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Vereint in der Trauer, einsam im Kampf

Brüder und Schwestern für einen Tag: Die Trauer vereint die Angehörigen am Jahrestag der Fabrikkatastrophe in Bangladesh. «Auch an allen anderen Tagen müsst Ihr zusammenstehen», mahnen die Gewerkschaften.

Ein Unglück öffnete vielen Konsumenten im Westen die Augen über die vielerorts schlechten Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie: Angehörige von Opfern trauern am Ort, wo das achtstöckige Rana Plaza am 24. April 2014 eingestürz war. (24. April 2014)
Ein Unglück öffnete vielen Konsumenten im Westen die Augen über die vielerorts schlechten Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie: Angehörige von Opfern trauern am Ort, wo das achtstöckige Rana Plaza am 24. April 2014 eingestürz war. (24. April 2014)
A.M. Ahad, Keystone
Angehörige demonstrierten in Dhaka auch für Entschädigungen und die Bestrafung der Verantwortlichen für das grösste Unglück der Textilindustrie. (24. April 2014)
Angehörige demonstrierten in Dhaka auch für Entschädigungen und die Bestrafung der Verantwortlichen für das grösste Unglück der Textilindustrie. (24. April 2014)
Munir uz Zaman, AFP
Näherin Asma überlebte das Unglück. Sie arbeitet nun in einer Fabrik, mit der die Überlebenden rehabilitiert werden sollen. (21. April 2014)
Näherin Asma überlebte das Unglück. Sie arbeitet nun in einer Fabrik, mit der die Überlebenden rehabilitiert werden sollen. (21. April 2014)
A.M. Ahad, Keystone
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Dort, wo einst Tausende Nähmaschinen ratterten, ist es nun totenstill. Seit genau einem Jahr ist das Gebäude Rana Plaza in Bangladesh verschwunden – und mit ihm die mehr als 1100 Menschen, die beim Zusammensturz des achtstöckigen Gebäudes ihr Leben liessen.

Zur Erinnerung an die Toten kamen am Donnerstag Tausende Menschen zur Unglücksstelle in einem Vorort von Dhaka: Freunde und Kollegen, Mütter und Väter, Brüder und Schwestern. Gemeinsam erhoben sie ihre Hände zum Himmel und standen zum stummen Gebet für ihre Geliebten zusammen. Von den Fabriken um sie herum wehten schwarze Fahnen.

Nie werde er die schrecklichen Schreie der Arbeiter vergessen, die damals tief im Inneren des zerstörten Hauses gefangen waren, erinnert sich Inam Ahmed. Leichen hätten hoch über dem Boden zwischen den Gebäuderesten gehangen, von den hilflosen Helfern ignoriert, die sie nicht erreichen können. «Die Bilder sind so roh und lebhaft - die Betonplatten durchstechen das Herz der Nation», schreibt er in der Zeitung «Daily Star».

Arme und Beine abgesägt

Daran erinnert sich auch Magnus Schmid, der für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Bangladesh arbeitet. Immer dort, wo jemand rief, hätten die Retter Löcher durch die Wände gebohrt – «eine Fuchshöhlentaktik», sagt er, damit die Überreste des Gebäudes nicht noch weiter in sich zusammenfielen. Oft hätten nicht richtig ausgebildete Helfer auch Arme oder Beine der Feststeckenden absägen müssen, um sie zu befreien.

Dabei wollten viele der Näherinnen und Zuschneider, Bügler und Knopfannäher das Gebäude am 24. April 2013 gar nicht betreten. Denn es hatte bereits am Vortag Risse bekommen. «Aber es ist schwer vorstellbar, wie die Arbeiter das am Morgen alleine mit den Fabrikbesitzern aushandeln sollen», sagt Henrik Maihack, Repräsentant der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Bangladesh. Nicht ein einziger der Tausenden von Arbeitern im Rana-Plaza-Gebäude sei in einer Gewerkschaft organisiert gewesen, die mit einer stärkeren Stimme hätten sprechen können.

Fortschritte sichtbar – aber viel zu wenig

Seit dem Unglück wurden die Vorschriften für Gewerkschaften vereinfacht, mehr als 140 Betriebsgewerkschaften haben sich registrieren können. Das sei zwar positiv - aber noch immer viel zu wenig, findet Sultan Ahmed vom Bangladesch-Institut für Arbeitswissenschaften. «Selbst in guten Fabriken, wo auf Feuer- und Sicherheitsstandards geachtet wird, können die Arbeiter meist noch nicht vernünftig mit dem Management reden», sagt er. «Wenn sich das ändert, dann werden auch viele andere Probleme verschwinden.»

Noch aber kämpfen viele auf sich gestellt. Sulekha Begum und ihr Mann Abdur Rashid etwa sagen, sie arbeiteten am Unglückstag in der Fabrik New Wave Bottoms Limited in dem Gebäude. Ihr Name sei aber auf keiner der Opferlisten, weswegen sie überhaupt kein Geld erhielten. Zum Jahrestag kamen sie die 200 Kilometer aus dem Distrikt Pabna zurück zur Unglücksstelle, um endlich von irgendwoher Entschädigungszahlungen zu bekommen. «Wir brauchen Hilfe, um zu überleben», sagt Begum.

SDA/rub

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