präsidenten belief sich auf 4 Millionen Franken. Damit wurde das leidige Kapitel über die exorbitanten Gehälter für Spitzenvertreter der Grossbank in dem dreiseitigen «Weltwoche»-Interview ad acta gelegt.

Rohner hatte dann noch Gelegenheit, die «Kraft des Marktes» ins Feld zu führen. Diese habe die Credit Suisse 2016 zu spüren bekommen, «als uns die Konkurrenz viele gute Mitarbeiter abgeworben hat». Deshalb habe man von einem tiefen Niveau aus die Gehälter wieder gezielt anpassen müssen. Aus Sicht des obersten CS-Repräsentanten steht die Bankenbranche insgesamt vor dem Problem, dass die Lohnkosten im Verhältnis zu den Gesamtkosten zu hoch seien. «Dieses Verhältnis gilt es zu verbessern, und die Digitalisierung bietet enorme Möglichkeiten dafür», ergänzte Rohner.

So verspricht er sich riesige Produktivitätsfortschritte, wenn man standardisierte Tätigkeiten wie Kontoeröffnungen, Anti-Geldwäsche-Abklärungen oder die Überprüfung politisch exponierter Personen einer intelligenten Maschine überlasse. Bei derartigen Abklärungen seien Aktualisierungen über Datenbanken möglich, sodass laut Rohner «Automatisierungen enorm effizient wären». Der CS-Präsident ist überzeugt: «Man kann fast alles automatisieren.» Auch im Risikomanagement oder beim Zuteilen von Krediten würden automatische Prozesse und Big Data eine hohe Sicherheit und Schnelligkeit ins Geschäft bringen.

Video – wie weiter mit der Credit Suisse, Herr Thiam?

Der Banken-Chef nahm am 14. Februar – mit Bekanntgabe des Jahresergebnisses – Stellung. (SDA/Keystone)

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