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US-Arbeitslosigkeit auf 5-Jahres-Tief

Die Arbeitslosenquote in den USA ist um 0,3 auf 7 Prozent gesunken. Das befeuert die Erwartung, dass die US-Notenbank ihre ultralockere Geldpolitik früher als erwartet zurückfährt.

Markus Diem Meier
Hoffnung auf neue Stellen: Arbeitslose stehen an einer Jobmesse in New York an.
Hoffnung auf neue Stellen: Arbeitslose stehen an einer Jobmesse in New York an.
Keystone

Der eben veröffentlichte Arbeitsmarktbericht ist besser ausgefallen, als an den Märkten erwartet wurde. 203'000 neue Stellen wurden im November geschaffen, erwartet wurden 180'000. Die Arbeitslosenquote ist von 7,3 auf 7 Prozent zurückgegangen.

Das ist nicht die erste Positivmeldung aus den USA dieser Art: Am Donnerstag hat bereits die Meldung überrascht, dass das Bruttoinlandprodukt im dritten Quartal des laufenden Jahres mit aufs Jahr hochgerechneten 3,6 Prozent stärker als erwartet zugelegt hat und damit in einem Ausmass wie seit Anfang 2012 nicht mehr.

Fed im Fokus

An den Aktienbörsen machen Positivmeldungen vom US-Arbeitsmarkt in der Regel keine Freude , weltweit sind die Kurse bereits im Vorfeld in der Erwartung besserer Zahlen vom Arbeitsmarkt gesunken. Unmittelbar nach der Veröffentlichung des jüngsten Berichts sie allerdings zugelegt.

Der Grund für das grosse internationale Interesse für die US-Arbeitsmarktzahlen – ganz besonders jenes an den Kapitalmärkten – hat nur indirekt mit der Beschäftigungslage zu tun. Im Zentrum steht vielmehr die US-Notenbank (Fed).

Die überaus expansive Geldpolitik des Fed ist ein wichtiger Treiber der Kapitalmärkte in den USA und damit weltweit. Diese Geldpolitik umfasst zwei Elemente: Einerseits befindet sich der Leitzins der USA seit fünf Jahren bei null Prozent, zusätzlich pumpt die Notenbank seit Herbst des vergangenen Jahres monatlich 85 Milliarden Dollar durch Käufe von US-Staatsanleihen (45 Milliarden) und verbrieften Hypothekenpapieren (40 Milliarden) in die Märkte.

Fed-Chef Ben Bernanke und seine Kollegen im Führungsgremium der Notenbank begründen diese Geldpolitik mit der anhaltenden Schwäche der US-Wirtschaft. Der wichtigste Massstab für deren Gesundheitszustand ist die Arbeitslosigkeit. Um Sorgen zu zerstreuen und Spekulationen entgegenzuwirken, die Notenbank könnte schon ihre Zinsen erhöhen, bevor die Wirtschaft wirklich wieder auf Normaltouren läuft, hat sie vor einem Jahr erklärt, der Leitzins werde nicht eher erhöht, bis die Arbeitslosenquote in den USA mindestens unter 6,5 Prozent gefallen sei. Das ist ein Grund für die grosse Bedeutung dieser Zahl.

Die misslungene Kommunikation

Doch es geht nicht nur um den Leitzins. Die erwähnten Anleihenkäufe im Umfang von 85 Milliarden Dollar möchte das Fed möglichst rasch wieder einstellen, da sie der Wirtschaft wenig helfen, aber die Bilanz der Notenbank gefährlich aufblähen. Als sie im Frühsommer allerdings die Absicht publik gemacht hat, die Käufe langsam zurückzufahren – man spricht seither vom Tapering –, sind in den USA und weltweit die Marktzinsen angestiegen und auch die Aktienkurse sind gefallen. Das war nicht nach dem Gusto des Fed, da höhere Zinsen den Aufschwung gefährden. Deshalb wurde das Tapering – die Reduktion der Anleihenkäufe – vorerst auf Eis gelegt.

Angesichts der Auseinandersetzungen im US-Parlament um die Staatsfinanzen im Oktober und wenig berauschender Daten aus der amerikanischen Wirtschaft rechnen bisher die meisten Ökonomen nicht mit einem Beginn des Tapering vor März 2014. Bei überraschend guten Wirtschaftsdaten – besonders solchen vom Arbeitsmarkt – drängt sich allerdings eine Neubeurteilung auf. Damit steigt die Erwartung, dass das Tapering schon früher, möglicherweise sogar schon nach der nächsten Sitzung des Fed am 18. Dezember angekündigt wird. Über einen solch frühen Geldentzug sorgt man sich an den Kapitalmärkten am meisten. Wie die heutige Marktreaktion zeigt, lesen die Investoren aus den aktuellen Daten keine ausreichende Verbesserung an den Arbeitsmärkten heraus, die ein Tapering bereits im laufenden Monat rechtfertigen würde.

Noch ist die US-Wirtschaft nicht über den Berg

Beim Fed will man auf jeden Fall verhindern, dass ein Tapering erneut als Anfang vom Ende der lockeren Geldpolitik verstanden wird. Denn dafür ist es nach Ansicht der Notenbanker zu früh. Tatsächlich lässt sich selbst aus den jüngsten Positivmeldungen nicht lesen, dass die US-Wirtschaft demnächst über den Berg ist. Auch gemäss dem heutigen Bericht sind noch immer 11,3 Millionen Amerikaner arbeitslos, 8 Millionen arbeiten ungewollt Teilzeit, und 4 Millionen finden seit mehr als einem halben Jahr keinen Job mehr.

Selbst die Positivüberraschung zum Wirtschaftswachstum im dritten Quartal sieht genau betrachtet weniger gut aus: Am stärksten zugelegt hat die Lagerhaltung der Unternehmen. Das bedeutet, dass sie auf Waren sitzen geblieben sind und dass daher in den Folgequartalen mit geringeren Wachstumsraten zu rechnen ist. Das Wachstum des Endkonsums und der gezielten Investitionen ist im Vergleich zu den Vorquartalen sogar zurückgegangen.

Laut dem Protokoll der letzten Sitzung von Ben Bernanke und seinem Entscheidungskomitee werden beim Fed drei Massnahmen diskutiert, um auch bei der Einleitung eines Tapering eine anhaltend lockere Geldpolitik zu signalisieren: erstens eine noch tiefere Arbeitslosenquote als 6,5 Prozent, die unterschritten werden muss, bevor eine Zinserhöhung erfolgt. Zweitens zusätzlich eine Mindestinflationsrate: Solange diese unterschritten würde, bliebe eine Zinserhöhung ausgeschlossen. Drittens tiefere Zinsen für Einlagen der Banken auf den Konten der Notenbank. Das soll bewirken, dass die Banken Gelder eher vergeben, statt sie bei der Notenbank zu lagern.

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