Warum Zweitwohnungen Skigebieten schaden

Der Walliser Skiliftbetrieb Télémorgins steht vor der Pleite. In der Westschweiz sucht man Erklärungen dafür.

Im Walliser Dorf Morgins steht die lokale Seilbahn-Gesellschaft vor dem Aus.

Im Walliser Dorf Morgins steht die lokale Seilbahn-Gesellschaft vor dem Aus. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Eine Region bangt. Die Westschweizer Medien berichten seit Monaten über die Schicksalswochen des Walliser Skigebiets Télémorgins. Die Vor- und Nachteile jedes neuen Plans, wie der Skiliftbetrieb im Walliser Bergdorf Morgins gerettet werden könnte, werden ausführlich vorgestellt. Laut dem Wirtschaftsblatt «Le Temps» steht dem Betrieb das Wasser nun wieder bis zum Hals. Nach vier schneearmen Wintern und Verlusten von 4,5 Millionen Franken, drohe der Gesellschaft nun endgültig das Ende.

Schon den ganzen Sommer stehen die Lifte still. Dabei bietet das Gebiet alles, was es braucht, um Touristen anzuziehen. Im Sommer lockt der Bergsee Wanderer an, im Winter laden die Berge zum Skifahren ein. Denn Morgins bietet Zugang zum riesigen französischen Skigebiet Portes du Soleil. Die Ursachen waren schnell gefunden: Die Konkurrenz zu den nahen französischen Skigebieten und der starke Franken vermiesen das Geschäft.

Kam die Zweitwohnungsinitiative zu spät?

Doch wirft nun «Le Temps» die Frage auf, ob es nicht noch andere Ursachen für den möglichen Untergang des Skigebiets gibt: Was, wenn die Lex Weber zu spät gekommen ist? Denn wäre die Zweitwohnungsinitiative nicht erst 2012 von der, mehrheitlich, städtischen Bevölkerung angenommen worden, hätten die Bergregionen früher in neue Formen des Tourismus investieren müssen.

Die Lex Weber galt für die Bergregionen als grosse Gefahr. Der Zweitwohnungsbau war ein sicheres Geschäft. Er brachte den Baufirmen gute Einnahmen und den Tälern Gäste. Doch fallen die Auswirkungen der Norm fünf Jahre nach Annahme der Zweitwohnungsinitiative im Wallis gering aus. Die Arbeitslosigkeit im Kanton ist im Bausektor im letzten Jahr deutlich zurückgegangen. Wieso also nun die Krise? Man habe viel zu lange auf Einzelinteressen anstatt auf die langfristige Perspektive geachtet, sagt Luc Fellay, der Präsident der Nachbargemeinde Champéry gegenüber «Le Temps».

Zweitwohnungsbesitzer kommen nicht mehr

In den Sechzigerjahren hat in der Region der Bauboom eingesetzt. Die Besitzer der Zweitwohnungen machten im Tal, je nach Gemeinde, zwischen 50 und 70 Prozent der Gäste aus. Doch kommen sie immer weniger. Jedes Jahr verliere das Tal 7 Prozent der Skifahrer, so das Wirtschaftsblatt. Durch die geringere Anzahl Gäste fehlen die Einnahmen, das erschwert Investitionen. Die Skilifte wirken alt, die Gäste bleiben aus. Prompt ist der Rückstand auf die modernen Skigebiete noch grösser. Ein Teufelskreis.

Im Walliser Tal hoffe man nun darauf, dass die Besitzer der Zweitwohnungen auch ihren Teil zur Lösung des Problems beitragen können. Dafür sollen die Gäste eine höhere Kurtaxe bezahlen. Doch kritisieren Besitzer von Zweitwohnungen den Zuschlag bereits. Er könne zu Spannungen zwischen den Einheimischen und den temporären Einwohnern der Region sorgen, weil sie sich nur noch als Bürger zweiter Klasse fühlten.

Hoffen auf den nächsten Winter

Der Tourismusexperte Laurant Vanat erklärt gegenüber «Le Temps», dass man sich zu lange auf die Einnahmen aus dem Immobiliengeschäft konzentriert habe, es aber verpasst habe, ein Geschäftsmodell zu kreieren, das auch noch funktioniere, wenn alles zugebaut sei. Die Probleme gibt es nicht nur in der Region um Morgins, sondern auch in anderen kleinen Skigebieten des Kantons. Der Kanton hat bereits in einer Studie festgehalten, dass der Bau von Zweitwohnungen dazu geführt habe, dass viele kleine Gemeinden stark gewachsen seien und damit auch die Infrastruktur überdimensioniert sei.

Auf der Internetsite von Télémorgins heisst es, dass trotz der Schwierigkeiten jeder eifrig daran arbeite, um die Bahnen zur neuen Wintersaison öffnen zu können. Dabei sei die Firma auf jede Unterstützung angewiesen. (jb)

Erstellt: 30.08.2017, 15:46 Uhr

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