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Weniger Kunden, volle Lager

Für viele Schweizer Firmen laufen die Geschäfte derzeit nicht gut. Vor allem der Detailhandel darbt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Konjunkturforschungsstelle KOF – und nennt zwei Hauptgründe.

Schwieriges erstes Halbjahr für die Detailhändler: Filiale von Coop in Basel.
Schwieriges erstes Halbjahr für die Detailhändler: Filiale von Coop in Basel.
Keystone

Die Geschäftslage der Schweizer Unternehmen hat sich laut einer Umfrage der ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF eingetrübt. Nach gutem Jahresbeginn liess der Schwung bei vielen der über 6000 befragten Firmen nach. Erstens belastete das internationale Umfeld, insbesondere die Zypern-Krise, sagte KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm am Montag an einer Medienkonferenz in Zürich. Zweitens habe der ungewöhnlich lange Winter Detailhandel und Baugewerbe gebremst.

Anders als die vom Tagesgeschäft abhängigen Detailhändler konnten die Baufirmen aber auch im Winter Bestellungen sammeln und die Auftragsbücher füllen. Ihre Geschäftserwartungen seien denn auch sehr positiv, die Geschäftslage weiterhin prächtig und die Preise stabil.

Unzufriedenen Detailhändler

Unter den Detailhändlern hat die Unzufriedenheit dagegen zugenommen, wie die im April durchgeführte Umfrage ergab. Die Kundenfrequenzen nahmen deutlich ab, die Lagerbestände stiegen. Einige Frühjahreswaren sei liegen geblieben, sagte Studienautor Klaus Abberger. Für die nächsten Monate rechnen die Händler mit stabilen Umsätze, planen aber wieder häufiger Preisabschläge ein.

Nach den Hoffnungen zu Jahresbeginn erlitt auch das Gastgewerbe einen Rückschlag. Das Minus ist vor allem witterungsbedingt und kleiner als im letzten Jahr. Die Hoffnung auf eine Trendwende bleibt, wie Abberger erklärte.

Exportindustrie

In der Industrie ist die Geschäftslage zweigeteilt: exportorientierte Firmen beurteilen sie schlechter als binnenorientierte. Die Ertragslage ist zwar weiterhin schwierig, aber besser als letztes Jahr. Durch den Euro-Mindestkurs schätzen die Firmen auch ihre Konkurrenzfähigkeit besser ein.

Die Mitarbeiterzahl beurteilen die Industriefirmen im Schnitt als leicht zu hoch. Die Auslastung des Maschinen- und Geräteparks ist erstmals seit fünf Quartalen gestiegen, blieb mit 81,3 Prozent im historischen Vergleich aber klar unterdurchschnittlich.

Weiterhin schrittweise Stellen abbauen wollen laut KOF-Umfrage die Banken. Die Klagen über ein schwaches Auslandgeschäft haben zugenommen. Die Steuerdiskussion verunsichere Kunden und Banken, hielt Abberger fest. Mit dem Inlandgeschäft sind die Banken zufrieden. Bei den Versicherungen ist die Geschäftslage sogar ausserordentlich gut.

Verhaltene Zuversicht

Insgesamt sehen die befragten Unternehmen seltener Stellenstreichungen vor als bisher. Sie gehen davon aus, dass sich die Geschäfte in den nächsten sechs Monaten beleben werden.

KOF-Leiter Sturm verwies auf die konjunkturelle Aufhellung in den USA. Zudem könnte auch die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) den Euro-Krisenländern leichte Entlastungen bringen.

Sturm sieht im Moment keinen Anlass, die Konjunkturprognose zu ändern: Die KOF hat im März das Wachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) im laufenden Jahr auf 1,4 Prozent veranschlagt.

(SDA)

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