Wie chinesische Händler die US-Sanktionen umgehen

Die Hälfte aller Einfuhren aus China ist mit US-Zöllen belegt. Händler werden kreativ, diese zu umgehen.

Umgehen US-Zölle: Containerschiff im chinesischen Hafen von Qingdao.

Umgehen US-Zölle: Containerschiff im chinesischen Hafen von Qingdao. Bild: AP/Keystone

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Die Beziehungen zwischen den USA und China sind auf einen Tiefstand gefallen: Die beiden Wirtschaftsnationen überziehen sich gegenseitig mit Strafzöllen und Drohungen. US-Präsident Donald Trump hat mittlerweile Zölle im Wert von 250 Milliarden Dollar auf chinesische Importe verhängt. Damit ist rund die Hälfte aller Einfuhren aus China betroffen. China antwortete mit Zöllen auf US-Waren im Wert von 110 Milliarden Dollar.

Allerdings haben chinesische Händler einen Weg gefunden, die Zölle zu umgehen. Jedes Produkt, das in die USA importiert wird, ist mit einer 10-stelligen Nummer gekennzeichnet, dem sogenannten HTS-Code. Dieser wird von der Zollbehörde bei der Einfuhr überprüft. Insgesamt gibt es 18'927 dieser Kodierungen, die helfen sollen, Produkte der verschiedenen Märkte zu erkennen und eine gemeinsame Sprache zu erstellen.

Codes werden verändert

In Zeiten von neuen Handelszöllen würden diese entsprechend manipuliert, schreibt das «Wall Street Journal». Das berichteten Importeure, Zollbeamte, Handelsanwälte und Schiffsmakler. Ein Holzimporteur aus dem US-Bundesstaat Oregon berichtet etwa, wie er im Juni – sieben Monate nach Einführung der Zölle – einen Anruf von einem Zulieferer erhalten habe. Dieser habe gefragt, ob er chinesisches Sperrholz zollfrei bekommen wolle.

«Keine Sorge», habe der Lieferant dem Importeur gesagt. Die chinesischen Markierungen auf dem Holz würden entfernt und die Ware würde unter einem anderen Code verschifft. Seitdem Trump im März Zölle auf Stahl erhoben hatte, seien chinesische Stahlplatten oft als Turbinenteile beschriftet und importiert worden, sagte Timothy Brightbill, verantwortlich für Handel bei der Anwaltsfirma Wiley Rein LLP, dem «Wall Street Journal». Die Kanzlei arbeitet oft an Fällen falscher Klassifizierung.

Entsprechend seien die Importe von Stahlplatten in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um 11 Prozent gefallen, während Importe von Turbinen um 121 Prozent gestiegen seien.

Urteile der US-Zollbehörden verdreifacht

Ähnliches fand bei Diamantsägeblättern statt, die aus China importiert werden. Diese werden zurzeit mit Zöllen von 82 Prozent belegt. Zwei kalifornische Importeure, die von einem chinesischen Hersteller kontrolliert werden, hatten im Juli versucht, diese zu umgehen, indem sie die Sägeblätter als Schleifsteine deklarierten.

Daten zu der Anzahl Fehldeklarationen gibt es kaum. Ein Indikator sind die Anzahl Urteile der US-Zollbehörden. Im Juli kam es zu 146 Urteilen wegen mangelhafter Klassifizierungen aus China – dreimal mehr als noch vor sechs Monaten.

Produkte über Drittländer umgeleitet

Ein weiterer Weg, Zölle zu umgehen, ist, die Ware über Drittländer zu importieren. Diese Praxis macht seit längerem Schule, wie das Beispiel von Stahlimporten zeigt. 2016 hatten die USA bereits Zölle auf kaltgewalzten und korrosionsfesten Stahl verhängt. Davon waren 2015 noch 1,2 Millionen Tonnen aus China in die USA exportiert worden, 50'000 Tonnen kamen zu dem Zeitpunkt aus Vietnam.

Nach Einführung der Zölle gingen die Importe aus China zwar zurück, die aus Vietnam schossen aber in die Höhe. Wurde 2015 noch kaltgewalzter Stahl im Wert von 9 Millionen Dollar importiert, war es 2016 bereits Ware im Wert von 215 Millionen Dollar. Importe von korrosionsfestem Stahl aus Vietnam schossen von zwei auf 80 Millionen Dollar in die Höhe.

Die US-Handelsministerium leiteten Ermittlungen ein, da Chinas Stahlproduzenten ihre Exporte offenbar systematisch über Drittländer, in diesem Fall Vietnam, umleiteten. Im Mai dieses Jahres hat die US-Regierung nun auch Stahl aus Vietnam mit Zöllen belegt. Die Behörden rechnen damit, dass den USA wegen Zollumgehungen jedes Jahr mindestens 550 Millionen Dollar an Zolleinnahmen entgehen.

Plattform, um Zölle zu umgehen

In China teilen Exporteure mittlerweile auf Plattformen ihr Wissen darüber, wie man am besten die Zölle umgeht – etwa auf der Seite Yishanghuiyou («Friends through Commerce»). Ein Nutzer fragt hier: «Wir wollen eine Charge Sperrholzschalen exportieren. Was ist der Zollcode für Sperrholz, damit wir die Inspektion vermeiden können?» «Unsere Firma kann helfen», schrieb ein anderer Nutzer und schlug vor, sich in Kontakt zu setzen.

Erstellt: 16.10.2018, 20:39 Uhr

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